Osttiroler Wirtschaft fordert Verlängerung der Qualitätsbettenoffensive

Mit einer Investitionssumme von 94 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf Jahren 900 zusätzliche Qualitätsbetten im Bezirk Lienz entstehen.

„Die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaft und Wirtschaft im alpin-ländlichen Raum hängt stark mit der Entwicklung im Tourismus zusammen“, sagt die Osttiroler Wirtschaftskammer-Obfrau Michaela Hysek-Unterweger und fordert eine Verlängerung der Qualitätsbettenoffensive für den Bezirk. Während in den letzten drei Jahren in Osttirol bereits 524 Qualitätsbetten geschaffen bzw. mit dem Bau begonnen wurde, sollen in den nächsten fünf Jahren mit einer Investitionssumme von ca. 94 Mio. Euro 900 zusätzliche Qualitätsbetten entstehen.

 

Foto: Collis Hill

 

Um die Notwendigkeit eines Förderprogramms für die Errichtung von Qualitätsbetten in Osttirol zu untermauern, wurde 2020 die Studie „Leistungsfähigkeit und Overtourismrisiko der Regionen – Wertschöpfungspotenziale am Beispiel Osttirol“ von den Interessenspartnern Osttiroler Investmentgesellschaft, TVB Osttirol und WK-Bezirksstelle Lienz bei der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung in Innsbruck (GAW) in Auftrag gegeben.

Die StudienautorInnen stellten zusammenfassend fest: „In Osttirol sind keine ,Überkapazitäten‘ in der Hotellerie gegeben. Für einen im Tourismusbereich strukturschwachen Bezirk wie Lienz empfiehlt die Studie die Förderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit durch nachhaltiges Wachstum, vor allem in den Tälern.“ Aufgrund dieser Ausgangslage wurde vom Land Tirol im November 2020 die „Qualitätsbettenoffensive Osttirol“ mit dem Ziel geschaffen, den Osttiroler Tourismus und damit verbunden die Absicherung der Infrastruktur sowie die Daseinsvorsorge nachhaltig zu stärken.

„Bei der Beschlussfassung des Förderprogramms im Jahr 2020 wurde vereinbart, das Programm mit Ende der Laufzeit zu evaluieren und weitere Schritte gemeinsam abzustimmen“, erinnert der Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol.

 

WK-Obfrau Mag. Michaela Hysek-Unterweger: „Wenn man Osttirol mit dem Bezirk Landeck vergleicht, muss man erkennen, dass dort sechs Mal so viele Qualitätsbetten stehen. Bedingt durch die Pandemie sind viele Osttiroler Projekte noch nicht zur Umsetzung gelangt. Zudem wurden einige Anträge in alternativen Förderprogrammen abgewickelt. Insgesamt ist die Qualitätsbettenoffensive ein wichtiger Impulsgeber in unserem Bezirk!”

 

Auch der Geschäftsführer der Osttiroler Investment GmbH, Karl Poppeller, will sich für eine Fortsetzung der Qualitätsbettenoffensive stark machen. „Osttirol ist als einziger Tiroler Bezirk noch als EU-Regionalfördergebiet mit Strukturschwächen deklariert, zudem sind die Ziele des Programms im Bezirk noch nicht erreicht“, wirbt Poppeller für eine differenzierte wirtschaftspolitische Betrachtung. Als Grund dafür sieht er neben der Pandemie, in deren Zeitraum der Programmstart der Qualitätsbettenoffensive fiel, multiple Ursachen wie Verzögerungen bei den Bauverfahren, Lieferkettenprobleme sowie Preissteigerungen der Baumaterialien. „Es gibt im Bereich der Gästebetten keine Überkapazitäten im Bezirk Lienz. Durch die Weiterführung der Qualitätsbettenoffensive wird zudem die Osttiroler Infrastruktur und Daseinsvorsorge abgesichert“, argumentiert Poppeller für eine Fortführung des Programms.

Bereits im Frühjahr 2020 stieß die „Qualitätsbettenoffensive Osttirol“ bei den Wirtschaftstreibenden des Bezirks auf große Begeisterung. Die Osttiroler Investmentgesellschaft verzeichnete bei einer Erhebung im Auftrag des Landes Tirol zwölf Projekte mit einer Gesamtinvestitionssumme von rund 53 Mio. Euro, für die eine hohe Umsetzungswahrscheinlichkeit mit einem Realisierungszeitraum von ein bis drei Jahren prognostiziert wurde.

 

Foto: Collis Hill

 

Auch heuer scheint das Interesse der UnternehmerInnen im Bezirk an der Initiative ungebrochen. Im Jänner 2023 wurden von den Interessenspartnern (Osttiroler Investmentgesellschaft, TVB Osttirol und WK-Bezirksstelle Lienz) die für die nächsten fünf Jahre geplanten Tourismusprojekte abgefragt. Dabei wurden für den Zeitraum bis 2028 von den Osttiroler Betrieben 18 Projekte mit einer Investitionssumme von 94 Mio. Euro eingemeldet. Durch die Umsetzung dieser Bauvorhaben sollen 900 zusätzliche Qualitätsbetten im Bezirk entstehen.

Die Vorstellungen der Osttiroler Tourismusbranche decken sich dabei mit den Empfehlungen der Studie. „Die Osttiroler Tourismuswirtschaft benötigt dringend weitere Qualitätsbetten, um die anhaltenden Bettenverluste in niedrigeren Kategorien sowie bei den Privatzimmern aufzufangen. Damit einher geht eine nachhaltige Steigerung der Wertschöpfung im Bezirk. Die Qualitätsbettenoffensive hat so Anreize für viele neue Projekteinreichungen geschaffen“, informiert Franz Theurl. Zudem bestehe ein positiver Zusammenhang zwischen der Qualität und der Quantität touristischer Dienstleistungen, weshalb beide Faktoren gleichermaßen gefördert werden müssten, um das Verbesserungspotenzial voll auszuschöpfen.

 

Text: Redaktion, Fotos: Hotel Dolomitenhof, Collis Hill, Die Fotografen

03. März 2023 um