Optimismus und Sorge bei WK-Neujahrsempfang
Vor einem Abstieg des Wirtschaftsstandortes Tirol von der Spitze in die Mittelmäßigkeit wegen neuer Steuerbelastungen warnte WK-Präsident Jürgen Bodenseer in Lienz.
Zum traditionellen Neujahrsempfang lud am Mittwoch, 22. Jänner 2014, Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer in die Bezirksstelle Lienz. Neben vielen Wirtschaftstreibenden folgten auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft – an der Spitze Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf – der Einladung. Die Wiltener Sängerknaben umrahmten die Veranstaltung musikalisch. Davor zog Jürgen Bodenseer bei einem Pressegespräch gemeinsam mit Michael Aichner, Obmann der Bezirksstelle Lienz, Bilanz über das abgelaufene Jahr und gab einen Ausblick auf 2014. „Eigentlich habe ich ähnlich große Sorgen und Freuden wie vor einem Jahr, wenn ich den Wirtschaftsstandort Tirol betrachte“, so Bodenseer. Aktuelle Umfragen würden zeigen, dass es der heimischen Wirtschaft nur mittelmäßig gehe. „Ich bin in Sorge, dass die Belastungswelle, die vor allem vom Bund ausgeht und nicht nur Unternehmer betrifft, den Abstieg unseres Standortes von der Spitze in die Mittelmäßigkeit beschleunigt“, meinte der Präsident.
Präsident Jürgen Bodenseer: „Vor allem auf Bundesebene wird lediglich reformiert, und es fehlt der Mut, in neue Richtungen zu denken.“
Das Unternehmertum als gesellschaftspolitisch und vor allem für den Wohlstand wichtigen Faktor in den Mittelpunkt zu stellen, sei ein Schwerpunkt des Programms für 2014. „Wenn ich beispielsweise die klassenkämpferischen Statements im Rahmen des Wahlkampfes zur Arbeiterkammerwahl höre, habe ich stark den Eindruck, dass das Verständnis für den Beitrag der Unternehmer für Wohlstand und sichere Arbeitsplätze vielfach fehlt“, so Bodenseer. Er forderte, dass es neue Gesetze, Verordnungen und Auflagen nur geben soll, wenn die Politik deren Notwendigkeit beweisen könne. „Wenn sich die Politiker nicht endlich zu diesem Schritt durchringen, ersticken unsere Unternehmen in einer Gesetzesflut und in einem bürokratischen Dschungel“, forderte Bodenseer Mut zur Veränderung.
In Osttirol gäbe es laut Bodenseer eine gute Mischung aus leistungsfähigen Gewerbe- und Industriebetrieben sowie einer funktionierenden Landwirtschaft. Die Tourismuswirtschaft strenge sich sehr an, um aktiv den Wirtschaftsstandort Osttirol weiterzuentwickeln. „Wenn ich an das Hotelprojekt der Schultz-Gruppe in Kals denke, orte ich eine Renaissance der Regionalität, und mit der unberührten Natur hat der Bezirk meiner Meinung nach Gold in den Händen“, betonte der Wirtschaftskammer-Präsident. Das wichtigste sei der Rohstoff Optimismus, der in den Köpfen von UnternehmerInnen und MitarbeiterInnen einen kleinen Klimawandel bewirken könne.
Obmann Michael Aichner: „Die Einrichtung eines Arbeitskreises Felbertauern erwies sich als besonders hilfreich. Vertreter der Transport- und Produktionswirtschaft erarbeiten laufend Maßnahmen zur Verbesserung der Situation.“
Der Osttiroler WK-Obmann Michael Aichner thematisierte den Felssturz am Felbertauern als „Zäsur für die Osttiroler Wirtschaft“ im vergangenen Jahr. „Die Felbertauernstraße AG hat mit der Planung und dem Bau der Ersatzstraße sehr schnell reagiert, und die Wirtschaftskammer hat unverzüglich eine Studie über die regionalwirtschaftlichen Aspekte in Auftrag gegeben“, so Aichner. Für die betroffenen Wirtschaftszweige seien vom Land wirkungsvolle Hilfsmaßnahmen gesetzt worden. „800.000 Euro als Abgeltung von Transport-Mehrkosten und 500.000 Euro zusätzliche Mittel für den Tourismus haben bei der Schadensbegrenzung sehr geholfen“, meinte der Obmann. Die derzeit geltende Winterregelung am Felbertauern mit Ausnahmebewilligungen und eingeschränkter Befahrbarkeit der Ersatzstraße – maximal 10,5 Stunden täglich bei nach menschlichem Ermessen sicheren Fahrbedingungen – bedeute für viele Unternehmer weiterhin Umwege und Mehrkosten. „Wir haben zwar eine Gebührenbefreiung mit Beginn des neuen Jahres erreicht, werden uns aber darum bemühen, dass die im vergangenen Jahr bezahlten rund 120.000 Euro an Gebühren für Ausnahmebewilligungen an die Unternehmen zurückgezahlt werden“, so der Obmann abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images

