ÖGB-Präsident Erich Foglar besuchte Osttirol
Für mehr Verteilungsgerechtigkeit, bessere soziale Sicherheit, Chancengleichheit sowie mehr Mitbestimmung in Brüssel treten ÖGB-Funktionäre aller Ebenen ein.Erich Foglar, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), besuchte am 24. April 2013 das letzte Mal vor seiner avisierten Wiederwahl beim Bundeskongress vom 18. bis 20. Juni Tirol. In Lienz informierte er gemeinsam mit dem Tiroler Vorsitzenden Otto Leist und dem Osttiroler Regionalvorsitzenden Willi Lackner über die Hauptprobleme der österreichischen ArbeitnehmerInnen und die Forderungen der Gewerkschaft. „Auch in den nächsten Jahren wird es kein großartiges Wirtschaftswachstum in Europa geben. Tiefe Einschnitte in die Sozialsysteme, in die Kollektivvertrags-Autonomie sowie in Löhne, Gehälter und Pensionen – wie sie in anderen europäischen Ländern schon gemacht werden – können die wirtschaftlichen Probleme sicher nicht lösen“, so Foglar. Als eine Maßnahme zu mehr Gerechtigkeit nannte er den leichteren Zugang zur sechsten Urlaubswoche. „Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Es gibt immer weniger Arbeitnehmer, die 25 Jahre beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt sind. Die sechste Urlaubswoche soll einem größeren Kreis von Beschäftigten zur Verfügung stehen. Wir treten grundsätzlich dafür ein, dass es mit steigendem Alter auch mehr Erholungszeit für die ArbeitnehmerInnen gibt“, betonte der ÖGB-Präsident.
Ein Problem sieht Foglar auch im hohen Anteil von Teilzeitkräften und den daraus entstehenden niedrigen Pensionen. „Rund 45% aller ArbeitnehmerInnen in Österreich arbeiten in Teilzeit, davon sind 80% weibliche Beschäftigte. Wir werden dafür kämpfen, dass diese ArbeitnehmerInnen durch entsprechende Pensionen auch im Alter ihren Lebensunterhalt bestreiten können“, sagte Foglar. Erfreut zeigte sich Tirols ÖGB-Vorsitzender Otto Leist über einen Mitgliederzuwachs im zweiten Jahr in Folge. „Wir konnten erstmals wieder die Marke von 60 000 Mitgliedern in Tirol überspringen. Die Gewerkschaft ist das Stärkste, das die Schwächsten derzeit haben“, so Leist. Er kritisierte die „Vernichtung“ von 109 Verwaltungsjobs in Tirol durch die Tyrolean und dass Einmalzahlungen von 400 Euro nur an einige öffentlich Bedienstete ausgezahlt werden. Der Waffelproduzent Loacker in Heinfels ist laut Leist ein positives Beispiel dafür, wie durch Investitionen Arbeitsplätze geschaffen werden. „Was die Einkommen betrifft, müssen wir in Tirol endlich von der letzten Stelle wegkommen“, so Leist.
Osttiroler Gewerkschaftsschüler haben in den letzten zwei Jahren im Rahmen eines Projektes 240 ArbeitnehmerInnen u.a. zu den Themen Pflege, Einkommens-Situation, Teilzeit-Beschäftigung und Pensionserwartungen befragt. „Aufgrund der Ergebnisse dieser Umfrage werden wir die Themen ‚Frauen in der Arbeitswelt‘ und ‚Pflege im Alter‘ als Schwerpunkte in unser Arbeitsprogramm aufnehmen“, erklärte der Osttiroler ÖGB-Regionalvorsitzende Willi Lackner abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Foto: Journal/L. Sulzenbacher