Felbertauernstraße AG: Sicherheit entlang der Straße als zentrales Anliegen
Entlang der Verkehrsverbindung für die größtmögliche Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu sorgen, gehört zu den wichtigsten, aber auch herausforderndsten Aufgaben.
Dies betont auch Mag. Karl Poppeller. Der Iseltaler ist seit 1. September 2000 Vorstand der 1961 gegründeten Straßengesellschaft und hat in den vergangenen beiden Jahrzehnten viele, zum Teil sehr unterschiedliche Winter erlebt. Dass die Wintermonate 2020/2021 außergewöhnliche waren, bestätigt Karl Poppeller ebenso wie die Tatsache, dass man sich in Zukunft noch mehr an den Klimawandel und die daraus resultierenden Veränderungen wird anpassen müssen. Zu Beginn des Gespräches nimmt der Felbertauernstraße-Vorstand aber auf ein Thema Bezug, an dem derzeit wohl kaum jemand vorbeikommt: auf die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Felbertauernstraße AG.

Herr Mag. Poppeller, 2020, das erste Jahr der Pandemie, war für die Felbertauernstraße AG nicht wirklich ein gutes. Wie fällt Ihr Resümee für 2021 aus?
Prinzipiell gehe ich davon aus, dass wir heuer ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen werden, das jedoch nicht an jene der Jahre der Vor-Corona-Zeit wird anschließen können. Sehr positiv fällt unsere Bilanz für die Sommermonate aus. Beginnend mit dem Pfingstwochenende ab 22.5.2021 verzeichneten wir kontinuierlich ansteigende Frequenzen. Besonders gut waren der August und September. Wie sich die kommende Wintersaison entwickeln wird, lässt sich derzeit noch nicht exakt abschätzen. Entscheidend wird sein, ob der Wintertourismus, nicht nur zu Weihnachten, sondern insbesondere in den Semester- und Osterferien wird stattfinden können.
Was erwarten Sie sich für das Jahr 2022, was für die nächsten Jahre?
Ich hoffe, dass sich 2022 vieles normalisieren wird. Viele sind geimpft, man lässt sich testen und fährt wieder auf Urlaub. Wir müssen und wir werden lernen, mit diesem Virus zu leben.
Corona war 2020/2021 allerdings nicht die einzige Herausforderung, der sich die Felbertauernstraße AG stellen musste. Was haben die enormen Schneefälle ab Dezember 2020 für Sie und Ihr Team bedeutet?
Der vergangene Winter war ohne Übertreibung ein „Ausnahmewinter“ – und dies hat sich auch im Arbeitsaufwand für unser Team sowie in wiederholt herausfordernden Situationen, was eine mögliche Straßensperre betraf, niedergeschlagen. Letztendlich mussten wir die Straße im Interesse der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer aber nur zwei Mal, vom 2.1. bis 4.1. und vom 14.1. bis 15.1.2021, sperren. Wesentlich deutlicher waren hingegen die Auswirkungen der Schneemassen auf die Arbeit unserer Räumteams, verzeichneten wir doch nicht nur in den klassischen Lawinenstrichen, die durch Galerien gesichert sind, sondern in nahezu jedem Graben entlang der Straße Lawinenabgänge. Der sich zum Teil schnell verfestigende Schnee musste, wenn Schneepflug und Fräse nicht mehr weiterkamen, mit Radlader und Bagger geräumt werden. Atypisch im Vergleich zu „normalen“ Wintern war weiters, dass sich der erhöhte Arbeitsaufwand bis ins Frühjahr und in den Frühsommer hinzog. Als nämlich die Lawinenstriche ausaperten, zeigte sich, dass sich im Bereich der Steinschlagverbauungen bzw. der Schutznetze sehr viel Geröll, Bäume, Wurzeln etc. angesammelt hatte. Wir mussten diese Verfüllungen mit Spezialkränen räumen und beschädigte Netze ausbessern bzw. austauschen.

Hat sich, als Folge dieses Ausnahmewinters, etwas an den Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit verändert?
Prinzipiell sind wir auf den Winter immer sehr gut vorbereitet. Unser Mitarbeiter-Team verfügt über viel Routine und Know-how, speziell das Räum- und Streuteam ist bestens geschult und erfahren. Unser Fuhrpark wird in kurzen Abständen immer wieder erneuert bzw. erweitert, notwendige Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten werden, entsprechend eines detaillierten Ablaufplans, schon Ende des Sommers durchgeführt. Die eigentlichen Wintervorbereitungen“ starten in der Regel im Oktober. Zäune müssen abgelegt, Wasserabläufe und -gräben winterfest gemacht und Schneestangen gesetzt werden. Ausreichend Salz und Splitt werden eingelagert, sodass wir auch diesbezüglich bestens gerüstet sind. Ab dem ersten Schnee rücken dann unsere Räumtrupps aus. Sie legen in einem durchschnittlichen Winter an die 55.000 Kilometer zurück.
Das heißt, Sie „fahren“ das normale Winterprogramm?
So gesehen, ja. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch laufend auf Erkenntnisse, die wir beispielsweise aus dem vergangenen Winter gezogen haben, reagieren. Es gehört zu unseren Grundsätzen, immer wieder neu zu evaluieren und dort, wo sich potentiell neue Gefahren auftun, aktiv zu werden. Der Klimawandel wirkt sich, wie uns auch die Landesgeologen immer wieder bestätigen, deutlich aus. Als Folge des auftauenden Permafrosts wird das Hochgebirge insgesamt instabiler, die Gefahr von Felsausbrüchen, Hangrutschungen, Bodenabsenkungen etc. steigt. Dementsprechend passen wir unsere Sicherungssysteme und Schutzbauten diesen sich verändernden Gegebenheiten an. Als Entscheidungsgrundlage dienen uns dabei auch immer ausgefeiltere digitale Simulationsprogramme.

Die Raneburg-Galerie sticht mit einer Länge von 640 Metern aus der Reihe der Schutzbauten entlang der Felbertauernstraße heraus. Die Galerie schützt die Verkehrsteilnehmer vor möglichen Lawinenabgängen im Bereich von insgesamt sieben Lawinenstrichen aus dem Einzugsgebiet des 2.630 Meter hohen Taxerkogels.
Welche Rolle spielt die Wetterprognose als Arbeitstool im Winter?
Das Wetter-Prognose-System ist ein wichtiger Bestandteil unserer Einsatzplanung. Wetterdaten wie Temperatur und Niederschlagsart, Schneefallgrenzen, Windgeschwindigkeiten, aber auch Fahrbahntemperaturen spielen eine wichtige Rolle. Wir pflegen diesbezüglich eine enge Zusammenarbeit mit der ZAMG und sind, was die Lawinengefahr betrifft, in ständigem Austausch mit der Lawinenkommission. Zur besseren Beurteilung werden Schneeprofile erstellt bzw. per Hubschrauber die Hänge rund um die Felbertauernstraße abgeflogen.

Mit der Raneburg-Galerie konnte im Vorjahr das größte Bauprojekt der Felbertauernstraße AG in den letzten Jahren fertiggestellt werden. Welche Neubau-Projekte bzw. Sanierungen stehen an?
2022 werden wir die Sanierung der Galerie „Heidnische Kirche“ beim Elisabethsee in Angriff nehmen, Vorarbeiten dafür wurden bereits ausgeführt. Es geht um einen dreistreifigen Lückenschluss im Bereich zwischen Elisabethsee und Wasensteg-Galerie. Das Kunstbauwerk „Heidnische Kirche“ und der Tunnel „Rauhengraben“ müssen dafür verbreitert werden. Dieses Projekt wird sich über einige Jahre hinziehen. Des Weiteren sieht unser Bauprogramm regelmäßige Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen an Brücken, Stützmauern etc. ebenso vor wie laufende Asphaltierungsarbeiten. Im Schnitt erneuern wir pro Jahr rund ein Zehntel des Straßenbelags, sodass innerhalb eines Jahrzehnts die gesamte Fahrbahn entlang der Felbertauernstraße einmal neu asphaltiert wird.

Der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer sollen auch Investitionen im Tunnel selbst dienen, Stichwort „Innenauskleidung Neu“. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Schon seit Längerem haben wir nach einer praktikablen Lösung gesucht, den Tunnel innen sprichwörtlich „aufzuhellen“ und haben diese mit der so genannten „Ulmenflächenverkleidung“ mittels einer dünnen Innenhülle aus Metall gefunden. Den Auftrag hat als Bestbieter ein heimisches Unternehmen erhalten. Vorarbeiten starteten bereits im Oktober 2020, erste Abschnitte konnten bis Ende 2020 „aufgehellt“ werden. Derzeit stehen wir bei etwas unter 50 Prozent, die weiteren Arbeiten werden sich bis Ende 2023 hinziehen. Die ersten Rückmeldungen der VerkehrsteilnehmerInnen bestätigen die Richtigkeit dieser Maßnahme.
Die Tunnelröhre durchstößt den Hauptkamm der Hohen Tauern und erreicht im Amertal, etwa 16 Kilometer südlich von Mittersill, auf 1.632 Metern Seehöhe wieder das Tageslicht. Die maximale Überdeckung beträgt 1.230 Meter.
Die Steuerung sämtlicher sicherheitstechnischer Anlagen im Tunnel erfolgt über die Tunnelzentrale. Ist hier Neues geplant?
Unabhängig vom Tunnelprozessleitsystem, das alle im Tunnel befindlichen Anlagen inklusive der Beleuchtungs-, Lüftungs-, der Ein- und Ausfahrten sowie der Ampel- und Brandmeldetechnik umfasst, verfügen wir auch über eine Videoüberwachungsanlage. Dieses System zur Verkehrsüberwachung im Tunnel soll modernisiert werden.
Apropos „Sicherheit“ eine abschließende Frage: Wie funktionieren die technischen Systeme im Tunnel im Störfall, etwa bei einem großflächigen Blackout im Stromnetz?
Grundsätzlich ist hierzu festzuhalten, dass wir auf „redundante“ Systeme setzen. Das heißt, dass z.B. die Stromversorgung im Tunnel bei einer Störung nicht zum Erliegen kommt, sondern ein oder mehrere Ersatzsysteme vorhanden sind, die den weiteren Betrieb gewährleisten. Ähnliches gilt auch für andere Bereiche. Wir prüfen und warten die Systeme laufend, tauschen, wenn notwendig, Komponenten aus und unternehmen alles dafür, dass der Felbertauerntunnel dem Ruf, auch weiterhin der sicherste einröhrige Tunnel Europas zu sein, gerecht wird.
Danke für das Gespräch!
Interview: J. & E. Hilgartner, Fotos: © Peter Märkl, Martin Lugger, FAG, Metallbau Trost, Osttirol Journal