Norbert Mayr: Als Kapitän auf Kurs am Zeller See
Im Bootshaus in Zell am See besuchten wir Norbert Mayr, der mit 1. Oktober 2023 die Leitung des Schiffahrtsbetriebes der Schmittenhöhebahn AG übernommen hat.
Der Rundfahrtbetrieb am Zeller See läuft von Ostern bis Allerheiligen. „Wenn wir den Betrieb Anfang November einstellen, sind wir vor allem mit Revisionsarbeiten an unseren Schiffen beschäftigt. Unsere Flotte besteht aus der MS Schmittenhöhe, der Kaiserin Elisabeth, der MS Großglockner und dem Nostalgieschiff Libelle“, erzählt Norbert. 1998 trat er in das Seilbahnunternehmen Schmittenhöhebahn AG ein und arbeitete zunächst als Bediensteter bei der Areitbahn. Im Jahr 2001 übernahm die Schmittenhöhebahn AG den Schifffahrtsbetrieb am Zeller See von der Stadtgemeinde Zell am See.

„Die Schifffahrt hat mich immer schon fasziniert, und so bin ich 2006 fix in diesen Bereich des Unternehmens eingestiegen. Nach zweijähriger Ausbildung hatte ich 2008 das Kapitänspatent in der Tasche und fungierte ab 2010 als Stellvertreter von Gruppenleiter Toni Fürstauer.“ Nach über 30 Jahren am Zeller See unterwegs endete 2023 die „Ära“ von Kapitän Toni, er wurde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Das Steuerrad übernahm Norbert Mayr.
Blick in das Bootshaus der Schmittenhöhebahn AG am Zeller See
„Wir können den Gästen mit Rund- und Sonderfahrten ein ganz besonderes Erlebnis bieten. Die wunderschöne Kulisse des Zeller Sees, umgeben von den mächtigen Gipfeln der Hohen Tauern, ist für unser internationales Publikum etwas Einzigartiges. Mir bereitet es große Freude, jeden Tag in Kontakt mit Menschen zu sein, und mich fasziniert vor allem auch die Technik unserer Schiffe.“ Norbert erzählt, dass sich die gesamte Flotte auf dem neuesten Stand befindet. „Unsere Schiffe werden mit GTL-Fuel, also synthetisch erzeugtem Treibstoff, betrieben. Dieser verbrennt sauberer als Diesel.“

Mit der MS Schmittenhöhe sind von Ostern bis Allerheiligen Rundfahrten am Zeller See möglich. Start und Ziel ist die Esplanade beim Grand Hotel. „Wir zeigen unseren Gästen in den 45-minütigen Rundfahrten die Schönheiten rund um den Zeller See. Platz nehmen kann man auf drei Decks, wobei das Sonnendeck natürlich besonders beliebt ist. Das Erlebnis wird durch ein umfangreiches Gastro-Angebot ergänzt.“ Mit der „Kaiserin Elisabeth“ werden ebenfalls Rundfahrten in der Hauptsaison von Juli bis September sowie Sonderfahrten durchgeführt. Die MS Großglockner dient hingegen als Überfahrtsschiff und verkehrt zwischen der Esplanade Grand Hotel und Thumersbach.
Das Nostalgieschiff „Libelle” verkehr seit 1947 am Zeller See und wird heute ausschließlich für Ersatz- und Sonderfahrten genutzt.
Zur Flotte gehört auch das Nostalgieschiff „Libelle“, das bereits seit 76 Jahren am Zeller See unterwegs ist. „Eine Besonderheit des Schiffes ist der genietete Stahlrumpf, der 1929 in der Bodenseeregion gefertigt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte die Stadtgemeinde Zell am See den Schiffsrumpf an. Für den Aufbau benötigten die Mitarbeiter des Bauhofes knapp fünfeinhalb Monate“, erzählt Kapitän Norbert von der Historie dieses besonderen Schiffes. Am 16. Oktober 1947 wurde das Motorboot am Zeller See erstmals zu Wasser gelassen, neun Tage später trat es seinen Dienst als Überfahrtsschiff von Thumersbach nach Zell am See an.

1972 löste die MS Großglockner die Libelle als Überfahrtsschiff ab. Seitdem wird das Nostalgieschiff ausschließlich für Ersatz- und Sonderfahrten genutzt. „Hier finden Hochzeiten und Taufen genauso statt wie besondere Feierlichkeiten und Feste. Bis auf geringfügige Abweichungen in der Farbgebung ist die Libelle seit 76 Jahren unverändert geblieben. Lediglich die zulässige Tragkraft hat sich ab 1995 von 60 auf 30 Personen reduziert. Wie alle Oldtimer braucht auch dieses Schiff mehr Pflege und Wartung als neuere Modelle. Ersatzteile sind zum Teil nicht mehr erhältlich und müssen individuell angefertigt werden“, lässt Norbert wissen.

Insgesamt fünf Kapitäne steuern die Schiffe am Zeller See. „In der Hauptsaison besteht unsere Mannschaft inklusive Praktikanten und Aushilfen aus zwölf Personen. Für die Sicherheit an Bord ist jeder Kapitän selbst verantwortlich. Revision und Wartung erledigen wir größtenteils selbst. Zu meinen Aufgaben als Gruppenleiter gehören neben der Kontrolle der Anlagen die Personaleinteilung und die Dienstplanerstellung. Hinzu kommen bürokratische Aufgaben. In meiner Verantwortung liegt es, den reibungslosen Ablauf des Schifffahrtsbetriebes sicherzustellen.“
Ein einmaliges Erlebnis für Einheimische wie Gäste aus aller Welt sind die romantischen Sternenschifffahrten in der Adventzeit.
Als Kapitän am Zeller See tätig zu sein, erfordert ein hohes Maß an Konzentration. „Schwimmer, Elektro-Boote, Segler, Surfer, Stand-Up-Paddler und viele mehr nutzen den See für ihre Freizeitgestaltung. Die Grüne Kugel auf unseren Schiffen signalisiert, dass wir Vorrang haben. Wir appellieren an alle Wassersportler, dass sie möglichst großen Abstand zum Schiff halten, um gefährliche Situationen und Unfälle zu vermeiden“, so Norbert Mayr.

Der Kapitän lädt abschließend dazu ein, im Advent bei einem besonderen Erlebnis am Zeller See dabei zu sein: „In der Vorweihnachtszeit unternehmen wir an Samstagen und Feiertagen stündlich ab 13.30 Uhr Rundfahrten mit stimmungsvoller vorweihnachtlicher Umrahmung. Am 24. und 25. Dezember sind sogar Weisenbläser auf der MS Schmittenhöhe mit an Bord. Am Dreikönigstag, 6. Jänner, bieten wir diese Fahrten ein letztes Mal an. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass diese Rundfahrten bei Einheimischen wie Gästen sehr beliebt sind. Deswegen empfiehlt es sich, rechtzeitig einen Platz zu reservieren!“
Text: Redaktion, Fotos: Franz Reifmüller, Schmittenhöhebahn AG/J. Felsch Fotografia

