Raiffeisengenossenschaft Osttirol: Rekordumsatz trotz krisenhaftem Umfeld

Sorgen bereiten den Funktionären und der Geschäftsführung des Konzerns vor allem der Facharbeitermangel und das schwierige Umfeld am Energie- und Rohstoffmarkt.

Rekordzahlen im positiven Sinne konnte Obmann Franz Klocker bei der Generalversammlung der RGO am Freitag, 12. Juni, in der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz präsentieren. „Das Jahr 2021 hat nicht gerade vielversprechend begonnen. Am 2. Jänner ist unsere alte Versteigerungshalle unter der Schneelast eingebrochen. Zwei Wochen später brannte es im Mischfutterwerk gleich 2 Mal. Wirtschaftlich und finanziell konnte die RGO allerdings ausgezeichnet reüssieren – Umsatz und Bilanzgewinn konnten auf Rekordhöhen gesteigert werden“, so der Obmann einleitend.

Rund 1.600 Betriebe sind derzeit Mitglieder bei der RGO, davon etwa 1.200 viehhaltende Betriebe. „Sorge bereitet uns neben dem Facharbeitermangel und der Unsicherheit bei der Beschaffung von Rohstoffen insbesondere die Rückkehr der Großen Beutegreifer. Vor allem die Bewirtschaftung der Almen wird dadurch immer schwieriger“, so Klocker.

 

Die Obmänner der Fachabteilungen v.l.n.r.: Bgm. Georg Rainer (Saatbau), Norbert Duregger (Noriker-Pferdezucht), Sebastian Bauernfeind (Bienenzucht), Thomas Steiner (Schafzucht), Johann Prast (Rinderzucht). Nicht anwesend: Josef Fuchs (Haflinger-Zucht)

 

Anschließend berichteten die Fachobmänner von ihren Abteilungen. „Derzeit sind 717 Betriebe Mitglieder in der Abteilung Rinderzucht. Die Tendenz ist fallend. Ein durchschnittlicher Betrieb hält in Osttirol 8,2 Kühe. Diese Zahl liegt deutlich unter dem Tiroler Schnitt und weit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 23,6 Kühen“, so Rinderzucht-Obmann Johann Prast. „Mit 105 Mitgliedern ist es uns gelungen, der größte Verein in ganz Tirol zu werden“, berichtete Norbert Duregger, Obmann der Abteilung Noriker-Pferdezucht.

 

Schafzucht-Obmann Thomas Steiner: „Das Damoklesschwert über unserer positiven Entwicklung in der Abteilung ist die Rückkehr der Großen Beutegreifer. Wir Schafbauern stehen mit dem Rücken zur Wand. Die Situation erscheint aussichtslos. Ich fürchte vor allem um die Almwirtschaft in unserer Region.“

 

Schafzucht-Obmann Thomas Steiner berichtete von Rekordumsätzen und Höchstpreisen. „Wir haben eher erwartet, dass die Vermarktung durch die Pandemie einbricht. Doch wir können von einigen Superlativen berichten. Über 18.000 Lämmer und Ziegen wurden 2021 vermarktet. Bei der Versteigerung im Herbst 2021 erzielten wir das höchste Umsatzergebnis, und bei der Frühjahrsversteigerung erzielte ein Tier den besten Preis am Standort. In Osttirol – dem schafreichsten Bezirk Österreichs – gibt es derzeit mit rund 20.300 Schafen einen Höchststand an Tieren“, so Steiner.

 

Geschäftsführer Thomas Diemling: „Das Ergebnis nach Steuern konnte auf 2 Mio. Euro gesteigert werden. Mit einer Eigenmittelquote von 73 Prozent ist die RGO solide finanziert. Ein Cash Flow von rund 2 Mio. Euro ermöglichte es uns, 771.000 Euro zu investieren und die Bankverbindlichkeiten um rund 1,2 Mio. Euro abzubauen.“

 

Von Rekordzahlen des Konzerns RGO berichtete Geschäftsführer Thomas Diemling. „Der Umsatz konnte auf insgesamt 64,1 Mio. Euro gesteigert werden. Alle Sparten konnten zulegen – am stärksten mit 17,1 % die Sparte Vieh, gefolgt von der Sparte Bau mit 14,8 %. Die Sparte Agrar ist mit rund 16,5 Mio. Umsatz die stärkste in der RGO. Hier konnten wir den Umsatz um 12,2 Prozent steigern“, so der Geschäftsführer. Am geringsten zulegen konnte die Sparte Energie mit 1,4 Prozent. „Der Absatz in Lienz und Sillian ist deutlich gestiegen. In Sillian müssen wir allerdings Mengenrückgänge hinnehmen. Der ,Tanktourismus‘ in Sillian ist fast zum Erliegen gekommen. Mit Investitionen werden wir uns in Sillian deshalb eher zurückhalten. Wir überlegen, die Tankstelle nur zu sanieren“, so Diemling.

 

Der Matreier Bgm. Raimund Steiner wurde als Vorsitzender des Aufsichtsrates mit 100 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

 

Sorge bereiten auch dem Geschäftsführer die hohen Rohstoffpreise. „Ich gehe davon aus, dass uns eher härtere Jahre bevorstehen, aber die RGO ist für die Zukunft gut gerüstet“, so Diemling. Bei den turnusmäßig anstehenden Wahlen in den Aufsichtsrat wurde Bgm. Raimund Steiner von den 27 Delegierten in seinem Amt bestätigt. Zu seinem Stellvertreter wurde Johann Lusser gewählt. Weiters gehören in den nächsten vier Jahren dem Aufsichtsrat Josef Mair, Markus Putzhuber, Karl Unterweger und Thomas Zwischenberger an.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

13. Juni 2022 um