Johann Niederegger baut „Charakteröfen“

Der Matreier Hafnermeister hat sich vor 17 Jahren selbstständig gemacht. In seiner Werkstätte fertigt er Öfen und Tonkeramiken für verschiedenste Anlässe an.

„Jeder Hafner hat seinen ganz eigenen Stil, einen Ofen zu planen und auszuführen“, sagt der Hafnermeister. Der Matreier bezeichnet seine Arbeiten gerne als „Charakteröfen“ und erklärt dies so: „Bevor ich mit der Planung beginne, muss ich mir unbedingt zuerst einen Eindruck von der Örtlichkeit machen. Mindestens ebenso wichtig ist mir das Gespräch mit dem Kunden, mit der Einzelperson, dem Ehepaar oder der Familie, in deren Wohnung oder Haus ein Ofen aus meiner Werkstatt für Wohlbefinden und Wärme sorgen soll. Dabei kristallisiert sich rasch heraus, wie der/die Auftraggeber ,gestrickt‘ ist/sind und dementsprechend, je nach Menschentyp, arbeite ich dann auch den Plan aus. Wenn ich heute, oft viele Jahre später, frühere Projekte wiedersehe, dann stelle ich immer wieder fest, dass Kunde und Ofen wirklich gut zusammenpassen.“

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Technisch habe sich, so Johann Niederegger weiter, in seinem Beruf in den letzten Jahren sehr viel getan. Der Wert echten Handwerks sei aber der gleiche geblieben, wenngleich dieser heute nicht überall und immer entsprechend geschätzt werde. Er selbst wollte eigentlich lieber Schlosser werden, hat aber, als drittes von zehn Kindern, auf Wunsch seines Vaters den Berufsweg des Hafners eingeschlagen. Bei der Fa. Kawrza in Lienz lernte Niederegger das Handwerk von der Pike auf. „Damals waren noch drei Berufe in einem vereint: der Hafner, der Keramiker und der Fliesenleger. Heute handelt es sich dabei um drei eigenständige Professionen.“

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Nach Zwischenstationen in anderen Gewerben kehrte der Iseltaler wieder zu seinem erlernten Beruf zurück und entschloss sich 1998 für den Weg in die Selbstständigkeit. Diese Entscheidung hat er bis heute nicht bereut, wie er uns erzählt. Seine Arbeit, die ein wirklich kreatives Handwerk ist, stellt Johann Niederegger immer wieder vor neue Herausforderungen.

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Bei unserem Besuch in der Werkstatt in Matrei fertigt er gerade Kacheln nach historischem Vorbild an. Ein Kunde, berichtet er, habe in einem Stadel eine alte Kachel gefunden und den Wunsch geäußert,  dass die Kacheln seines Ofens genauso aussehen sollten. „Nach einer gründlichen Reinigung und Ausbesserungsarbeiten habe ich zuerst ein Negativ aus Gips hergestellt und dann aus weichem Ton das Positiv gefertigt.“ Viel Detailarbeit, Können und Erfahrung stecken im Ergebnis, das sich wirklich sehen lässt und das auch den Kunden zufrieden stellt. Ein Kompromiss sei allerdings die Farbgebung, so Niederegger. „Früher wurde mit Rohstoffen gearbeitet, die heute oft nicht mehr erhältlich oder erlaubt sind.“ Schritt für Schritt musste er sich deshalb an die Originalfarbe herantasten, wobei die Spannung bis zuletzt aufrecht blieb: „Erst nach dem zweiten Brand bei 1 050 Grad Celsius zeigt sich, ob die Mischung gelungen ist.“ Diesen Aha- oder Oje-Effekt erlebe man nach den beiden Brandphasen immer wieder, betont der Handwerksmeister, der das Grundmaterial für seine Arbeit, den Ton, aus dem deutschen Westerwald bezieht.

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„Ich bin immer noch ein Anfänger“, schmunzelt er. Ton verzeihe schließlich keine Fehler. Wenn man mit diesem Material arbeite, könne man nicht überheblich oder abgehoben werden. „Trotz jahrelanger Erfahrung ist der Werkstoff nie ganz in den Griff zu bekommen. Man wird von ihm immer wieder auf
den Boden der Tatsachen heruntergeholt!“ Der Osttiroler Unternehmer beschäftigt heute in seinem Betrieb vier Personen. Mit seiner Frau Sabine und den Mitarbeitern Karoline, Daniela und Hermann werden die anstehenden Arbeiten umgesetzt und ständig an neuen Kreationen getüftelt.

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Die Auswahl der Keramiken im „Tonlodn“ ist eine sehr große, wie wir uns selbst überzeugen können. Dekorgegenstände für jeden Anlass im Jahresverlauf und im menschlichen Leben – von der Taufe bis zur Bahre – findet man hier. Mit dem Geschäftserfolg zeigt sich der Firmenchef sehr zufrieden. „Der heurige Sommer war ein sehr guter, das Hauptgeschäft im Advent und zu Weihnachten steht noch bevor.“ Spätestens im September müssen Johann Niederegger und sein Team mit der  vorweihnachtlichen Produktion für den Tonlodn beginnen. Immer wieder entwickeln sie dabei auch Neues, Innovatives, das von Einheimischen wie Gästen gerne angenommen wird.

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In den letzten Sommerwochen, so Niederegger, sei vor allem die neu entwickelte Feuerschale der Renner gewesen. Abschließend berichtet uns der Hafnermeister noch von einem seiner  ungewöhnlichsten und auch herausfordernsten Aufträge, von einem Mahnmal, das heute in der Pfarrkirche St. Alban seinen Platz hat. „Dabei handelt es sich um eine Gedenkstätte für alle Ungetauften, die man in früheren Zeiten am sogenannten `kalten Friedhof` beerdigte. Ich denke, es ist gut gelungen, diese Thematik sensibel aufzuarbeiten!“

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Osttirol Journal/David Hotzler

13. September 2015 um