Neuer MPreis-Supermarkt setzt auf innovatives Gebäude- und Energiekonzept
In Anras-Mittewald hat im Dezember 2020 ein neuer MPreis seine Tore geöffnet. Der Supermarkt wurde im Rahmen eines OSG-Wohnbauvorhabens realisiert.
Um dem Ort neues Leben einzuhauchen und jungen Familien einen attraktiven Wohnraum zu bieten, hat die OSG in Anras-Mittewald ein neues Wohnbau-Projekt in zwei Bauabschnitten in Angriff genommen. Zwei Wohnhäuser mit 11 bzw. 9 Wohnungen sollen in direkter Nachbarschaft von Volksschule und Kindergarten entstehen. Bereits gebaut und auch schon seiner Bestimmung übergeben ist der Supermarkt, für den der Tiroler Lebensmittelhändler MPreis als Betreiber gewonnen werden konnte. „Mit dem neuen Standort ist es uns nicht nur gelungen, eine Lücke in unserem Filialnetz zwischen Lienz und Sillian zu schließen, sondern auch an einem Vorzeigeprojekt mit regional-nachhaltigem Schwerpunkt mitzuwirken. Die Verbindung von Wohnraumbeschaffung und Nahversorgung ist für uns in den letzten Jahren ein immer wichtigeres Thema geworden“, so Peter Paul Mölk, einer der beiden Geschäftsführer des Tiroler Familienunternehmens.

Dem Fokus auf Regionalität entsprechend, wurden für die Planung auch zwei Architekten engagiert, die ihre Wurzeln in Osttirol haben. Auch sonst waren an dem Projekt vorwiegend lokale Betriebe beteiligt. Selbst der Beton wurde in nur vier Kilometer Entfernung gemischt und mit Eisenoxid-Rotbraun eingefärbt. Von Beginn an sehr wichtig war der sorgsame Umgang mit Ressourcen. „Gewerbebauten im Allgemeinen und Lebensmittelmärkte im Besonderen sind insgesamt sehr energieintensive Gebäude. Um den hohen Energieverbrauch zu reduzieren, muss man nicht nur bei der Ausführung der Gebäudehülle, sondern auch bei Abwärmenutzung und Energiegewinnung auf innovative Konzepte setzen. Wir haben den neuen Markt als Passivhaus konzipiert und damit dem Wunsch unseres Kunden MPreis entsprochen“, betonen die Architekten DI Wolfgang Oberstaller und DI Stephan Lanzinger. Sie setzten bei der Bauausführung bewusst möglichst wenige Materialien ein.


Im Inneren des gut lesbaren, roten Baukörpers dominiert massives Kiefernholz, das eine sehr warme und angenehme Atmosphäre schafft. Diese Gestaltung zieht sich durch bis in das Baguette Café, das das im Ort fehlende Gastro-Angebot ergänzt und einen willkommenen Treffpunkt schafft. Da der Markt sehr flächensparend angelegt ist und für ein Vordach kein Platz war, fiel die Entscheidung auf eine Sonnenschutzlösung aus Betonlamellen, die neben ihrer Funktion auch einen interessanten gestalterischen Akzent setzt. Auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung installiert.



In das energetisch ausgefeilte Vorhaben von Beginn an involviert war das in Innsbruck angesiedelte Passivhaus Institut, vertreten durch DI Laszlo Lepp. „Wir unterstützen als unabhängiges Forschungsinstitut Architekten, Planer und Bauherren bei der Projektierung und Umsetzung hoch energieeffizienter Gebäude in Form einer planungsbegleitenden Beratung“, berichtet er und verweist darauf, dass die Wirtschaftlichkeit von Passivhaus-Supermärkten schon wiederholt unter Beweis gestellt werden konnte. „Derartige Konzepte funktionieren auch an Orten mit langen, kalten Wintern und kommen beim Supermarkt gegenüber konventionellen Lösungen mit halbiertem Energiebedarf aus!“ So wurde auch im neuen Passivhaus-Supermarkt in Anras-Mittewald auf eine zusätzliche Heizung verzichtet. Die Abwärme von Kühlregalen genügt, um den Heizbedarf zu decken und damit die Verkaufsräume angenehm zu temperieren. Für die frische Luft im Markt sorgt eine ausbalancierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Im Sinne einer „grünen Mobilitätsoffensive“ ist der MPreis-Supermarkt in Anras-Mittewald über eine Unterführung an den nahegelegenen Drau-Radweg angebunden. Entsprechend der hohen Frequenz von Fahrradtouristen wurden besonders viele Fahrradabstellplätze und sogar eine Servicestation mit Werkzeugen geschaffen. Ein Mini-Dorfplatz mit einer Sitzbank, einem Trinkbrunnen und einem schattenspendenden Baum sorgt für einen gemütlichen Rastplatz im Freien. Neben dem stimmigen Gesamtkonzept sind es diese sympathischen Details, die das Projekt als gelungenes Beispiel für eine Ortsraumgestaltung ausweisen, die, so die Architekten Oberstaller und Lanzinger, „die Menschen im Dorf zusammenführen soll.“
Text: E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger, Osttirol heute, lor architektur