Schülerinnen der LLA Lienz waren dem Osttiroler Müll auf der Spur

Zwei Klassen der LLA Lienz besuchten vor Kurzem auf Einladung des AWVO die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage in Lavant und das Entsorgungsunternehmen Rossbacher.

Die Schülerinnen konnten sich bei der Exkursion ein Bild davon machen, welchen Weg die Osttiroler Abfälle und Wertstoffe zurücklegen. In der Abfallbehandlungsanlage Lavant wird der Rest- und Sperrmüll aus 33 Osttiroler und 19 Westkärntner Gemeinden verarbeitet. Dabei wird der Abfall in zwei Fraktionen gesplittet, einerseits in einen Ersatzbrennstoff für die Industrie und andererseits in eine Deponie-Fraktion, bei der es sich um den biogenen Abfall handelt, der im Restmüll entsorgt wird.

 

Umweltberater Gerhard Lusser vom Abfallwirtschaftsverband Osttirol erklärt den Schülerinnen, wie der Restmüll im Bezirk Lienz zusammengesetzt ist und welche Wertstoffe bereits ordnungsgemäß getrennt gesammelt werden.

 

Bei Besichtigung der Anlieferungshalle für den Restmüll ist den Schülerinnen schnell ins Auge gestochen, dass zahlreiche Wertstoffe über den Restmüll entsorgt werden, die eigentlich getrennt gesammelt werden sollten. Restmüllanalysen haben ergeben, dass 57 % des Osttiroler Restmülls bei richtiger Trennung eingespart werden könnten. Die Begehung des „Deponieberges“ hat deutlich gemacht, welche Dimension der biogene Anteil annimmt, der im Restmüll entsorgt wird. Biomüll könnte zu 100 % im Kreislauf geführt werden und hochwertiger Kompost daraus produziert werden.

Ein Drittel des Restmülls im Bezirk Lienz besteht aus Biomüll – erschreckenderweise handelt es sich bei einem großen Teil davon um vermeidbare Lebensmittelabfälle, d.h. zum Zeitpunkt der Entsorgung bzw. bei rechtzeitigem Verzehr wären diese Lebensmittel noch genießbar gewesen. Betriebsleiter Johann Mietschnig beteuerte, dass es nicht selten vorkommt, dass verpackte Lebensmittel, bei denen noch nicht einmal das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, im Restmüllhaufen zu finden sind.

 

Die Schülerinnen stehen auf dem begrünten Deponieberg und bekommen von Umweltberater Gerhard Lusser erklärt, was auf der Deponie abgelagert werden muss – nämlich der behandelte Bioabfall, der im Restmüll entsorgt wird und eigentlich eine wertvolle Ressource darstellt.

 

Während das Entsorgen von Wertstoffen über den Restmüll den Verlust von wertvollen Rohstoffen bedeutet, die aufgrund der Verschmutzung nicht mehr aussortiert werden können und somit verbrannt bzw. deponiert werden müssen, stellt das Entsorgungsverhalten mancher auch eine Gefahr für die Anlage und die Anlagenmitarbeiter dar. So erzählte Johann Mietschnig von einer erst kürzlich im Sperrmüll entsorgten 10 l-Gasflasche, die beinahe in den Schredder geraten ist. Das hätte unter Umständen katastrophal enden können. Zu kleineren Explosionen und Bränden in der Anlage kommt es immer wieder, nicht zuletzt auch aufgrund kleinerer Gaskartuschen oder nicht vollständig entleerter Haarsprays und Deosprays, die im Restmüll landen. Restentleert müssen diese im Metallverpackungscontainer entsorgt werden. Befinden sich noch Reste und somit Druckgas darin, müssen sie am Recyclinghof den MitarbeiterInnen für die Problemstoffsammlung übergeben werden.

 

Auch wenn diese Gaskartusche bereits leer ist und somit keine unmittelbare Gefahr für die Anlagenmitarbeiter darstellt, hätte sie im Wertstoffcontainer für Metallverpackungen die Chance gehabt, als wertvoller Rohstoff in der Metallindustrie ein zweites Leben zu bekommen. Alles, was im Restmüll landet, wird in Lavant vom biogenen Anteil getrennt und für die Müllverbrennung vorbereitet. Eine Rückgewinnung von Wertstoffen aus dem Restmüll ist nicht mehr möglich.

 

Nach dem Besuch in Lavant besichtigten die Schülerinnen die Sortieranlage für Leichtverpackungen der Firma Rossbacher. Dort wurde deutlich, dass zahlreiche Wertstoffe bereits ordnungsgemäß getrennt gesammelt werden. Diese werden von den MitarbeiterInnen der Firma Rossbacher für die Übergabe an entsprechende Recyclingunternehmen vorbereitet und können so als wertvolle Rohstoffe für die Herstellung neuer Produkte eingesetzt werden. Die Schülerinnen der LLA sind nach der Exkursion bestens gewappnet, als wichtige Multiplikatoren die große Bedeutung der getrennten Sammlung unserer Wertstoffe weiterzugeben. Den Mythos, dass sowieso alles zusammengeworfen wird, können sie ab sofort aus eigener Erfahrung widerlegen.

„Auf den gemeindeeigenen Recyclinghöfen können die meisten Wertstoffe kostenlos abgegeben werden. Neben Leichtverpackungen, Metallverpackungen, Karton/Papier und Glasverpackungen werden dort auch Schrott, Elektroaltgeräte usw. gesammelt. Informieren Sie sich über die richtige Entsorgung Ihrer Abfälle, denn diese stellen wichtige Rohstoffe dar, jedoch nur, wenn sie ordnungsgemäß getrennt gesammelt werden“, betont Umweltberater Gerhard Lusser vom Abfallwirtschaftsverband Osttirol.

 

Text: Redaktion, Fotos: AWVO

15. November 2021 um