TIWAG: „Ausbau der Wasserkraft ist essenziell für Energiewende in Tirol!“

Das Kraftwerk Tauernbach Gruben in Matrei i.O. soll ab dem Frühjahr 2026 Strom liefern. Die Erweiterung des Schwarzach-Kraftwerkes um einen zweiten Maschinensatz ist abgeschlossen.

Zu einer Informationsveranstaltung mit TIWAG-Vorstand DI Thomas Gasser lud die Wirtschaftskammer Lienz am Dienstag, 29. August. Thematisiert wurden die Preisentwicklungen am Energiemarkt, das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und aktuelle Projekte im Bezirk Lienz.

Zunächst ging Gasser auf die Preisentwicklung bei Gas und Strom ein. „Fakt ist, dass der Gaspreis den Strompreis treibt. Ende August 2022 sahen wir einen Höchststand bei den Gaspreisen, Anfang 2023 ist es zu einer Konsolidierung des Gaspreises gekommen. Aktuell bietet die TIWAG mit einem Nettopreis von 16,27 Cent pro kWh den niedrigsten Strompreis aller Landesenergieversorger. Auf einem ähnlich niedrigen Niveau sind nur die KELAG (Kärnten) und die VKW (Vorarlberg)“, erklärte der Vorstand.

Für die Versorgung mit Gas hätte er für den nächsten Winter „ein gutes Gefühl“. „Ostösterreich wird teilweise noch mit russischem Gas versorgt. Die Gasversorgung für Tirol wird über Deutschland sichergestellt. Wir sind also unabhängig von russischem Gas. In Europa sind die Gasspeicher zu etwa 90 Prozent gefüllt, und in Österreich ist der Speicherstand ähnlich hoch“, so Gasser.

Anschließend ging der TIWAG-Vorstand auf das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) ein, nach dem es bis 2030 zu einem massiven Ausbau erneuerbarer Energien in Österreich kommen soll: „Im Jahr 2020 wurden in Österreich rund 55,8 Mio. MWh Strom aus Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und sonstiger erneuerbarer Energie erzeugt, 2030 sollen es nach den Plänen der Regierung etwa 82,8 Mio. MWh sein. Dazu müssten die Wasserkraft um 12 %, die Windkraft um 182 %, die Photovoltaik um 1.000 % und die Biogenen Brennstoffe um 18 % ausgebaut werden. Dieser Plan wird nicht aufgehen – ohne die fossilen Energieträger wird die Versorgung auch in Zukunft nicht funktionieren.“

 

TIWAG-Vorstand DI Thomas Gasser: „Ich gebe zu, dass die Aufklärung unserer Kunden in Sachen Strompreis mit einem im Juristendeutsch verfassten Schreiben keineswegs gut gelaufen ist. Fakt ist aber, dass wir den günstigsten Strompreis aller Landesenergieversorger Österreichs bieten. Und ich möchte auch einmal mit Gerüchten aufräumen. Die TIWAG spekuliert nicht und erzielt auch keine Übergewinne. Jeder Euro, der am Ende des Jahres übrig bleibt, fließt entweder als Dividende an das Land oder wird in Tirol investiert.“

 

Die Nutzung und der Ausbau der Wasserkraft seien in Tirol essenziell, um die Energiewende zu schaffen. „Aufgrund der Fallhöhen und des Wasserdargebots ist Tirol prädestiniert für die Nutzung der Wasserkraft. Speicherkraftwerke wie jenes im Kühtai sind wichtig, um Schwankungen in der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne auszugleichen. Solche Kraftwerke können schnell Energie bereitstellen, wenn sie gebraucht wird. Die Wasserkraftwerke kann man ein- und ausschalten“, erklärte Gasser.

Dem Ausbau der Windenergie und der Photovoltaik verschließe sich die TIWAG keineswegs. „Beide Energieträger muss man jedoch mit Hausverstand einsetzen. Die Studie zum Windenergiepotenzial in Tirol wurde aktualisiert. Bei der Photovoltaik gibt es im Sommer die Herausforderung der Überenergie, wodurch es zu einer enormen Beanspruchung der Netze kommen kann. Ich habe selbst privat eine kleinen PV-Anlage. Solche sind für die Eigenversorgung interessant. Aber man muss sich glaube ich von der Vorstellung verabschieden, dass man mit der Einspeisung Geld verdienen kann.“

Abschließend ging Thomas Gasser noch auf aktuelle Projekte im Bezirk Lienz ein: „Die Erweiterung des Schwarzach-Kraftwerkes um einen zweiten Maschinensatz ist abgeschlossen. Noch im Herbst 2023 beginnen die Hauptarbeiten für das Kraftwerk Tauernbach Gruben in Matrei mit einer Ausbauleistung von 27 Megawatt. Die Inbetriebnahme planen wir für das Frühjahr 2026. Dieses Wasserkraftwerk verfügt leider über keinen Speicher, und obwohl es sich um ein Sommerkraftwerk handelt, ist es wirtschaftlich. Wenn wir die Energiewende in Tirol und Österreich schaffen wollen, brauchen wir auch solche Wasserkraftwerke.“

 

Kraftwerk Tauernbach Gruben

 

Ausbauleistung: 27 MW
Regelarbeitsvermögen: 85 GWh
Ausbauwassermenge: 9 m³/s

Baubeginn Hauptarbeiten: Herbst 2023
Geplante Inbetriebnahme: Frühjahr 2026

Krafthaus Gruben: Baubeginn Frühjahr 2024
Druckrohrleitung 6 km: Baubeginn Frühjahr 2024
Druckstollen 2,2 km: Baubeginn Winter 2023
Wasserfassung Schildalmen: Baubeginn Frühjahr 2024

 

Text: Raimund Mühlburger, Visualisierungen: TIWAG, Foto: Osttirol heute/Mühlburger

30. August 2023 um