Platter über neuen Felber: „Atemberaubend schön“
Der neue Straßenabschnitt „Schildalm“ wurde am Samstag, 5. September 2015, offiziell eröffnet und eingeweiht. Feierstimmung trotz nasskaltem Herbstwetter am Felbertauern.
Die tiefen Temperaturen und die Niederschläge taten der guten Stimmung am Samstagvormittag beim Südportal des Felbertauerntunnels auf 1.632 Metern Seehöhe keinen Abbruch. Ein kurzes „Regenfenster“ wurde für die Segnung und das Durchschneiden des Bandes genutzt. Die Musikkapelle und die Schützenkompanie von Matrei in Osttirol sowie die Bürgermusik Mittersill sorgten für einen traditionellen Rahmen der Feierstunde. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, der Salzburger Verkehrslandesrat Hans Mayr, Osttiroler, Nordtiroler und Salzburger Bürgermeister und Landtagsabgeordnete, Aufsichtsratsmitglieder und Mitarbeiter der Felbertauernstraße AG (FAG), Vertreter der Wirtschaft, des Tourismus und der bauausführenden Firmen feierten mit der Matreier Bevölkerung und Bgm. BR Dr. Andreas Köll die Eröffnung des Straßenabschnittes „Schildalm“.
Vorstandsvorsitzender Mag. Karl Poppeller gab einen Rückblick auf die Ereignisse seit dem Felssturz vom 14. Mai 2013. „Zunächst dominierte die Sorge, dass sich Verschüttete unter den Erd- und Gesteinsmassen befinden. Als sich das Gott sei Dank nicht bewahrheitete, galt es, so rasch wie möglich wieder eine Verbindung herzustellen. Das Land Tirol mit funktionierenden Strukturen, die Geologen, die Verwaltung und die Politik haben alles versucht, dass nach nicht einmal sechs Wochen Bauzeit am 27. Juli 2013 eine Ersatzstraße in Betrieb genommen werden konnte“, so Poppeller. Verschiedene Varianten wurden ausgearbeitet mit dem Ziel, möglichst bald wieder zu einer vollwertigen neuen Verbindung zu kommen. „Als wir uns für die Variante einer neuen Trasse entschieden haben, bereiteten mir die veranschlagten Kosten von 16 bis 18 Mio. Euro schon einiges Kopfzerbrechen. Doch mit der Kapitalaufstockung von 10 Mio. Euro und die Hilfe durch den Katastrophenfonds konnte das Vorhaben umgesetzt werden“, erklärte der Vorstand.
Der technische Leiter der FAG, DI (FH) Michael Köll, gab einen Überblick über die Ausmaße des rund 3,5 Kilometer langen neuen Straßenstücks und über die Herausforderungen bei den Bauarbeiten. Brücken mit einer Gesamtlänge von 408 Metern wurden errichtet, die längste Brückenkonstruktion ist 184 Meter lang. 20 Meter über dem Daberbach befindet sich der höchste Brückenteil. Zwei Kilometer Schutzdämme und rund 5.000 m² Schutznetze sichern die Straße ab, und 14.750 Tonnen Asphaltbelag wurden aufgetragen. „13.100 Meter Anker wurden in den Fels gebohrt. Das ist ungefähr dreieinhalb Mal die Höhe des Großglockners“, so der technische Leiterl.
Die Musikkapelle Matrei gestaltete die Eröffnung des neuen Straßenstücks musikalisch, am Nachmittag spielte die Bürgermusik Mittersill auf.
„Ich war nach dem Felssturz bei der Besichtigung vor Ort fassungslos. Der Felssturz im Mai 2013 war eine Katastrophensituation nicht nur für Osttirol, sondern für das ganze Bundesland Tirol und die angrenzenden Regionen“, blickte LH Günther Platter in seiner Festrede zurück. Sein Job sei es gewesen, die finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Verbindung wieder herstellen zu können. „13,5 Mio. Euro aus dem Katastrophenfonds, 10 Mio. Kapitalaufstockung sowie ein Paket zur Abfederung der Nachteile für Wirtschaft und Tourismus haben es möglich gemacht, dass wir heute dieses freudige Ereignis feiern können“, so Platter. Entscheidend sei für ihn aber nicht einmal das Geld. „Was alle zusammen hier geleistet haben, verdient großen Respekt. Schon um die Ersatzstraße zu bauen, bedurfte es vieler kluger Entscheidungen. Für die neue Trassierung brauchte es Konsensbereitschaft von Seiten der Behörden und der Grundeigentümer. Wenn ich heute über den Felber fahre, kann ich nur sagen: Diese Straße ist atemberaubend schön“, schwärmte der Landeshauptmann.
LH Günther Platter: „Nordtirol und Osttirol gehören zusammen. Ich freue mich, dass nun auch diese Lebensader für den Bezirk Lienz wieder vollwertig hergestellt ist.“
Der Matreier Bgm. BR Dr. Andreas Köll schilderte zunächst persönliche Eindrücke zu den Ereignissen am 14. Mai 2013. „Ich bin ungefähr 15 Minuten vor dem Felssturz durch die Schildalm-Galerie gefahren. Zum Glück ist der Felssturz in der Nacht passiert und nicht bei Tag, wenn viel Verkehr ist. 48 Stunden lang gab es Unsicherheit, ob sich nicht doch Fahrzeuge unter den Erd- und Gesteinsmassen befinden. Gott sei Dank gab es keine Schäden für Leib und Leben“, so der Bürgermeister. Als eine „super Geschäftsidee“ bezeichnete er die Ersatzstraße. Und er bedankte sich bei Günther Platter, dass er sich für dieses rund 6 Mio. Euro teure Projekt begeistern habe lassen. „Rund 27,5 Mio. Euro hat das Gesamtprojekt gekostet. So viel Geld aufzutreiben, ist selbst für einen Landeshauptmann kein leichtes Unterfangen“, so Andreas Köll. Jetzt gelte es, aus der Felbertauernstraße eine positive Zukunftsverbindung zu machen. „Der Radweg von Lienz über Matrei und den Felbertauern bis nach Mittersill und weiter nach Kitzbühel ist nur eines von vielen zukunftsorientierten Projekten“, so der Matreier Bürgermeister abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images, Osttirol heute/Hotzler




