Osttirols LebensmittelproduzentInnen wollen mit Innovation den Krisen trotzen

Steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie der Arbeitskräfte-Mangel bereiten auch den heimischen Bäckern, Metzgern und sonstigen Lebensmittelproduzenten Kopfzerbrechen.

VertreterInnen der Nahrungs- und Genussmittelproduzenten in der Wirtschaftskammer Tirol machten gemeinsam mit Mag. Michaela Hysek-Unterweger, Obfrau der WK-Bezirksstelle Lienz, am Mittwoch, 16. November, in der Backschule Joast in der Lienzer Innenstadt auf die großen Probleme aufmerksam, denen sich das Lebensmittelgewerbe vor dem Hintergrund der Energie-Krise, den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und dem Facharbeitermangel gegenübersieht.

 

Wirtschaftskammer-Bezirksstellenobfrau Michaela Hysek-Unterweger: „Nicht nur die steigenden Energiekosten bedrohen unsere LebensmittelproduzentInnen. Durch die Probleme in Gastronomie und Tourismus bricht auch die Nachfrage für diese für die Nahversorgung so wichtige Branche immer mehr weg!”

 

Aktuell versorgen im Bezirk Lienz zehn Bäckereien, zehn Metzgereien, sechs Konditoren sowie weitere 28 Nahrungs- und Genussmittelbetriebe die KonsumentInnen mit regionalen Produkten. „Im Vergleich zu 2018 sind das sogar um sechs Betriebe mehr. Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise bedrohen unsere LebensmittelproduzentInnen. Die Heiz- und Kühlkosten, der Strom- und Gaspreis für die Produktionsanlagen sowie die Treibstoffpreise sind um ein Vielfaches gestiegen“, so WK-Bezirksstellenobfrau Michaela Hysek-Unterweger.

Eine komplette Abwälzung der so massiv gestiegenen Kosten auf die Produktpreise sei unmöglich, hielt Georg Schuler, Innungsmeister der WK Tirol für das Lebensmittelgewerbe fest. „Würden wir die Kostenerhöhungen 1:1 an unsere KundInnen weitergeben, würden einige Produkte mehr als das Doppelte kosten“, so Schuler. Auch der Tiroler Berufsgruppensprecher für die BäckerInnen, Gerd Jonak, teilt diese Bedenken: „Auch die Rohstoff- und Treibstoffpreise sowie die Personalkosten steigen. Der Mehlpreis ist z.B. um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.“

 

Innungsmeister Georg Schuler: „Wenn wir die Kostenerhöhungen über die Produktpreise komplett auf unsere KundInnen abwälzen würden, wären regionale Lebensmittel für einen großen Teil der KonsumentInnen nicht mehr leistbar!“

 

Die Fachgruppe Lebensmittelgewerbe fordert mehr Planungssicherheit und bessere Unterstützungsmaßnahmen für die Betriebe. „Der Energiekostenzuschuss z.B. gilt nur von Feber bis September 2022. Er gilt nicht für Holz, Erdöl und Erdgas, und die 3%-Hürde benachteiligt jene Betriebe, die schon vor der Krise auf effiziente Energielösungen gebaut haben“, so Schuler.

Eine weitere große Herausforderung ist auch der Arbeitskräfte-Mangel. „Im Tourismus – einem wichtigen Markt für unsere LebensmittelproduzentInnen – gab es nur aufgrund des hohen persönlichen Einsatzes in den Familienbetrieben bisher noch kaum Schließungen. Und wir bauen auch weiterhin auf die Treue der Gastronomiebetriebe zu unseren Bäckern, Metzgern und sonstigen Produzenten“, betonte Michaela Hysek-Unterweger.

 

BäckerInnen-Sprecher Gerd Jonak: „Um dem Arbeitskräfte-Mangel irgendwie Herr werden zu können, planen wir im Bäckergewerbe z.B. auch einen Kurs für QuereinsteigerInnen und den Ausbau der praktischen Ausbildungsmöglichkeiten für Lehrlinge.“

 

Die Betriebe würden auch auf die Wertschätzung in der Bevölkerung bauen, wozu in den letzten Jahren zahlreiche Projekte gestartet wurden. Ein Meilenstein in diesem Zusammenhang sei das LEADER-Projekt „Heimvorteil“. „Seit mehr als 15 Jahren werden von den selbstständigen Osttiroler LebensmittelhändlerInnen regionale Produkte vermarktet und verkauft. Unsere Betriebe setzen auch auf regionale Kooperationen. So hat etwa die Bäckerei Joast mit regionalen LandwirtInnen eine vertragliche Regelung für den Anbau von Biogetreide abgeschlossen“, nannte die WK-Obfrau beispielhaft innovative Initiativen.

Neue gemeinsame (Online)-Wege

Um den Stellenwert der Lebensmittelgewerbe zu stärken und vor allem neue MitarbeiterInnen für das traditionelle Handwerk zu begeistern, präsentieren die BäckerInnen, MetzgerInnen, KonditorInnen sowie die Nahrungs- und Genussmittelbetriebe seit 2021 den Mehrwert ihrer Branche gemeinsam über die Online-Plattform www.tirol-schmeckt.at. „Mit spannenden Geschichten rund um das Wirken dieser Berufsgruppen bekommen die UserInnen exklusive Einblicke in die Backstuben, Metzgereien und Produktionsstätten. Damit wollen wir nicht nur KundInnen, sondern auch künftige MitarbeiterInnen für unsere regionalen Produkte und das traditionelle Handwerk begeistern“, berichtete Wirtschaftskammer-Innungsgeschäftsführer Simon Franzoi.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

16. November 2022 um