Umweltberater Gerhard Lusser: „Wir könnten es besser!“

Gerhard Lusser erzählte uns von der Diskrepanz zwischen dem Umweltgedanken und dem tatsächlichen Handeln bei Abfallentsorgung und Müllvermeidung.

Geht es nach Umfragen, so wird die Mülltrennung von 85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher als wichtigster persönlicher Beitrag zum Umweltschutz gesehen. Nur 30 Prozent sind sich jedoch auch darüber im Klaren, dass Abfälle wertvolle Rohstoffe liefern. Das Resultat: Hunderttausende Tonnen Papier, Glas, Kunststoff und Metall landen ebenso wie Unmengen an noch verwendbaren Lebensmitteln jährlich im Restmüll. Diese Problematik ist für Gerhard Lusser nichts Neues. Schließlich gehört die Kontrolle der Sammelstellen, inklusive jener von Problemstoff- oder Sperrmüllsammlungen, im Bezirk Lienz zu jenen Tätigkeiten, die der 53-Jährige als Umweltberater im Dienste des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol ausübt.

 

 

„Leider meint immer noch so mancher, dass die Sammelstellen von Glas, Papier, Kunststoff & Co Orte der reinen Müllentsorgung sind. Es fehlt das Bewusstsein, dass es sich hier um Einrichtungen für die Wertstoffsammlung handelt. Dementsprechend verzeichnen wir nicht nur immer wieder so genannte ,Fehlwürfe‘, sondern auch fahrlässig entsorgten Restmüll in Containern, wo dieser nicht hingehört.“ Insgesamt liege Osttirol zwar, so Lusser, in Hinsicht auf die Wertstoffsammel- und Mülltrennungs-Effizienz im guten österreichischen Mittelfeld, doch sei das Potential nach oben hin auch bei uns noch sehr groß. „Viel zu viel an Ressourcen, die einer sinnvollen Wiederverwertung zugeführt werden könnten, wird auch bei uns verschwendet. Ich bin davon überzeugt, dass wir, wenn wir nur wollten, es besser könnten.“

 

 

Mit Akribie und Sorgfalt verfolgt Lusser den Weg, den der Müll Jahr für Jahr von Osttirols Haushalten, Institutionen und Betrieben hin zu Sammelstellen bzw. letztendlich auch hin zu den Aufbereitungsanlagen des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol nimmt. Die Auswertung der Daten für die einzelnen Gemeinden, aber auch für den gesamten Bezirk, die sich aus der Summe aller erfassten Abfälle und Wertstoffe ergeben, ist ein weiterer Teil seines Arbeitsspektrums. „Derzeit sind wir gerade dabei, die Müllanalyse für 2018 zu erstellen. Ein Jahr zuvor weist die Statistik für Osttirol eine Gesamtmenge von 23.063 Tonnen aus. 2017 fielen z.B. 318 Tonnen an Altkleidung, 1.604 Tonnen an Kunst- und Verbundstoffen, 116 Tonnen an Problemstoffen, 2.079 Tonnen an Biomüll, 1.277 Tonnen an Sperrmüll, 28 Tonnen Batterien oder 625 Tonnen Schrott an.“

 

 

Seit mittlerweile 18 Jahren ist der gebürtige Lienzer beim Abfallwirtschaftsverband Osttirol (AWVO) tätig. Dem 1974 von 16 Gemeinden begründeten Verband gehören heute alle 33 Kommunen des Bezirkes Lienz an. Der Sitz der Institution befindet sich im Dolomitencenter in Lienz. Obmann des Verbandsausschusses ist der Nikolsdorfer Bürgermeister Georg Rainer, als AWVO-Geschäftsführer fungiert der Asslinger Bürgermeister Bernhard Schneider. Aktuell zählt der AWVO neun Beschäftigte, von denen sechs in der Deponie in Lavant arbeiten. Die Aufgaben des Verbandes umfassen die praktische Organisation und Umsetzung von Gesetzen und Verordnungen, die Sammlung der Verpackungen in Zusammenarbeit mit der Firma Rossbacher und den Branchen-Recyclinggesellschaften (BRG), die Abwicklung der mit der ARA (Altstoff-Recycling-Austria) und den BRG bestehenden vertraglichen Regelungen, den Betrieb der Abfallbehandlung Lavant GmbH und der Deponie in Lavant sowie die Abfall- und Umweltberatung.

 

 

Die ausführliche Beratung und Information darüber, wie Müll getrennt, verwertet, aber insbesondere auch vermieden werden kann, nennt Gerhard Lusser als jenen Teil seines Brotberufes, für den er nach eigenen Angaben „brennt“. „Ich berate Kommunen und Gemeindemitarbeiter und bin dafür da, Vorträge zu halten. Besonders gerne gehe ich direkt in die Schulen, um dort jungen Menschen die Bedeutung des Themas näherzubringen.“ Dafür ist er regelmäßig im gesamten Bezirk unterwegs. „Die Schulen können mich anfordern. Ich referiere auf Wunsch über verschiedene Inhalte oder erarbeite gemeinsam mit den Kindern bzw. Jugendlichen auch gezielte Projekte.“ Des Weiteren unterstützt der AWVO-Umweltberater bei der Durchführung von Flurreinigungsaktionen bzw. zeichnet für deren Organisation verantwortlich.

 

 

„Meine Zielsetzung ist es, beharrlich und mit Nachdruck ein Umdenken in der Bevölkerung zu erreichen. Schließlich geht es“, so Lusser abschließend, „nicht nur um die Verantwortung der Gesellschaft als Ganzes, sondern um jene jedes Einzelnen von uns. Das was wir heute tun, wie wir konsumieren, was wir als Müll entsorgen oder als Wertstoff sammeln, beeinflusst und prägt das Leben der uns nachfolgenden Generationen!“

 

 

Text: Elisabeth Hilgartner. Fotos: Martin Lugger

11. Mai 2019 um