Unterpetererhof: Wo Tradition den Geschmack der Zukunft trifft
Dem 700 Jahre alten Unterpetererhof im Oberlienzer Ortsteil Oberdrum hauchen Stefanie und Manfred Gatterer neues Leben ein: mit einem Gasthaus und einer Vision, die Landwirtschaft, Kulinarik und Gastfreundschaft verbindet.
Der Unterpetererhof ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen. Bereits 1325 urkundlich erwähnt, wurde er über Generationen hinweg von der Familie Baumgartne geprägt. 2019 übergaben Hans und Anni Baumgartner den Hof an ihre Tochter Stefanie und deren Mann Manfred Gatterer. Damit begann ein neues Kapitel: die Verwandlung des Hofes in einen Ort, an dem Landwirtschaft und Gastronomie Hand in Hand gehen.

Manfred Gatterer stammt aus Ehrenburg in Südtirol und unterrichtet an der Wirtschaftsfachoberschule Bruneck. Seine Frau Stefanie ist Küchenmeisterin und Kochlehrerin an der Landeshotelfachschule Bruneck. Der Unterpetererhof ist Lebensmittelpunkt für drei Generationen: für Stefanie und Manfred, für ihre Kinder Max (19, Bildhauer) und Frida (12, Schülerin) sowie für Stefanies Eltern Anni und Hans.

Die Idee, den Unterpetererhof eines Tages zu einem Gasthaus zu machen, bestand schon lange. Mit der Hofübergabe 2019 begann die Familie, diesen Traum Schritt für Schritt zu verwirklichen. Zunächst wurden das Dach- und das Obergeschoss zu einer Privatwohnung umgebaut. Anschließend entstanden eine gemütliche Gaststube und eine moderne Küche, die dennoch den Charme des Alten bewahrt. „Wir kochen auf einem alten Holzherd, den wir vom Kloster Mühlbach erworben haben. Er verbindet Vergangenheit und Gegenwart und ist Symbol für die Philosophie unseres Hauses“, sagt Manfred.

Seit Juni 2024 ist die Vision Realität: Das Gasthaus „Unterpeterer’s“ öffnet seine Türen – allerdings nur auf Voranmeldung, damit jedes Menü individuell auf die Gäste abgestimmt werden kann. „Wir kochen nur, was gerade verfügbar ist, und stellen daraus gemeinsam mit den Gästen das Menü zusammen“, erklärt Stefanie. Als ausgezeichnete Köchin zaubert sie mit viel Kreativität mehrgängige Menüs, während ihr Mann den Service übernimmt, Brot bäckt und auch in der Küche mithilft, z.B. bei Vorbereitungsarbeiten, bei Suppen und bei Beilagen. Es ist ein eingespieltes Team, das den Gästen nicht nur kulinarische Qualität, sondern auch spürbare Leidenschaft vermittelt.

Den Auftakt bildet das „Kostale“, eine kalte Vorspeise mit hausgemachtem Brot, Aufstrichen, Speck und Wurstwaren. Danach folgt eine Suppe, die sich nach der Jahreszeit richtet – im Frühling etwa mit Bärlauch, im Herbst mit Parasolen. Anschließend kommen beispielsweise hausgemachte Teigwaren wie Nudeln oder Teigtaschen auf den Tisch, bevor als Hauptgang bevorzugt Schmorgerichte serviert werden, begleitet von frischen Beilagen. Den süßen Abschluss bilden Desserts wie hausgemachtes Eis, Parfaits, Cremes oder Kuchen.

Die Weinbegleitung reicht von Südtiroler Klassikern bis zu österreichischen Spezialitäten und wird mit großer Sorgfalt ausgewählt. Dabei geht es den Gatterers nicht um Exklusivität, sondern um Qualität, die für die Gäste leistbar bleibt. „Uns ist wichtig, dass wir hochwertige Weine anbieten, aber zu einem fairen Preis“, betont Manfred. So finden sich im Sortiment etwa ein Cabernet aus dem Veneto, ein Grüner Veltliner aus Niederösterreich, ein Südtiroler Kerner oder ein Sauvignon Blanc aus der Steiermark.

Das Herzstück des Hofes ist die Landwirtschaft. Freilaufende Mangalitzaschweine leben hier in Oberdrum, fressen Biogetreide, Gras und im Winter gedämpfte Kartoffeln. Ihr Fleisch wird nach dem Prinzip „Nose to Tail“ verarbeitet – zu Würsten, Lardo, luftgetrocknetem Rohschinken, Speck, Guanciale, Salami und Kaminwurzen. Für nächstes Jahr sind auch Rinder der Rasse „Buischa Grauvieh“ geplant, die mit ihrer geringen Risthöhe von maximal 1,20 Metern perfekt an das alpine Gelände angepasst sind und mit wenig Futter auskommen. „Diese alte Rasse lebt vor allem in höheren Lagen in Südtirol und ist insbesondere in den ladinischen Tälern beheimatet. Damit entsteht bei uns eine Vielfalt an traditionellen Nutztierrassen – von den Mangalitzaschweinen über das Grauvieh bis hin zu Tiroler Hühnern und Bloben Ziegen“, sagt Manfred.

Obst, Gemüse, Kräuter und Kartoffeln stammen ebenfalls aus eigenem Anbau – Vater Hans ist dabei der „Gemüsebeauftragte“. Was nicht selbst produziert wird, kommt aus der unmittelbaren Umgebung. Dazu gesellen sich eigene Säfte wie Apfel-, Trauben- oder Hollersaft, Minzesäfte, Kräutersirupe und sogar ein Getränk aus Eibisch. Beim Törggelen im Herbst kommen auch die Kastanien aus eigenem Anbau auf den Tisch.

Neben der Viehzucht und dem Gemüseanbau wagen die Gatterers auch einen Schritt in eine neue Richtung: den Weinbau. „Wir haben hier auf rund 800 Metern Seehöhe 430 Reben gepflanzt und sechs pilzresistente Sorten ausprobiert“, erzählt Manfred. „Es ist ein Experiment, ob der Weinbau auf dieser Höhe überhaupt funktioniert und welche Sorten sich eignen. Wir wollen sehen, was das Gebiet hergibt und ob wir daraus langfristig eine eigene Linie entwickeln können.“

Neben dem Gasthaus bietet der Unterpetererhof auch drei Ferienzimmer. Herzstück ist ein großer Raum mit integrierter Küche und einer langen Tafel – ideal für Familienfeiern, gemeinsames Kochen oder Seminare. Dank seiner offenen Gestaltung lässt er sich sogar als Vortragsraum nutzen. „Produzieren – verarbeiten – veredeln – kredenzen“, so lautet die Devise von Manfred und Stefanie. „Unser Hof soll ein Ort sein, an dem Gäste nicht nur essen, sondern die Werte unserer Familie erleben – Nachhaltigkeit, Regionalität und Respekt vor der Natur.“

Der Unterpetererhof ist mehr als ein Bauernhof und ein Gasthaus. Stefanie und Manfred haben mit viel Herzblut einen Ort geschaffen, der Geschichte erzählt, Geschmack kultiviert und Gästen die Möglichkeit gibt, zu entschleunigen und das Leben bewusst zu genießen. Oder, wie es in metallenen Lettern am Balkon des Stadels steht: „Das Leben ist schön!“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller














