TVBO-Wahlen: Kompromisslösung erzielt, Franz Theurl bleibt Obmann
Nach knapp 6 Stunden stand am 30.1. kurz nach ein Uhr früh das Ergebnis der TVBO-Wahl fest: Franz Theurl bleibt Obmann, Martin Gratz und Peter Wibmer bilden mit ihm den Vorstand.
Mit rund 20-minütiger Verspätung wurde am Abend des 29.1.2019 im nur mäßig gefüllten Lienzer Stadtsaal die Vollversammlung des Osttiroler Tourismusverbandes eröffnet. Obmann Franz Theurl begrüßte Ehrengäste und Mitglieder und ließ das vergangene, aus seiner Sicht „schwierige und herausfordernde“ Tourismusjahr Revue passieren. „2018 war aber auch ein Jahr des Aufbruchs“, meinte Theurl mit Hinweis auf einige seiner Ansicht nach doch sehr positive Veränderungen in Verantwortlichkeiten und Strukturen. Der Osttiroler Tourismusverband-Obmann sprach die Umsetzung neuer infrastruktureller Einrichtungen ebenso an wie Initiativen zu neuen, noch zu realisierenden Projekten. Mit Blick auf die Budgetzahlen – für 2019 sind 8,470 Mio. Euro budgetiert – betonte Theurl, dass eine Erhöhung der Aufenthaltsabgabe derzeit kein Thema sei.
Franz Theurl übergab in der Folge das Wort an Otto Trauner, der als TVBO-Geschäftsführer für Infrastruktur-Projekte verantwortlich zeichnete. Mit Blick auf 2019 hob er u.a. Vorhaben wie den „Wassermythos Ochsenlacke“ als Teil des Bergwasserparadieses Defereggental oder die nach den Unwettern im Vorjahr notwendig gewordene Wiederherstellung des Drauradweges hervor. Nach Trauner trat Thomas Winkler, seines Zeichens TVBO-Obmannstellvertreter, ans Rednerpult. Er referierte über Online-Aktivitäten des Verbandes und strich die tirolweite Vorreiterrolle der Osttiroler Vermieterakademie hervor. Die genauen Zahlen zu Online-Aktivitäten und Marketingaufgaben lieferte TVBO-Mitarbeiter Bernhard Pichler.
In Vertretung von Karl Jurak präsentierte dann DolomitenBank-Vorstandsdirektor Hansjörg Mattersberger Fakten und Zahlen zur Arbeit des Aufsichtsrates. Seine Aufforderung an die Vollversammlung, den von einem Wirtschaftsprüfer geprüften Jahresabschluss zu bestätigen, führte zur ersten Überraschung des Abends: Normalerweise eine Formsache, musste auf Wunsch eines weiblichen TVBO-Mitgliedes eine geheime, schriftliche Abstimmung durchgeführt werden. Mit 1.369 zu 839 Stimmpunkten wurde die Jahresrechnung schließlich angenommen. Die kurze Zeit später ebenfalls eingeforderte, geheime schriftliche Abstimmung über die Entlastung des Vorstandes endete mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Mit 1.389 zu 954 Stimmpunkten fiel das von Gerhard Föger von der Tourismusabteilung des Landes Tirol verkündete „Nein“ zur Entlastung der Funktionäre sehr deutlich aus.
Gerhard Föger, der die nicht erteilte Entlastung als „Kuriosum“ bezeichnete, startete dann, mit einiger zeitlicher Verzögerung, in den Tagesordnungspunkt 5 der Vollversammlung – in die lang erwartete Wahl des TVBO-Aufsichtsrates. Nachdem das Gros der Mitglieder offensichtlich die Möglichkeit zur Vorwahl im Lienzer Tourismushaus genutzt hatte, ging der Urnengang im Lienzer Stadtsaal relativ rasch und zügig über die Bühne. Die Auszählung der Stimmzettel dauerte länger – erst gegen 22.34 Uhr trat Gerhard Föger erneut ans Rednerpult. Der von ihm verkündete Gleichstand in der Mandatsverteilung überraschte so manchen, wie Reaktionen aus den Reihen der TVBO-Mitglieder zeigten.
In Stimmgruppe 1 entfielen 17 Stimmen auf die Liste Schultz und 13 Stimmen auf die Bezirksliste, mit dem Resultat von je zwei Mandaten für die beiden Gruppierungen. In den neuen Aufsichtsrat zogen damit Heinz Schultz und Peter Wibmer bzw. Hansjörg Mattersberger und Karl Poppeller ein. Ebenfalls 2:2 lautete das Ergebnis in Stimmgruppe 2. Im Detail bedeutete dies 71 Stimmen (2 Mandate) für die Bezirksliste (Thomas Winkler und Gerhard Scherer) und 57 Stimmen (2 Mandate) für das Team Osttirol (Michael Wildauer und Max Passler). Die „Kulinarikiste“ erzielte 8 Stimmen. 775 Stimmen und damit 2 Mandate für Martin Gratz und Elisabeth Kaplenig gab es dann in Stimmgruppe 3 für das Team Osttirol. 582 Stimmen (2 Mandate) erhielt die Bezirksliste mit Franz Theurl und Werner Frömel und 128 die „Kulinarikliste”, die kein Mandat gewinnen konnte.
Das Ergebnis der Wahl erbrachte damit erneut eine Pattstellung von 6:6 Sitzen im Aufsichtsrat – und das Fazit, dass die beiden fix gesetzten Osttiroler Bürgermeister Matthias Scherer aus Obertilliach und Anton Steiner aus Prägraten erneut als „Zünglein an der Waage“ fungieren. Nachdem alle 12 gewählten Aufsichtsräte „ihre“ Wahl angenommen hatten, zog sich der 14-köpfige Aufsichtsrat zurück – und Stunden des Wartens begannen. Der Saal leerte sich, viele verließen spätestens nach Mitternacht die Vollversammlung. Hinter verschlossenen Türen wurde, wie immer wieder durchsickerte, derweilen heftig diskutiert und zwischenzeitlich auch getrennt beraten.
Knapp nach 1.00 Uhr früh stand dann die ausverhandelte Kompromisslösung fest: Franz Theurl bleibt Obmann des TVB Osttirol, ihm zur Seite stehen im dreiköpfigen Vorstand Martin Gratz und Peter Wibmer. In den Aufsichtsrat rücken der Matreier Bürgermeister Andreas Köll sowie Manfred Lobenwein und Marcel Karolyi-Steiner nach. Zum Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Banker Hansjörg Mattersberger gewählt, als sein Stellvertreter fungiert künftig Andreas Köll.
Wenngleich der lange Wahlabend noch mit einigen lautstarken Dissonanzen und Unmutsäußerungen, insbesondere in Richtung Gerhard Föger, endete, verbleibt doch die Hoffnung, dass die Zusammenarbeit aller Kräfte im Verband künftig auf eine neue Ebene gehoben werden kann. Der „alte“ und neue Obmann Franz Theurl drückte dies so aus: „Wir haben gewählt, und eine Lösung wurde gefunden. Wir wollen nun ein Team sein – bitte gebt uns allen diese Chance!“
Text: J. & E. Hilgartner, Fotos: Expa Groder, Osttirol Heute





