Lienz: Regionale Bodenverbesserung, Stärkung der Kreislaufwirtschaft

Wie man die regionale Landwirtschaft stärken und unabhängiger von Krisen machen kann, war am 4.5. im Rahmen der Auftaktveranstaltung eines LEADER-Projektes zu erfahren.

Stark steigende Düngemittel- und Treibstoffpreise, die Bedrohung regionaler Ernährungssicherheit durch eine kriegsbedingte Gefährdung der Zulieferungsketten und nicht zuletzt die stetig zunehmende Klimakrise lassen klar erkennen, was das Gebot der Stunde ist: Die regionale Landwirtschaft über soziale, ökonomische und ökologische Krisen hinweg zu stärken, von Energie-(Dünger/Treibstoff) und Lebensmittelimporten unabhängiger zu werden und zugleich eine nachhaltigere, „regenerative“ Landwirtschaft umzusetzen.

Einen Beitrag dazu kann eine humusaufbauende Landwirtschaft beisteuern. Humus ist der fruchtbare, organische und lebend verbaute Anteil des Bodens. Erhöht man den Humusgehalt im Boden, so kann man nicht nur auf externe Düngemittel und Pflanzenschutz verzichten, sondern der Boden kann zusätzlich auch mehr Wasser aufnehmen und für durch den Klimawandel bedingte Trockenperioden speichern. Er wirkt sozusagen wie ein Schwamm, der Wasser und Nährstoffe speichert und für die Pflanzen verfügbar macht. Um Humus aufzubauen, ist neben einer Umstellung der Bewirtschaftungsweise, die den Boden schont und einen vielfältigen, dauernden Bewuchs fördert, vor allem die Zufuhr von organischem Material, im Idealfall in Form von gut zersetztem stabilisiertem Kompost, notwendig.

Diesem Thema widmet sich das von der Stadt Lienz ins Leben gerufene Projekt „Regionale Bodenverbesserung, Humusaufbau durch Komposterde“. Ziel ist es, Impulse zu setzen, die landwirtschaftliche Praxis und deren Böden im Bezirk nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig eine wertvolle Ressource aus der Abfallwirtschaft – den Kompost biogener Abfälle – einer im Sinne der Kreislaufwirtschaft hochwertigen Verwendung zukommen zu lassen. Aus diesem Grund konnte man auch den Abfallwirtschaftsverband Osttirol und den Kompost- und Biogasverband als Projektpartner gewinnen. Ermöglicht wird dieses Projekt auch durch die Unterstützung des Regionsmanagements Osttirol und durch Fördermittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Das LEADER-Projekt ist auf fünf Jahre angelegt.

 

Die Kompostieranlage der Stadtgemeinde Lienz wird als Public Private Partnership geführt. Für die Anlieferungskontrolle, Steuerung und Qualitätssicherung zeichnet die städtische Abteilung für Umwelt und Zivilschutz und für die jährliche Qualitätssicherung die ARGE Kompost (Probenziehung) bzw. die Chemisch technische Umweltschutzanstalt (CTUA) des Landes Tirol als zertifizierte Prüfanstalt verantwortlich. Die mechanische Verarbeitung wird durch die Fa. Hans Gumpitsch GmbH ausgeführt. Pro Jahr werden aus den Bioabfällen im Kompostwerk Lienz ca. 700 bis 800 Tonnen Komposterde erzeugt und in Kleinmengen an Haus- und Gartenbesitzer sowie in der Landschaftsgestaltung und Landwirtschaft abgegeben. Kleinmengen (bis zu 300 kg) werden kostenlos ausgegeben!

 

Professionell begleitet wird das Projekts durch „Humus+Modell Ökoregion Kaindorf“, welche seit 15 Jahren mit LandwirtInnen in ganz Österreich zusammenarbeiten und auf mittlerweile über 5.000 ha vorzeigen, wie Humusaufbau möglich ist. Im Rahmen des Projekts gibt es auch eine enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt Lienz, welche für Demonstrationszwecke neun Flächen zur Verfügung gestellt hat. Der Kompost hierfür wird von der Kompostieranlage der Stadt Lienz geliefert, um aufzuzeigen, welches bislang noch unterschätzte Potenzial das „schwarze Gold“ auch in der Anwendung in der Landwirtschaft hat. Dabei handelt es sich jedoch nicht um irgendeinen Kompost, sondern um einen Kompost, der Dank einer detaillierten Bodenanalyse mit den notwendigen Zusatznährstoffen angereichert und somit perfekt auf die Mängel der Flächen abgestimmt wurde, für welche er bestimmt ist.

 

Der Kompost wird per Traktor auf die Versuchsfelder der LLA Lienz aufgebracht.

 

Schüler*innen der LLA Lienz erfuhren in einem Workshop, wie Humus entsteht.

 

Text: Redaktion, Fotos: © Osttirol heute und Stadt Lienz/Brunner Images

05. Mai 2022 um