Spektakuläre Hängebrücke als neues Highlight des Osttiroler Iseltrails
Als letzte und größte bauliche Maßnahme wurde 2023 eine Hängebrücke über die Iselschlucht errichtet. Die offizielle Eröffnung ist für das Frühjahr 2024 geplant.

„Der rund 80 km lange Iseltrail ist weit mehr als ein Weitwanderweg“, betont Franz Theurl. „Er ist eine perfekte Alternative zum Massentourismus, ein Bekenntnis unserer Region zur Nachhaltigkeit, und eine Liebeserklärung an den letzten noch frei fließenden Gletscherfluss Österreichs, die Isel.“ Der Obmann des Tourismusverbandes Osttirol erinnert sich noch gut an die Anfänge des Projektes zurück. „Die Idee zu diesem Trail ist erstmals 2015 entstanden und hat sich, nach Klärung entscheidender Grundlagen, in der Folgezeit mehr und mehr gefestigt. Für die eigentliche Umsetzung konnten mit dem Autor, Fotografen und Journalisten Matthias Schickhofer, mit Naturschützer Wolfgang Retter und mit Walter Hopfgartner von der Abt. Wasserbau des Baubezirksamtes Lienz wichtige Wegbegleiter gewonnen werden. Vor allem Walter Hopfgartner hat einen sehr großen Beitrag zur Realisierung geleistet und viel Herzblut in dieses Vorhaben investiert. Der Startschuss für die notwendigen Baumaßnahmen erfolgte dann 2018, auf Basis einer Machbarkeitsstudie und eines Konzeptes der Firma Revital, nachdem zuvor sämtliche Gemeinden entlang der Route sowie insgesamt rund 90 Grundbesitzer mit ins Boot geholt werden konnten.“ Die offizielle Eröffnung des Weitwanderweges im Juli 2020 bezeichnet Theurl als „Freudentag“ und verweist stolz auf das enorme Interesse, das seitdem am Iseltrail besteht. „Die Rückmeldungen unserer Gäste aus dem In- und Ausland sind geradezu überschwänglich, der Iseltrail hat sich eindeutig zu einem Zugpferd für den heimischen Sommertourismus entwickelt.“ Als Bestätigung dafür, wie richtig die Entscheidung zur Umsetzung des Projektes war, sieht der TVBO-Obmann auch die Auszeichnung, über die man sich im heurigen Jahr mit der Verleihung des „Tirol Touristica Awards 2023“ freuen konnte.
Neue Attraktion am Iseltrail
Der Iseltrail führt in fünf Tagesetappen vom Stadtgebiet von Lienz bis hinauf zum Ursprung der Isel aus dem Umbal-Gletscher auf 2.600 Metern Seehöhe im Gemeindegebiet von Prägraten. Entlang der Route warten faszinierende Naturschauspiele und Aussichtspunkte auf die Wanderer – und seit dem heurigen Oktober auch eine spektakuläre Hängebrücke, die mit Baustart im März 2023 errichtet wurde. „Bauherr war erneut der TVBO“, so Franz Theurl und betont, dass sich in die Projektumsetzung besonders auch die Bürgermeister von Prägraten und Virgen stark eingebracht haben. Für die Planungsarbeiten der Brücke, die die Gemeindegebiete von Virgen und Prägraten verbindet, zeichnete die flussbau iC GesmbH mit Sitz in Villach verantwortlich. Das Unternehmen, das zuvor schon in die technische Planung des Iseltrails involviert war, wird vom gebürtigen Lienzer Peter Mayr als Geschäftsführer geleitet. „Wir wurden im März des Vorjahres mit dem wasser- und naturschutzrechtlichen Einreichprojekt beauftragt. Im November 2022 erfolgte die Letztabgabe des Einreichprojektes und im Februar 2023 wurde der positive Bescheid durch die BH Lienz erteilt“, informiert er. Basierend auf einem zweistufigen Ausschreibungsverfahren, konnten in der Folge die einzelnen Gewerke von Seiten des TVBO vergeben werden. Der flussbau iC GesmbH wurde der Auftrag zur Bauaufsicht übertragen. „Die Besonderheiten des Projektes lagen“, so Peter Mayr, „ganz klar in der Örtlichkeit des Brückenbauvorhabens, das mit einer Spannweite von rund 84 Metern über eine circa 90 Metern tiefe Schlucht führt. Die Zugänglichkeit der Baustelle war für Baumaschinen orographisch nur rechtsufrig möglich und der felsige Untergrund an beiden Ufern sehr unterschiedlich ausgeformt. Eine weitere Herausforderung ergab sich aus dem Höhenunterschied von rund neun Metern zwischen dem geplanten rechten und linken Widerlager. Außerdem mussten bei der Projektierung statische und dynamische Belastungsfaktoren berücksichtigt werden. Umso wichtiger war es, sämtliche relevanten Fachbereiche und deren Anforderungen rechtzeitig in die Planung miteinzubeziehen.“

Die Detailvermessung der Widerlager-Standpunkte führte das Lienzer Vermessungsbüro Rohracher durch, ein notwendiges geologisches Gutachten erstellte die flussbau iC GesmbH. Als Generalunternehmer fungierte die PGH-Geobau GmbH aus Matrei in Osttirol, die sich als Spezialist für Spezialbauten, Straßensanierung, Hangsicherung und Kraftwerksbau einen guten Ruf erworben hat. Den anspruchsvollen Fundamentaushub für den Abspannsockel der Hängebrücke wickelte, ebenso wie die erforderlichen Renaturierungsarbeiten, die Matreier Firma Erdbau Mattersberger ab. Bei allen Baumaßnahmen wurde großer Wert auf umweltschonende Baupraktiken gelegt, um die ökologischen Auswirkungen des Projektes zu minimieren. Die exakte Ausführung der aufwändigen Seil- und Stahlbauarbeiten nahm die Firma leikon metall & technik GmbH mit Sitz in Nußdorf-Debant vor.

„Im Oktober 2023 war die Hängebrücke erstmals begehbar“, lässt TVBO-Obmann Franz Theurl wissen und erklärt, dass die neue Iseltrail-Attraktion im Rahmen einer Eröffnungsfeier im Frühjahr 2024 offiziell ihrer Bestimmung übergeben wird.
Text: E. & J. Hilgartner, Fotos: © Elias Bachmann und Ramona Waldner

