Franz Theurl: „Dolomitenlauf füllt Betten im Jännerloch.“
Ein Osttirol heute-Gespräch mit TVBO-Obmann Franz Theurl über die Vorbereitungen zum 40. Dolomitenlauf und über touristische Aspekte des sportlichen Top-Events.
Von 16. bis 19. Jänner findet zum 40. Mal der Dolomitenlauf – einer der größten Volkslangläufe Europas – in Lienz und Obertilliach statt. Über 2 000 Teilnehmer – darunter Olympiasieger, Weltmeister sowie zahlreiche Hobbyläufer und Kinder – werden bei den sieben unterschiedlichen Rennen erwartet. Wir baten Organisator Franz Theurl zum Interview.
Herr Theurl, wie laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Dolomitenlauf am nächsten Wochenende?
F. Theurl: „Die Vorbereitungen laufen ja schon seit Monaten. Jetzt befinden wir uns in der Zielgeraden, und alles ist perfekt auf Schiene. Ohne das Engagement, den Idealismus und die Motivation der rund 350 Ehrenamtlichen von 20 Vereinen in Lienz und Obertilliach wäre das alles nicht möglich. Wenn ich auf die 40-jährige Dolomitenlauf-Geschichte zurückblicke und jetzt auch die vielen engagierten jungen Helfer sehe, erfüllt mich das mit großer Freude. Es ist auch für mich zutiefst befriedigend, dass ich nach so vielen Jahren behaupten kann, dass die Arbeit nicht umsonst war.“
Und der viele Schnee in Osttirol erleichtert die Sache heuer erheblich, oder?
F. Theurl: „Ja, natürlich. Sonst haben wir meist erwartungsvoll zum Himmel geblickt und wochenlang leicht nervös auf Schnee gewartet. Das fällt heuer weg, und ich kann deswegen viel besser schlafen. Trotzdem haben wir jetzt entschieden, den Dolomitenlauf am Sonntag auch in Obertilliach auszutragen. Dort herrschen tiefwinterliche Bedingungen mit fast 1,5 Metern Schnee. Auch im Lienzer Talboden ist viel Schnee gefallen, aber durch den Regen sind einige Streckenpassagen – vor allem von Nikolsdorf bis Oberdrauburg – vereist, was eine Austragung im Skatingstil mit Start und Ziel in Lienz nicht zulässt.“
Abgesehen vom Dolomitenlauf – wie laufen die Anmeldungen für das Classicrace über 42 und 20 Kilometer?
F. Theurl: „Das Classicrace tragen wir schon seit acht Jahren in Obertilliach aus. Der Trend in Richtung Classicrace, das wie der Dolomitenlauf zum Worldloppet zählt, hält an. Die Anmeldungen für alle Rennen laufen sehr zufriedenstellend. Wir haben eine Woche vor dem Dolomitenlauf schon deutlich mehr als 2 000 Anmeldungen von Athleten aus der ganzen Welt. Mit 80% ist der Dolomitenlauf die Langlauf-Veranstaltung mit dem höchsten Ausländer-Anteil überhaupt.“
Aus welchen Ländern kommen die Athleten hauptsächlich?
F. Theurl: „Die stärkste Gruppe sind die Skandinavier. Durch die Aufnahme unserer Rennen im Worldloppet kommen auch über 250 Russen zum Dolomitenlauf nach Osttirol. Außerdem bereiten sich heuer viele Athleten in Obertilliach auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi vor.“
Wie schaut es mit dem touristischen und wirtschaftlichen Output des Dolomitenlaufs aus?
F. Theurl: „Das Medieninteresse ist so groß wie noch nie. Rund 125 Fernsehstationen weltweit berichten vom Dolomitenlauf. Die Botschaft, dass wir in Osttirol über massenweise Schnee verfügen, wird so einmal mehr in die ganze Welt getragen. Der Dolomitenlauf bringt Gäste im berüchtigten ,Jännerloch‘ nach Osttirol. Vor allem im Bereich des Tiroler Gailtales und im Lienzer Talboden füllen Athleten, Betreuerteams und Zuschauer – oft auch mit ihren Familienmitgliedern – eine ganze Woche lang die Betten.“
Wie steht es um den Langlaufsport in Osttirol, auch abseits von Wettkämpfen?
F. Theurl: „Vor allem durch den Dolomitenlauf und das Biathlonzentrum in Obertilliach hat sich das Langlaufen in Osttirol als ein weiteres Standbein für den Osttiroler Wintertourismus etabliert. Wir bieten auch in den Tälern wunderschöne, bestens präparierte Loipen. In Zukunft sind wir besonders gefordert, den Wintergast auch für das Langlaufen in den Osttiroler Tälern zu gewinnen.“
Zurück zum Dolomitenlauf – der Sprint als Eröffnungsrennen ist inzwischen ziemlich bekannt geworden. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
F. Theurl: „Der Sprint im Lienzer Stadtzentrum ist die spektakulärste derartige Veranstaltung weltweit. Dieses Rennen wurde von uns vor 34 Jahren erfunden und ist somit der älteste Langlauf-Sprint der Welt. Der Austragungsmodus und der Parcours am Hauptplatz sind einzigartig und mit keinem anderen Sprint vergleichbar. Und heuer werden dieses Rennen am Freitag und die Eröffnungsfeier davor die besten jungen Stimmen Osttirols besonders attraktiv gestalten, nämlich Norman Stolz, Sara Koell und Iris Fuetsch.“
Danke für das Gespräch!
Interview: Raimund Mühlburger, Foto: Brunner Images