Franz Theurl: „Erreichbarkeit per Bahn ist essenziell für Tourismus in Osttirol!“

Obwohl die Erlöse aus Pflichtbeiträgen sinken, konnte der Tourismusverband Osttirol bei der Vollversammlung 2023 über eine sehr gute Finanzgebarung berichten. Beschlossen wurde auch eine Kapitalerhöhung an der Lienzer Bergbahnen AG.

Optimismus und Zuversicht strahlte Langzeit-Obmann Franz Theurl bei der Vollversammlung des Tourismusverbandes Osttirol am Dienstag, 26. November, im Kultursaal Nußdorf-Debant aus. Die Nächtigungen im Winter 2023/24 sind um 2 Prozent gestiegen, im Sommer 2024 waren diese hingegen um 2,52 Prozent rückläufig. „Ich führe diese Rückgang gegenüber dem Rekordsommer 2023 auf die ungünstige Wetterlage im Juni und im September zurück. Die Übernachtungen auf den Schutzhütten sind eingebrochen. Die Buchung in den wertschöpfungsintensiven 3-, 4- und 5-Stern-Betrieben war hingegen gut. Die gewerblichen Tourismusbetriebe haben inzwischen einen Anteil von rund 60 %, während die Nächtigungszahlen bei den Privatvermietern rückläufig sind“, informierte der Obmann.

Ziel sei es, bis 2030 in der gehobenen Gastronomie 2.000 neue Gästebetten zu schaffen. „Etwa tausend Betten sind bereits im Anrollen. Bei den Privatvermietern braucht es den Mut zu Investitionen. Unsere Familienbetriebe leisten Großartiges – vor allem auch vor dem Hintergrund, dass es immer schwieriger wird, Personal zu finden“, so Theurl.

Berichtet wurde von einer ausgezeichneten Finanzgebarung. „Obwohl die Pflichtbeiträge massiv sinken, können wir die Marketingmittel 2025 auf rund 4 Mio. Euro stark nach oben schrauben, die Investitionen in Infrastruktur werden hingegen auf knapp 3 Mio. Euro sinken. In den letzten Jahren haben wir stark in die Infrastruktur investiert – wie z.B. in den Wichtelpark Sillian. Es ist aber wichtig, dass wir für unsere Leistungen auch Geld verlangen. Für die Galitzenklamm haben wir für 2025 Erlöse in Höhe von 215.000 Euro veranschlagt, für die Loipen 352.000 Euro. Im Wichtelpark Sillian sollen Einnahmen in Höhe von 230.000 Euro fließen“, wünscht sich der Obmann.

Insgesamt sind im Budget 2025 Zuflüsse in Höhe von 11,7 Mio. Euro vorgesehen. Die Pflichtbeiträge (15,8 Promille) sinken auf 6,3 Mio. Euro, während die Aufenthaltsabgabe (2,60 Euro pro Nacht) auf 4,5 Mio. Euro steigen.

Der Obmann berichtete anschließend von den Infrastrukturprojekten der vergangenen Jahre. „Ein Highlight war sicher die Hängebrücke über die Iselschlucht im Virgental, in den Wichtelpark Sillian haben wir 2024 insgesamt rund 300.000 Euro investiert, im kommenden Jahr wird es noch einmal in etwa der gleiche Betrag sein. Das nächste Großprojekt ist der Kletterturm in der Galitzenklamm mit veranschlagten Kosten von 600.000 Euro. Wir können dafür Interreg-Förderungen von 70 bis 85 Prozent lukrieren. Es ergäbe sich durch diese Investition eine Einnahmensteigerung in der Galitzenklamm von rund 180.000 Euro jährlich“, rechnete Theurl vor.

Als größte Herausforderungen nannte der Obmann die Intensivierung des Marketings, die Attraktivierung der Osttirol Card, das Vorantreiben der Bettenoffensive und die Verbesserung der Mobilität: „Eine der größten Herausforderungen ist es, Osttirol auf der Schiene besser zu erschließen. Hier ist es in den letzten Jahren zu massiven Verschlechterungen gekommen – Stichwort Direktzug oder Railjet.“

Aufsichtsratsvorsitzender Mag. Hansjörg Mattersberger trug den Jahresabschluss 2023 vor. „Bei der Eigenkapitalquote haben wir mit 82 % einen Spitzenwert erreicht. 2019 lag dieser noch bei 40 %. Der Verschuldungsgrad ist auf 13 Prozent gesunken. Die Schulden belaufen sich 2024 auf 1,7 Mio. Euro, vor zehn Jahren waren es noch 9,3 Mio. Euro. Das Geldvermögen ist auf 5 Mio. Euro gestiegen“, so Mattersberger. Ein Jahresgewinn von 2,5 Mio. Euro wurde ausgewiesen. Die Genehmigung des Jahresabschlusses und die Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrates erfolgte einstimmig.

Auf der Tagesordnung stand auch die Übertragung der TVB-Geschäftsanteile in Höhe von 25 % an der „Flugplatz Lienz/Nikolsdorf Betriebs GmbH“ an den Verein „Fluggemeinschaft Osttirol“ um 1 Euro. „Im Jahr 2000 hat der TVB den Flugplatz Nikolsdorf gepachtet und den Betrieb übernommen, 2012 erfolgte die Umgründung in eine GmbH. Mit Jahresende steht die Pachtverlängerung an. Der Flugplatz wird durch den Verein zu 100 % getragen und exzellent geführt. Es hat meiner Meinung nach keinen Sinn, in dieser GmbH-Struktur weiterzuarbeiten. Wir sollten deswegen vorsorglich den Beschluss fassen, unseren Anteil in Höhe von 25.000 Euro an den Verein zu übertragen“, so Theurl. Die Beschlussfassung erfolgte einstimmig.

Auch die Kapitalerhöhung an der Lienzer Bergbahnen AG in Höhe von 1.375.000 Euro wurde einstimmig genehmigt.

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute/Mühlburger

27. November 2024 um