Tierpräparatoren Vanni und Manuel Bianchi: Ein „zweites Leben“ für Tiere

In Oberdrauburg präparieren Vanni Bianchi und sein Sohn Manuel Tiere. Vanni hat in der Oberkärntner Gemeinde vor einigen Jahren auch das Museum „Vanni’s Vogelwelt” eröffnet.

„Bis heute gibt es den Irrglauben, dass Präparatoren Tiere ausstopfen“, betont Vanni Bianchi zu Beginn unseres Besuches in seiner Werkstatt in Oberdrauburg. „Im Volksmund ist dieser Begriff nach wie vor sehr präsent, er spiegelt aber in keiner Weise die Realität wider. Wir stopfen Tiere nicht aus, sondern stellen vielmehr Dermoplastiken her“, erzählt der gebürtige Italiener, der in der Nähe von Pordenone in Friaul aufgewachsen ist.

 

 

Das fachgerechte Präparieren von Tieren erfordert viel handwerkliches und sogar künstlerisches Geschick. Von Vorteil ist eine gute Kenntnis der Natur und vor allem der Tierwelt. Außerdem braucht es viel Kreativität und Beobachtungsgabe. Bevor der Tierpräparator zur Tat schreitet, werden die Tiere eingefroren. „Dann ziehen wir dem toten Tier das Fell bzw. die Haut ab, die anschließend gegerbt und dadurch haltbar gemacht wird. Wichtig ist, dass das Tier genauestens vermessen wird, damit der Körper aus Kunststoff oder Holzwolle naturgetreu nachgeformt werden kann. Die einzelnen Teile werden mit Draht fixiert und anschließend Glasaugen oder Augen aus Acryl eingesetzt“, erzählt der Experte von seiner täglichen Arbeit.

 

 

Besonders aufwändig ist der nächste Arbeitsschritt: „Die gegerbte Haut oder das Fell werden über die Plastik gezogen und mit Nadeln festgesteckt. Danach muss das Präparat zwei bis drei Wochen trocknen. Erst dann folgt die Feinarbeit, wie z.B. das Kolorieren.“ Mit Tieren – vor allem mit Vögeln – hat sich Vanni seit seinem fünften Lebensjahr intensiv beschäftigt. Er hielt bei sich zu Hause Vögel und betreute sie in Volieren. Später arbeitete er für Ornithologen und half bei der Ringkennzeichnung von Zugvögeln mit. Bei Tierpräparatoren in Italien, in Deutschland, in Frankreich, in der Schweiz, auf Zypern und sogar in Indonesien erlernte er schließlich sein Handwerk. In Frankreich, wo Vanni 15 Jahre arbeitete, lernte er auch seine heutige Frau kennen. Adriana, eine gebürtige Mexikanerin, studierte damals als ausgebildete Architektin an einer französischen Universität.

 

 

„2013 sind wir nach Oberdrauburg übersiedelt. Im Internet haben wir ein Gebäude entdeckt, das uns sofort gefiel. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir nun in dieser traumhaften Berg- und Naturlandschaft leben – nur 134 Kilometer von meinem Heimatort in Italien entfernt. Hier in einer alten Tischlerei habe ich mir eine kleine Werkstatt eingerichtet und mit der Errichtung des Museums einen Traum erfüllt.“

 

 

Auerhähne, Waldschnepfen, Enten, Papageien, Katzen, Hunde, Marder, Füchse, Steinböcke, Löwen, Tiger – das sind nur einige Tierarten, die Vanni und sein Sohn Manuel Bianchi präparieren. „Murmeltiere sind in unserer Gegend natürlich auch sehr beliebt. Zu unseren Kunden gehören viele Jäger, aber auch Zoos und Privatpersonen. Manchmal restaurieren wir auch alte Präparate“, erzählt Vanni, der mit seinen künstlerischen Tierpräparaten bei Wettbewerben schon viele Preise gewonnen hat.

 

Manuel Bianchi gewann bei der Weltmeisterschaft der Tierpräparatoren in den USA einen 1. Preis.

 

Den jüngsten Erfolg erzielte Sohn Manuel: Er holte sich mit den Präparaten von zwei Eichhörnchen im vergangenen Mai bei der Weltmeisterschaft der Tierpräparatoren in Springfield/USA einen 1. Preis. „Seine Begeisterung für die Natur und die Tierwelt sowie sein künstlerisches Talent kommen in seinen Arbeiten sehr deutlich zum Ausdruck. Bei kleinen Tieren, wie z.B. Affen, ist es besonders kompliziert, ein natur- und detailgetreues Gesicht zu formen. Manuel meistert diese Herausforderungen mit Bravour. Er hat mir schon als Kind immer beim Präparieren zugeschaut, und wir sind sehr froh, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen konnte“, freut sich der stolze Vater.

 

Das Museum in Oberkärnten enthält heute rund 1.600 Präparate – hauptsächlich Vögel, aber auch andere Tiere, wie z.B. Fische, Wölfe und sogar einen Bären.

 

Vor Kurzem hat der Oberkärntner den gemeinnützigen Verein der „Freunde von Vanni’s Vogelwelt Museum” ins Leben gerufen. Zielsetzung ist dabei nicht nur die Förderung des Museums, es geht insbesondere auch um die Erhaltung der Artenvielfalt. „Es ist eine bedenkliche und traurige Entwicklung, dass es immer weniger Singvögel, Insekten und Schmetterlinge gibt. Manche Wissenschaftler befürchten, dass man in ein paar Jahrzehnten von einigen Arten nur mehr die von uns präparierten Tiere bestaunen kann. Durch unsere Arbeit als Tierpräparatoren und durch die Ausstellung der Präparate im Museum wollen wir zeigen, wie wunderbar vielfältig die Tierwelt ist. Diese sollten wir alle pflegen und schützen.  Tierpräparator zu sein, ist jedenfalls der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann“, hält Vanni Bianchi abschließend fest.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Osttirol Journal, privat

11. Oktober 2022 um