Neues Uni-Semester ab März am Campus Technik Lienz

Die Fertigstellung des Campus Technik Lienz ist mit 22. Jänner 2018 anvisiert. Dann startet die Umsiedlung. Ab 5. März wird dann im neuen Gebäude gelehrt und geforscht.

Am 23. Februar 2017 erfolgte der Spatenstich für den Campus Technik Lienz am Linken Iselweg. Hier entstehen Räumlichkeiten für das Mechatronik-Studium sowie eine Erweiterung zur PHTL. In einem weiteren Schritt soll auch die Polytechnische Schule im neuen Campus angesiedelt werden. Derzeit ist das Mechatronik-Studium in der Wirtschaftskammer untergebracht. Wir sprachen mit Mag. Dr. Thomas Baumgartner von der Uni Innsbruck, der für die Umsetzung des Neubaus auf Universitätsseite (Uni Innsbruck und UMIT) zuständig ist, sowie mit ao. Univ.-Prof. Dr. DDI Fadi Dohnal, dem wissenschaftlichen Leiter der Uni in Lienz.

Professor Fadi Dohnal ist der wissenschaftliche Leiter der Uni in Lienz. Julia Außersteiner ist für die Administration rund um das Studium (Anmeldung, Prüfungsorganisation etc.) verantwortlich.

Herr Baumgartner, wie stellt sich der Baufortschritt am Campus Technik Lienz dar?

Die Bauarbeiten befinden sich in der Endphase. Die Fertigstellung ist mit 22. Jänner 2018 anvisiert. Dann braucht es nur noch einen Feinschliff. In der Wirtschaftskammer ist bis Ende Jänner noch Prüfungsbetrieb. Während der Semesterferien – also im Februar – wird das Gebäude bezogen. Mit Start des Sommersemesters 2018 am 5. März kann der Studienbetrieb im Neubau beginnen.

Herr Dohnal, was sind Ihre Aufgaben als wissenschaftlicher Leiter der Uni in Lienz?

Meine Aufgabe ist, Firmenkontakte und Kooperationen in der Region und darüber hinaus für die Uni in Lienz aufzubauen. An der Uni in Lienz wird nicht nur im Rahmen des Mechatronik-Studiums gelehrt, sondern auch intensiv geforscht. Ich unterrichte und forsche auch selbst.

Können Sie uns das Mechatronik-Studium in Lienz grundsätzlich erklären?

Das Mechatronik-Studium ist eine dreijährige Ausbildung und schließt mit dem Bachelor of Science ab. Die wesentlichen Themen sind MECHanik, ElekTROtechnik und InformatIK (MECHATRONIK). Die Berufsaussichten für die Studierenden sind exzellent – besonders auch hier in der Region. Wir haben dezidierte Zusagen von einigen Firmen in Osttirol, die sofort einen Mechatroniker mit Bachelor-Abschluss einstellen würden. Darüber hinaus haben wir Zusagen von Firmen, die Abschlussarbeiten im Rahmen des Bachelorstudiums anbieten und die es kaum erwarten können, erste Studierende zu bekommen. Das Umfeld in Osttirol ist ausgezeichnet. Hier gibt es einige exzellente Mechatronik-Firmen, die in Nischen und Spezialisierungen international konkurrenzfähig sind. Für diese Firmen ist es eine große Herausforderung, technisch ausgebildetes Personal zu finden. Neben der bestehenden Ausbildung an der HTL und der Fachberufsschule bieten wir mit der Uni in Lienz ergänzend auch eine Mechatronik-Ausbildung auf universitärem Niveau an. Von der Lehre (Fachberufsschule) über den Werksmeister und Ingenieur (HTL) bis zum Bachelor- und Doktoratsstudium ist eine Ausbildung in Lienz möglich und wird in Kürze auf dem Campus Technik Lienz örtlich konzentriert angeboten.

Wie viele Studierende gibt es derzeit beim Mechatronik-Studium?

Derzeit unterrichten wir in zwei Jahrgängen elf Studierende in einem ausgezeichneten und teilweise persönlichen Betreuungsverhältnis. Im Oktober 2018 startet der nächste Jahrgang.

Wie stellt sich an der Uni in Lienz der Bereich Forschung dar?

In Lienz wird in Kürze das Doktorats-Kolleg ins Leben gerufen, das so wie das Bachelor-Studium gemeinsam von UMIT und Uni Innsbruck betreut wird. In der Startphase werden bis zu sechs Doktoranden in Lienz arbeiten. Die Finanzierung dieser Stellen erfolgt über die Uni Innsbruck, die UMIT, die Stadt Lienz und über Firmen. Diese haben eine Forschungskooperation mit dem Doktorats-Kolleg begonnen (z. B. Liebherr, IDM, Micado).

Wie viele Doktoranden gibt es derzeit in Lienz?

Derzeit gibt es zwei Doktoranden, drei bis vier weitere werden bis März 2018 ihre Arbeit beginnen. Wir gehen hier Forschungskooperationen mit regionalen Firmen ein, um neue Produkte und Prozesse zu entwickeln. Dadurch unterstützen wir die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen, und wir helfen ihnen, Know-how in einem neuen Gebiet aufzubauen. Nach Abschluss des  Doktoratsstudiums steht das Know-how natürlich dem jeweiligen Unternehmen weiterhin zur Verfügung, im Idealfall durch die Doktorin/den Doktor selbst, und führt oft auch zu Patenten. Wir sehen dies auch als indirekte Förderung der regionalen Wirtschaft. In einer Forschungskooperation arbeiten wir derzeit auch mit der Firma Engel Spritzgussmaschinen aus Oberösterreich zusammen, und wir sind mit weiteren Unternehmen im Gespräch. Im nächsten Sommer starten wir auch einen internationalen wissenschaftlichen Austausch. WissenschaftlerInnen von den Universitäten Moskau und Sao Paulo sowie von der ETH Zürich kommen nach Lienz, um hier Forschung zu betreiben.

Wie läuft der Lehrbetrieb in Lienz ab?

Die drei Standorte des Mechatronik-Studiums Innsbruck, Hall und Lienz sind über eine Videoanlage miteinander verbunden. Wir können sowohl Videokonferenzen durchführen, als auch streamen. Wir stellen auch sicher, dass jederzeit für Fragen oder Interaktionen unterbrochen werden kann. In den drei Jahren des Studiums wird etwa die Hälfte des Unterrichts über Videokonferenz und die andere Hälfte über persönlichen Unterricht vor Ort abgewickelt. Lehrende der UMIT und der Uni Innsbruck kommen auch persönlich nach Lienz. Genauso unterrichte ich nicht nur in Lienz, sondern werde ab nächstem Semester über die Videoanlage und persönlich auch in Hall und Innsbruck lehren.

Was sagen Sie zur nunmehr anstehenden Übersiedlung an den Campus Technik Lienz und was sind die großen Vorteile dieses neuen Standortes?

Dass wir im Februar mit dem Bezug des neuen Campus starten können und dass das Sommersemester mit 5. März 2018 dann am Campus beginnt, freut mich natürlich sehr. Vor allem die Labors brauchen wir dringend. Drei Abschlussklassen der HTL kommen auch im Neubau unter und nutzen das Elektrotechnik-Labor gemeinsam mit der Uni. Die enge Nachbarschaft zu HTL und Fachberufsschule bzw. die Kooperation mit diesen Schulen ist für mich das Einzigartige am Campus Technik Lienz. Die Studierenden und SchülerInnen können auch gemeinsam an einem Projekt arbeiten und verschiedenste Aspekte bearbeiten. Der Campus Technik Lienz vereint die Mechatronik-Kompetenz in Osttirol und ist in dieser Form einzigartig in Österreich. Diese Kompetenz wird durch das neue Gebäude nach außen sichtbarer und die Uni in Lienz deswegen auch für Interessierte sicher attraktiver.

Was ist das Einzigartige am Campus Technik Lienz?

Die örtliche Zusammenfassung einer Uni mit einer HTL bzw. Fachberufsschule ist neu und damit einzigartig in Österreich. In der Automatisierungstechnik decken wir alle Fertigkeiten ab – von der Idee über die Planung bis zur Modellierung, den Bau von Prototypen und die Optimierung von Prozessen und Systemen. Zum Beispiel bauen wir sich schnell bewegende Roboterarme oder humanoide Roboter, die sich menschenähnlich bewegen. Im neuen Campus Technik Lienz verfügen wir auch über einen modernen 3D-Drucker für Metalle, mit dem wir neue Materialeigenschaften designen oder neue geometrische Formen planen und herstellen können.

Danke für das Gespräch!

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger