Prägraten a.G.: Das Defreggerhaus wurde aufwändig saniert
Vor Beginn der Sommersaison wurden am Schutzhaus des Österreichischen Touristenklubs (ÖTK) umfassende Sanierungsmaßnahmen durchgeführt.
Eindrucksvoll und imposant thront das Defreggerhaus auf 2.963 Metern Seehöhe in atemberaubender Hochgebirgslandschaft über Prägraten und ist damit die höchstgelegene Hütte des Virgentales. Das Schutzhaus besteht seit dem Jahr 1887 und wurde 1925 neu erbaut. Die nach dem berühmten Maler Franz von Defregger benannte Hütte ist damit eine der ältesten in den Ostalpen und gilt, neben der Neuen Prager Hütte in Matrei i.O. und der Kürsingerhütte im Oberpinzgau, als wichtigster Stützpunkt für Touren auf den Großvenediger.

Der Aufstieg vom Defreggerhaus auf die „Weltalte Majestät“ ist einer der leichtesten und kürzesten, wobei die Spaltengefahr und der Übergang am schmalen Grat zum Gipfel nicht unterschätzt werden dürfen. Die Schutzhütte liegt unterhalb des Mullwitzaderls (3.035Meter), dem Einstieg in den Gletscher. Nach nur wenigen Schritten kann man hinter dem Defreggerhaus in die imposante Welt von Eis und Fels eintauchen und das überwältigende Panorama mit sechs Gletschern und den erhabenen Gipfeln des Venedigermassivs genießen. Nachdem das Schutzhaus in der Sommersaison 2022 geschlossen blieb, wurde der Betrieb 2023 wieder eröffnet.
Der gebürtige Kärntner Markus Arzberger bewirtschaftete die Hütte im vergangenen Sommer.
Erstmals bewirtschaftete Markus Arzberger die Hütte. Er stammt ursprünglich aus Wolfsberg im Lavanttal, ist ausgebildeter Snowboardführer und betreibt seit 2017 in Warngau in Oberbayern seine eigene Firma splitboarding.at. „Wir organisieren Snowboard-Touren und verleihen Splitboards. Abenteuer und Outdoor-Aktivitäten haben mich schon immer fasziniert. So bin ich mit meiner Partnerin Lena vor ein paar Jahren von Wolfsberg nach Tiflis, die Hauptstadt von Georgien, und zurück geradelt. 2012 habe ich das erste Mal eine Hütte gepachtet – die Jägeralm am Schwarzensee im Ennstal. Die Arbeit als Hüttenwirt hat mir sehr gefallen und so traf ich für mich die Entscheidung, keinen Bürojob mit geregelten Arbeitszeiten mehr auszuführen. Acht Jahre lang war zuletzt die Rudolf-Schober-Hütte, eine Alpenvereins-Hütte in den Schladminger Tauern, mein Arbeitsplatz im Sommer“, erzählt der studierte Diplomingenieur und Magister, der früher im Bereich IT und Programmierung tätig war.
Blick auf die vor der Schutzhütte errichteten Container
In die Sommersaison auf dem Defreggerhaus ist Markus mit seinem Team offiziell am 20. Juli 2023 gestartet. „Bereits zuvor, am 15. Juni, begannen die Bauarbeiten. Über drei Wochen lang haben wir vor Ort die Arbeiter versorgt. Nachdem der Aufzug nicht mehr zur Verfügung stand, mussten die Lebensmittel, Getränke und Sonstiges zu Beginn der Hüttensaison per Hubschrauber heraufgeflogen werden. Was danach noch benötigt wurde, musste ab der Johannishütte heraufgetragen werden“, erzählt Markus.

Die aufwändigste Baumaßnahme bestand darin, das undichte Dach aus Schindeln, Ziegeln und Blech durch ein neues Blechdach zu ersetzen. Auf dem neuen Dach wurde eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 15 kW montiert. Weil die Hütte über keine zusätzlichen Raumkapazitäten verfügt, wurden im Außenbereich vier Container installiert, die bei Bedarf wieder rückstandlos entfernt werden können.

„In einem Container ist das Equipment für die Elektroversorgung inklusive Wechselrichter, in einem weiteren das Aggregat mit säurefestem Dieseltank untergebracht. Zwei weitere Container dienen als Lagerraum.“ Auch im Bereich Kältetechnik wurden umfassende Neuerungen vorgenommen. Ein kompletter Raum in der Hütte wurde als Kühlzelle eingerichtet. Hier können Lebensmittel – wie z.B. Butter oder Fleisch – tiefgefroren gelagert werden. In einem weiteren Kühlraum werden Getränke aufbewahrt. Die Küche des Schutzhauses wurde an die aktuellen Hygienevorschriften angepasst, eine Spülstraße installiert und neue Herd- und Kochmöglichkeiten eingebaut sowie ein Müllraum geschaffen.

„Die Schutzhütte war über Mobilfunk nicht erreichbar, was die Kommunikation mit den Gästen erschwerte. Jetzt verfügt die Hütte über SAT-Internet, ein eigens entwickeltes Hütten-Reservierungssystem, das auch bargeldloses Zahlen erlaubt. Die Gäste können die Zimmer wie in einem Hotel buchen und erhalten bei Ankunft eine Gästekarte, auf der alle Konsumationen gebucht und abgerechnet werden können. Wir sind hier moderner aufgestellt als so mancher Gastbetrieb im Tal. Die Investitionen haben das Arbeiten und den Aufenthalt für Gäste auf dem Defreggerhaus erheblich erleichtert“, betont Markus, der zu Beginn der Saison von seiner Partnerin Lena, die bei einem Radiosender in München arbeitet, unterstützt wurde. Den Sommer über waren Judith und Svenja bei der Versorgung der Bergsteiger und Wanderer an der Seite des Hüttenwirts.

Das Defreggerhaus verfügt für Übernachtungen über 76 Betten, 37 davon in Zimmern. Nach Hüttenschluss wechselte Markus übrigens wieder seinen Arbeitsplatz und war in der „Ochsenbraterei“ am Münchner Oktoberfest als Kellner tätig. „Diesen Job mache ich gemeinsam mit Lena schon seit 20 Jahren – und es macht uns beiden noch immer großen Spaß. Das Festzelt bietet 8.000 Gästen Platz. Das ist der perfekte Kontrast zum eher beschaulichen Leben in den Osttiroler Bergen auf knapp 3.000 Metern Seehöhe. Ich mag beides sehr gerne, und so würde ich mich freuen, auch im nächsten Sommer wieder in Osttirol als Hüttenwirt tätig sein zu dürfen“, erklärt er abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: ÖTK/Michael Platzer, Osttirol heute/Mühlburger