Lienz: Osttirols Bäuerinnen, Bauern und Jungbauern diskutierten bei Herbstkonferenz

Die steigenden Kosten, die Rückkehr des Wolfes und die krisengeschüttelte Osttiroler Waldwirtschaft wurden u.a. bei der Herbstkonferenz des Tiroler Bauernbundes thematisiert.

Zahlreiche Bäuerinnen, Bauern und Jungbauern diskutierten am Dienstag, 22. November, im Rahmen der Herbstkonferenz in Lienz bis in die späten Abendstunden mit Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler und Landwirtschaftskammer-Präsident NR Josef Hechenberger.

„Es ist ein Zeitenwandel, in dem sich unsere Gesellschaft derzeit befindet. Zu den geänderten Bedingungen durch Krieg und Pandemie kommen für unsere Bauern auch riesige Probleme, die Raubtiere, wie Wolf und Bär, sowie der Borkenkäfer mit sich bringen“, so Bezirksbauernobmann LA Bgm. Martin Mayerl in seinem einleitenden Statement. Und weiter: „Die steigenden Betriebsmittelkosten und der Klimawandel stellen unsere Bauern vor noch nie da gewesene Herausforderungen. Die Auswirkungen der weltweiten politischen Entwicklungen wirken sich direkt auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Oberstes Gebot muss es bleiben, die Selbstversorgung im eigenen Land abzusichern. Deswegen gilt es auch zukünftig, an den Rahmenbedingungen für die heimische Berglandwirtschaft zu arbeiten.“

 

 

Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler sprach sehr viele Themen an und sicherte auch weiterhin vollste Unterstützung für die krisengeschüttelte Osttiroler Waldwirtschaft zu. Er ging auch auf die Sicherstellung der tierärztlichen Grundversorgung ein. „Während Bauern in den hinteren Tälern Tirols den Mangel schon länger spüren, schwappt die Welle nun auch auf vermeintliche Gunstlagen über. Wir arbeiten seit Jahren auf Hochtouren daran, die tierärztliche Versorgung auch in Zukunft zu sichern und junge Tierärzte auch im Land auszubilden und damit an den Standort zu binden.“ Konkret soll zukünftig die österreichweite Ausbildung der Tierärzte für große Wiederkäuer nach Tirol verlegt werden.

Das emotionalste und gravierendste Problem der heimischen Bauern ist derzeit sicherlich die Rückkehr der große Beutegreifer. Hier erwartet sich Josef Geisler „raschere und praktikablere Entnahmemöglichkeiten, die gemeinsam mit dem neuen Regierungspartner durch eine Novelle des Jagdgesetzes künftig in die Praxis umgesetzt werden kann”. „Darüber hinaus muss endlich der Schutzstatus der Wölfe gesenkt werden. Es gibt in Europa bereits Regionen, in denen es weder Land- noch Tourismuswirtschaft gibt, weil dort zahlreiche Rudel ihr Unwesen treiben. Deswegen müssen wir alle Hebel in Bewegung setzen, damit wir Wölfe zum Abschuss freigeben können“, so Geisler.

 

 

Wichtig sei derzeit laut Geisler, dass jene Leistungen der Bauernfamilien, die nicht über die Produktpreise abgegolten werden können, durch Ausgleichszahlungen abgefedert werden. „Die neue Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) steht in den Startlöchern, und es ist ganz wichtig, dass für das benachteiligte Berggebiet eine Art Chancengerechtigkeit für die kleinstrukturierte Tiroler Berglandwirtschaft geschaffen wird. Unsere Land- und Forstwirtschaft wird sich verändern. Unsere Bäuerinnen und Bauern spüren die Auswirkungen tagtäglich bei ihrer Arbeit. Die Produktionsbedingungen ändern sich. Im Land Tirol haben wir schon lange verschiedenste Maßnahmen zur Anpassung ergriffen. Diesen Weg werden wir weiterhin fortsetzen“, betonte der Obmann des Tiroler Bauernbundes.

 

Text: Redaktion, Fotos: Tiroler Bauernbund

23. November 2022 um