Disharmonien bei Tourismus-Vollversammlung
Obmann Franz Theurl sprach bei der Vollversammlung des TVBO vom erfolgreichsten Jahr der Geschichte. Vertreter des Teams Osttirol übten Kritik an Führung.
„Ich kann mich an kein Jahr während meiner Obmannschaft erinnern, in dem im Osttiroler Tourismus so viel passiert ist wie 2015. Mit der Infrastrukturanalyse und der Destinationsstrategie haben wir wichtige Weichen für die Zukunft gestellt“, so leitete Obmann Franz Theurl die Vollversammlung des Tourismusverbandes Osttirol (TVBO) am Montagabend, 14. Dezember 2015, im Kultursaal von Nußdorf-Debant ein. Ein klares Bekenntnis zum Outdoor-Tourismus sei der wichtigste Punkt bei der strategischen Entwicklung. „Wir müssen Leuchtturmprojekte hinstellen. In Verbindung mit dem neuen Dolomitenbad soll ein Kompetenzzentrum für sämtliche Outdoor-Aktivitäten mit einer Kletterhalle entstehen“, so Theurl in seinem rund eine Stunde dauernden Bericht. Der Aufsichtsrat begleite jeden einzelnen Schritt, man arbeite in den Gremien konstruktiv und zielorientiert.
Erfreulich sei das Plus an Nächtigungen sowohl in der letzten Wintersaison mit 0,8% als auch im Sommer mit 2,71%. „Die Schutzhütten konnten im Sommer durch das schöne Wetter zulegen, bei den Campingplätzen wirkte positiv, dass man wieder ungehindert über den Felbertauern fahren kann“, so Theurl. Wichtig sei die Mehrdotierung der Marketingmittel, knapp 2,3 Mio. Euro sind 2016 vorgesehen, im ablaufenden Jahr 2015 waren es etwas mehr als 2 Mio. Euro. „Landeshauptmann Günther Platter hat für das Nationalparkmarketing künftig mehr Mittel und eine eigens für diese Aufgaben zuständige Arbeitskraft zugesagt, was wir natürlich sehr begrüßen. Diese Kraft wird sehr nahe bei uns im Tourismusverband sitzen, nicht etwa in Matrei“, so Theurl. Auch ein Vermietercoach pro Region werde künftig eingesetzt, in Sachen Vertrieb setze man in Zukunft noch mehr auf aktiven Verkauf mit den Schwerpunkten Bus- und Gruppenreisen sowie Incentives.
AR-Vorsitzender Werner Frömel: „Destinationsstrategie und Infrastrukturanalyse waren im letzten Jahr bedeutende Schritte. Der wichtigste Beschluss im Aufsichtsrat war aber natürlich, dass wir uns auf das Budget 2016 geeinigt haben.“
Die Marke „Osttirol“ sei laut Theurl voll präsent, Bilder der Urlaubsdestination gingen durch Großveranstaltungen – wie Radrundfahrten, Dolomitenmann, Alpine Weltcuprennen, Free Solo Masters usw. – um die ganze Welt. Mit der Entstehung von zahlreichen Klettergärten sei Osttirol auch zur Kletteredestination geworden. „Mit der Golfanlage im Defereggental und dem Trial-Bike-Park in Ainet sind wichtige Infrastruktureinrichtungen geschaffen worden. Demnächst wird der Osttirol Eis Park in Matrei eröffnet, ebenfalls eine tolle Einrichtung, die unsere Outdoor-Kompetenz unterstreicht“, betonte der Obmann. Der Umzug von Tourismusverband und Osttirol Werbung in die neue Tourismuszentrale am Stegergarten in Lienz – nahe Bahnhof und Hauptplatz – sei für nächsten Mai vorgesehen, berichtete Franz Theurl.
Aufsichtsrats-Vorsitzender Werner Frömel hob wie der Obmann die Destinationsstrategie und die Aufstockung der Marketingmittel als wichtigste Entscheidungen im Jahr 2015 hervor. „Auch die Beteiligung am Regio-Bus in Lienz ist uns ein Anliegen, und eine Kletterhalle muss für die Betonung unserer Outdoor-Kompetenz unbedingt gebaut werden“, so Frömel. Bei dem aus dem Aufsichtsrats-Gremium ausgeschiedenen Mitglied Martin Gratz bedankte er sich für die konstruktive Zusammenarbeit, Josef Senfter rücke für Gratz im Aufsichtsrat nach.
Joachim Defregger: „Ich frage mich, was die Großveranstaltungen – wie Weltcup und Radrundfahrt – für den Tourismus wirklich bringen.“
Unter dem Tagesordnungspunkt „Allfälliges“ übten Mitglieder des Teams Osttirol Kritik an der Führung des TVBO durch Franz Theurl. „Es schaut im Osttiroler Tourismus nicht so toll aus, wie der Obmann immer tut. In der Region Serfaus-Fiss-Ladis wurden die Sommernächtigungen um 10% auf rund 800.000 gesteigert, und das in einer klassischen Winterdestination. Es gibt bei uns keine Downhill-Strecken für Radfahrer. Das finde ich sehr schwach. Die geplante Strecke am Zettersfeld wurde weder von der Gemeinde noch vom Tourismusverband unterstützt“, so Joachim Defregger, Obmann des Teams Osttirol, in seiner Wortmeldung. Franz Theurl bat Defregger, die Erfolge nicht kleinzureden. „Die Region Serfaus-Fiss-Ladis kann man mit unserer nicht vergleichen. Dort steht seit Jahren irrsinnig viel Geld zur Verfügung, um den Sommertourismus zu beleben. Wir hingegen sind eine an Eigenkapital sehr schwache Region“, so Theurl.
Wolfgang Steiner kritisierte vor allem das für ihn zu niedrige Marketingbudget und den Umstand, dass die Osttirol Werbung in der Versammlung nicht vorkomme.
Er wolle endlich bessere Auslastungszahlen sehen, so Team Osttirol-Mitglied Wolfgang Steiner. „Warum liegen wir mit unserem Marketingbudget nicht schon bei 50%, sondern erst bei 29%? Dass eine 100%-Tochter wie die Osttirol Werbung bei einer Vollversammlung nicht vorkommt, finde ich nicht gut“, so Steiner. Theurl lobte hingegen die Arbeit der Osttirol Werbung und des Tourismusmarketings. „Mag. Eva Haselsteiner und Mag. Bernhard Pichler können selbstständig arbeiten und machen dies ausgezeichnet. Ich mische mich in keine einzige Kampagne ein“, so Theurl.
Martin Gratz: „Die Nächtigungszahlen sind nicht so gut, wie sie immer dargestellt werden. Die durchschnittlichen Steigerungen in Österreich waren höher als in Osttirol. Bei uns wird aber gesagt, Kärnten sei schlechter gewesen. Wir orientieren uns also an den schwächeren und nicht an den besseren Regionen.“
Es sei die Zeit gekommen, neue Gesichtsfelder zu öffnen, so der ausgeschiedene Aufsichtsrat Martin Gratz. „Der Nationalpark hat uns nicht den gewünschten touristischen Erfolg gebracht, und in Sachen Mountainbike-Destination gibt es bis jetzt nur Machbarkeitsstudien. Der Tourismusverband geht in die falsche Richtung, und deswegen bin ich auch aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden“, so Gratz. Franz Theurl bedankte sich bei Gratz für die konstruktive Zusammenarbeit und verwies auf die Wahlen 2017, bei denen sich jeder und jede wieder für ein Amt bewerben könne.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images





