ÖGB fordert Verbesserungen für Lehrlinge

Den Entscheidungsträgern legt der ÖGB Tirol ein 10-Punkteprogramm zur Aufwertung der Lehre vor – kostenloser B-Führerschein und mind. 700 Euro brutto für Lehrlinge gefordert.     

Das 10-Punkteprogramm mit 16 konkreten Forderungen zur Aufwertung der Lehre stellten Willi Lackner (ÖGB-Vorsitzender Region Lienz), Philip Wohlgemuth (Vorsitzender ÖGB Tirol) und Benjamin Praxmarer (Landessekretär ÖGB Tirol) am Mittwoch, 22. November 2017, am Rande der Regionsvorstandssitzung in Lienz vor. „Die Lehrlingszahlen sind auch in Osttirol stark rückläufig. 820 Lehrlinge wurden mit Ende 2015 in 319 Lehrbetrieben ausgebildet. 2009 waren es noch 955 Lehrlinge“, so Willi Lackner einleitend. Positiv sei in Osttirol, dass die Beschäftigtenstruktur mit jeweils ca. 27% in Gewerbe/Handwerk und Industrie, ca. 22% Tourismus/Freizeitwirtschaft und ca. 14% Handel recht ausgeglichen und damit relativ krisensicher sei. „Auch die Arbeitslosenzahlen sind in Osttirol rückläufig. Wichtig ist, dass Betriebe Lehrlinge ausbilden, damit in Zukunft genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. In der Gastronomie etwa ist bekanntlich schon ein eklatanter Fachkräftemangel zu beklagen“, so Lackner.

 

Philip Wohlgemuth: „Unser duales Ausbildungssystem mit Ausbildung in Betrieb und Schule ist eines der besten in Europa. Um den Tiroler Jugendlichen einen Überblick über das breite Spektrum der ca. 230 unterschiedlichen Lehrberufe zu ermöglichen, fordern wir Berufs- und Bildungsorientierung bereits ab der ersten Bildungsstufe.“

 

„In zehn Jahren ist die Anzahl der Lehrlinge in Tirol von rund 14.000 auf aktuell weniger als 11.000 Lehrlinge gesunken. Wir wollen die Lehre durch unsere Forderungen auch gesellschaftspolitisch aufwerten und den Entscheidungsträgern aktiv Vorschläge unterbreiten, um die Lehre aufzuwerten“, erklärte Philipp Wohlgemuth. Die wichtigsten Forderungen im 10-Punkteprogramm sind eine  kollektivvertragliche Mindestlehrlingsentschädigung von 700 Euro brutto monatlich, kostenloser B-Führerschein für alle Lehrlinge, kostenlose öffentliche Verkehrsmittel für Lehrlinge und die Aufhebung des Höchstalters von 24 Jahren als Voraussetzung. „Außerdem fordern wir 50 zusätzliche Lehrstellen in landeseigenen und landesnahen Einrichtungen. Auch die Gemeinden sollten mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Lehrlinge ausbilden“, so Wohlgemuth.

 

Benjamin Praxmarer: „Das 10-Punkteprogramm sehen wir auch als Ratgeber für alle Entscheidungsträger. Unserer Forderungen richten wir an Landes-, Bundes- und Gemeindepolitiker. Alle ÖGB-Fraktionen stehen hinter dem Papier. Den Forderungskatalog übermitteln wir an alle Landtags-Fraktionen, den Gemeindeverband sowie alle Sozial- und Systempartner.“

 

Weitere im Maßnahmenpaket enthaltene Forderungen sind freiwillige Zwischenprüfungen während der Lehrausbildung und die Verlagerung der Lehrabschlussprüfung in die Berufsschulen. „Etwa 25% der Lehrlinge bestehen die Abschlussprüfung beim 1. Antreten nicht. Durch freiwillige Zwischenprüfungen könnten die Lehrlinge nach Ablauf des jeweiligen Lehrjahres ihr Wissen überprüfen. Positive Ergebnisse dieser Prüfungen sollten bei der Abschlussprüfung angerechnet werden. Eine Verlagerung der Lehrabschlussprüfung würde die Prüfungsangst vermindern, weil dann die Prüfung in gewohnter Umgebung mit den bekannten Maschinen durchgeführt wird“, so Wohlgemuth.

 

v.l.n.r.: Benjamin Praxmarer, Philip Wohlgemuth, Willi Lackner

 

Anders als in Osttirol gibt es im gesamten Bundesland Tirol viel mehr offene Lehrstellen als Lehrstellen-Suchende. Im Juli 2017 standen 946 offenen Lehrstellen nur 390 Lehrstellensuchende gegenüber. „Die Tiroler Wirtschaft ist gefordert, Fachkräfte auszubilden, um dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Es gilt auch, die Elternteile zu überzeugen, dass es mit einer Lehre Aufstiegschancen gibt“, betonte Benjamin Praxmarer.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

 

23. November 2017 um