Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten: Reisen zu den Wurzeln des guten Geschmacks

„Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten“ verbindet seit 10 Jahren die nachhaltige Erzeugung von Lebensmitteln in der Region Nassfeld-Presseggersee, Lesachtal, Gailtal, Gitschtal und Weissensee mit Reisen zu den Wurzeln des guten Geschmacks.

„Slow Food“ vereint Genuss und Verantwortungsbewusstsein für gute, saubere Lebensmittel. Es geht um nachhaltige, natürlich hergestellte Produkte aus der Region mit Qualität und um Menschen, die sich für eine möglichst ökologische oder biologische Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und den Erhalt des traditionellen Lebensmittelhandwerks einsetzen.

 

Lesachtaler Brot

 

„Hinter jedem Ort verbergen sich Geschichten, gastronomische Traditionen, handwerkliche Aromen und altehrwürdige Praktiken, bewahrt von Frauen und Männern, deren Identitäten und Kulturen über Jahrhunderte hinweg aufgebaut wurden“ – so lautet die Botschaft von Carlo Petrini, Präsident von „Slow Food International“, der die Bewegung 1989 als Protest gegen die Fast Food-Industrie in Italien gründete. Heute ist „Slow Food“ eine weltweite Bewegung in 160 Ländern auf allen Kontinenten.

 

Tanja Guggenberger, Guggenbergerhof

 

Die „ARGE Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten” wurde 2015 von fünf Hotels, Restaurants und Gasthöfen im Gailtal in Zusammenarbeit mit Edelgreißler Herwig Ertl, der regionalen Tourismusorganisation, den sieben Gemeinden des Bezirkes Hermagor und der Gemeinde Weissensee im Bezirk Spittal an der Drau sowie der internationalen Slow Food-Bewegung gegründet. Heute umfasst die Arbeitsgemeinschaft neben den acht Gemeinden der regionalen NLW Tourismus Marketing GmbH insgesamt 33 Partnerbetriebe – bäuerliche Produzenten, Lebensmittelhandwerker sowie Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe, die im Sinne der Slow Food-Philosophie ihre Betriebe führen.

 

 

Am Projekt „Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten“ beteiligen sich auch die Haubenköche Hannes Müller (Die Forelle, Weissensee) und Manuel Ressi (Bärenwirt, Hermagor). Marianne Daberer vom Biohotel Daberer in Dellach im Gailtal ist seit der Gründung Mitglied der ARGE und leitet diese mittlerweile als Vorsitzende des Vorstandes. „Slow Food Travel ist für mich ein Herzensprojekt. Es bringt Produzenten, Gäste, Touristiker und Einheimische auf eine Ebene und an einen gemeinsamen Tisch. Wir schaffen Erlebnisse mit Mehrwert und bringen Wertschöpfung und nachhaltige Perspektiven in die Region“, erklärt sie den Sinn des Projektes.

 

Marianne Daberer, Vorstandsvorsitzende der ARGE Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten

 

Das Bewusstsein für die regionale Lebensmittelerzeugung und -versorgung habe, wie Marianne Daberer betont, nicht erst seit der Covid-Pandemie zugenommen. „Frische, gute und gesunde Lebensmittel aus der näheren Umgebung sind für die Bevölkerung zu einem wertvollen Gut geworden. Lebensmittel von regionaler und authentischer Herkunft spielen auch im Tourismus eine wichtige Rolle. Immer häufiger wählen Reisende ihr Urlaubsziel nach Kriterien von Ursprünglichkeit, intakter Natur und authentischer Gastronomie aus. Unsere Gäste schätzen auch die Erlebnisse, die mit der Herstellung von Lebensmitteln verbunden sind“, erzählt Marianne.

 

Heimo Oberauner, Zerza-Bauer

 

2024 wurde im Gailtal die 1. Slow Food Akademie der Alpen ins Leben gerufen. Das Jahresprogramm umfasste interaktive Angebote für Menschen, denen gutes und gesundes Essen ein wichtiges Anliegen ist. Brotbackkurse wurden ebenso veranstaltet wie Koch-Workshops. Beim Zerza-Bauern Heimo Oberauner in Kirchbach konnte man z.B. die Geschmacksvielfalt der frisch aus dem Acker geernteten Erdäpfel genießen und kreative  Kartoffel-Gerichte verkosten. Im Kräutergarten von Klara Obernosterer in St. Lorenzen wurden die Besucher in die Heilkraft der Bergkräuter und den Geschmack der Holzaromen eingeweiht, beim Workshop von Bäuerin Tanja Guggenberger in Maria Luggau stand die „Osttirol-Kärntnerische Grenzküche” im Fokus.

 

Markus Salcher, Lesachtaler Fleisch

 

„From nose to tail“ – Biobauer und Metzgermeister Markus Salcher aus St. Lorenzen, der mit seiner Metzgerei „Lesachtaler Fleisch“ Mitglied bei „Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten“ ist, zeigte in seinen Workshops, wie sich alle Teile von Lämmern und Kälbern nachhaltig verwerten lassen. Am Biokäsehof Daberer in Dellach konnte man miterleben, wie professionell Bio-Rohmilchkäse hergestellt wird.

 

Biokäsehof Daberer

 

„Wer nichts weiß, muss alles essen“ – Maria Fanninger vom Verein „Landschaft schafft Leben“ spricht bei der ersten Veranstaltung des Programms 2025 der Slow Food Akademie am Donnerstag, 10. April, im Restaurant Werksküche „Zur Säge“ in Kötschach darüber, wie wir als Konsumenten unsere Landwirtschaft und unser Essen beeinflussen und darüber, welche Auswirkungen das Einkaufen von Lebensmitteln auf unsere Kulturlandschaft hat.

 

 

„Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten“ hat sich längst zu einem Vorzeigemodell entwickelt – ähnliche Projekte gibt es mittlerweile auch in der Region um St. Veit an der Glan, in Südkärnten/Lavanttal und in Villnöss in Südtirol. Kontakt pflegt die ARGE über „Slow Food International“ mit Sitz in Bra/Italien auch zu Gleichgesinnten in Italien, Aserbaidschan und im Kaukasus. Im Vorjahr unternahm sogar eine Gruppe aus Saudi Arabien eine Studienreise nach Oberkärnten, um sich in heimischen Betrieben umfassend über die Idee „Slow Food Travel“ zu informieren.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: W. Hummer, Peter Maier, Valentin Daberer

09. April 2025 um