Photo Kromar: Ästhetisches in Schwarz-Weiß

Die analoge Fotografie, das handwerkliche Entwickeln von Bildern in der Dunkelkammer – Claudio Covi und Maria Schmieder Covi aus Innichen sind dabei geblieben.

kromarh2_c_kromarIm Photoatelier Kromar im Zentrum von Innichen entstehen Porträtaufnahmen in Schwarz-Weiß, die von einer längeren emotionalen Reise erzählen, auf die sich der Fotograf mit seinem Kunden eingelassen hat. Claudio Covi und Maria Schmieder Covi sind Anhänger der authentischen Fotografie, die weder Eingriffe noch Manipulationen zulässt oder gar am Computer erfunden wird. Seit 1976 führen sie im Zentrum der Südtiroler Gemeinde Innichen ein Atelier. „Wir beschäftigen uns fast ausschließlich mit analoger Schwarz-Weiß-Porträtfotografie. Ich bin davon überzeugt, dass die Essenz eines Objektes, der Charakter eines Menschen nur in Schwarz-Weiß richtig abgebildet werden kann“, sagt Claudio Covi. Das Aufkommen der digitalen Fotografie mit unendlich vielen Bearbeitungsmöglichkeiten hat den Berufsstand des Fotografen revolutioniert. Das stellte auch für die beiden Innichner eine große Herausforderung dar. Mit viel Hartnäckigkeit und Mut zum Risiko sind sie allerdings bei der traditionellen Fotografie geblieben. Claudio Covi entwickelt seine Bilder nach wie vor in seiner Dunkelkammer im Untergeschoß des Studios. „Früher waren die Menschen zwar oft mittellos, aber für Porträtaufnahmen haben sie doch einen Profifotografen aufgesucht. Heute beobachten wir einen Trend zur Rückbesinnung. Immer mehr Kunden schätzen wieder den Wert der traditionellen, inzwischen selten gewordenen Art der Fotografie, der Entwicklung und des Drucks“, so Maria Schmieder Covi, die laut Aussagen ihres Mannes den künstlerischen Part im Studio abdeckt. Im Umkehrschluss bezeichnet sie ihn als „Ästheten“, der Werte schaffe, die bleiben. „Langsamer, weniger, besser, schöner“ steht  in großen Lettern auf dem Schaufenster des Ateliers geschrieben.

Der Soziologe, Künstler und Ökologe Dr. Hans Glauber, Gründer der Toblacher Gespräche, hatte einst mit diesen vier Worten die Philosophie des Photoateliers Kromar beschrieben. Wenn ein Kunde Porträtfotos anfertigen lassen möchte, steht ein ausführliches Gespräch am Beginn der Zusammenarbeit. „Ich bin immer noch bei jedem Termin aufgeregt, voller Spannung und Emotionen. Eine Porträtaufnahme ist wie eine Reise, die mein Kunde und ich gemeinsam unternehmen – geprägt von gegenseitigem Geben und Nehmen“, wird Fotograf Claudio ein wenig philosophisch. Angesprochen werde manchmal auch, welche Kleidung zum jeweiligen Typ passe. Erst dann folgt das eigentliche Shooting: „Der Fototermin ist eine wichtige Etappe auf unserer Reise – ein kreativer Prozess, ein schöner Augenblick, auf den ich mich mit meinem ganzen Talent und meiner ganzen Persönlichkeit einlasse.“

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An den Fototermin schließt die handwerkliche Nachbearbeitung der Schwarz-Weiß-Negative in der Dunkelkammer an. Langsam, behutsam und bedächtig nähert sich der Fotograf seinem Ziel. Mit Wasser, Spezialflüssigkeiten und Säuren werden die Fotos entwickelt, um dann zum Trocknen aufgehängt zu werden. Der Kunde kann nun die Probebilder ansehen und aussuchen, was ihm gefällt. Die Vergrößerung erfolgt im Photoatelier Kromar auf Baryt mit Papierfaser-Basisträger und hohem Silberanteil, die Reinigung im Natriumselenit-Bad. „Das einzelne Bild gewinnt dadurch noch mehr Ausdrucksstärke und ist länger haltbar. Außerdem fertigen wir von allen Porträts Negative an. Bis zu 40 Jahre alte Negative lagern bei uns im Haus“, erklärt dazu Claudio Covi. Dass im Studio in Innichen noch das Negativ auf Zelluloid, die analoge Fotografie sowie das Entwickeln und Drucken von Bildern im handwerklichen Verfahren im Mittelpunkt stehen, hat sich inzwischen weit über die Grenzen Südtirols hinaus herumgesprochen. „Die Schweiz ist immer ein Markt für analoge Fotografie geblieben. Inzwischen gibt es aber auch wieder Fotografen in Berlin oder Wien, die sich auf die ursprüngliche Form der Fotografie zurückbesinnen“, weiß Maria Schmieder Covi.

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In Südtirol findet man ein derartiges Fotostudio nur mehr in Innichen. Viele, die über ein fundiertes Detailwissen in Sachen Fotografie verfügen, besuchen es – im Sommer schauen während ihres Urlaubes immer wieder auch Profifotografen vorbei. „Unsere Schwarz-Weiß-Porträts hängen in Wohnungen in Mailand, Rom oder Palermo“, so die Innichnerin. So kann es schon vorkommen, dass jemand sagt: „Das möchte ich auch haben“, und die Reise in das Hochpustertal auf sich nimmt, um im Photoatelier Kromar im Austausch mit Claudio Covi und Maria Schmieder Covi besonders genussvolle Momente zu erleben und sich danach zu Hause ein Leben lang über die außergewöhnlich ästhetischen Schwarz-Weiß-Porträts zu freuen.

Arbeiten von Claudio & Maria Covi sind derzeit nicht nur im Photoatelier Kromar in der Peter-Paul-Rainer-Straße 5b in Innichen, sondern bis Ende Oktober 2015 auch in der Ausstellung „Linsen und Leuchten“ bei Electro Leitner in Bruneck, Ahraue 6, zu sehen.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Photoatelier Kromar

09. August 2015 um