Neue Prager Hütte: Gelungene Anpassungen an den Klimawandel auf 2.796 m
In hochalpinen Lagen zeigen sich klimatische Veränderungen deutlich schneller und intensiver als im Tal. Die Folgen stellen den Alpinismus im Allgemeinen und die Betreiber von Schutzhütten im Besonderen vor große Herausforderungen.
Gletscherschwund, schneearme Winter, längere Trockenperioden, schmelzender Permafrost und instabiles Gelände haben sich zunehmend zu einer Gefahr entwickelt – mit nachhaltigen Folgen für den Betrieb von Schutzhütten in hochalpinen Lagen. Dies wurde auch auf der Neuen Prager Hütte, die auf 2.796 m am Fuß eines rasant schmelzenden Gletschers östlich des Großvenediger liegt, in den vergangenen Jahren mehr als deutlich.
Lange Historie
Die Neue Prager Hütte, ursprünglich im Eigentum der Sektion Prag, wurde 1903 errichtet und stellte in der Folge einen wichtigen Stützpunkt im Weitwander-Wegenetz rund um den Großvenediger dar. Die Lage schuldete sie der rund 300 Hm tiefer gelegenen Alten Prager Hütte, die 1872/1877 gebaut und Ende der 2010er-Jahre restauriert wurde, um als Museum sowie als Forschungsstandort und Materiallager zu dienen. In den 1980er-Jahren wurde die Neue Prager Hütte, die sich heute im Besitz des Bundesverbandes des DAV befindet, erweitert und 2012-2014 generalsaniert. In diesem Zuge wurde auch die PV-Anlage erweitert und ein Rapsöl-BHKW installiert, um eine autarke Energieversorgung sicherzustellen.
Zunehmend schwierige Wasserversorgung
Bereits vor dem Jahr 2022 sah man sich von Seiten des DAV und der Hüttenpächter mit einem regelmäßig akuten Wassermangel, besonders im Winter und zu Ende des Sommers hin, konfrontiert. Um der Situation Herr zu werden und eine zukunftsfähige Lösung zu installieren, startete der DAV 2022 mit der Konzeptionierung eines Sanierungsprojektes. Während der Planungsphase verschärfte sich die Situation: Die Schüttung der Quelle nahm ab 2023 wiederholt schon zu Mitte August so stark ab, dass die alpine Schutzhütte aufgrund von Wassermangel mitten in der Hauptsaison vorzeitig ihren Betrieb einstellen musste. Ein Winterbetrieb konnte ebenfalls nicht aufrechterhalten werden.

Gezielte Baumaßnahmen, umfassende Investition
Abgestimmt auf diese Ausgangslage, entwickelte das DAV-Ressort Hütten und Wege ein Projekt, das darauf abzielte, eine ausreichende Wasserversorgung sicherzustellen, den Wasserverbrauch zu reduzieren und generell die Bau- und Infrastruktur an die veränderten Bedingungen anzupassen. Im Fokus der Arbeiten, die am 26. Mai 2025 in Angriff genommen wurden, stand einerseits der Ausbau bzw. die Modernisierung von Quellsammler, Hochbehälter und Hüttentanks. Die Quellfassung der Neuen Prager Hütte befindet sich rund 50 Hm unterhalb der Hütte. Das Wasser sammelt sich dort in einem Behälter, dessen Speicherkapazität im Zuge der Baumaßnahmen von drei auf 12 m³ erhöht werden konnte. Von der Quellfassung aus wird das Wasser in einen 16 m³ fassenden Hochbehälter gepumpt, der sich oberhalb der Hütte befindet. Über eine UV-Anlage gelangt das Wasser dann in neue, 4.500 l fassende Hüttentanks. Quellsammler, Hochbehälter und Hüttentanks zusammen ergeben ein Speichervolumen von 32,5 m³ Wasser, was die bisherigen Kapazitäten signifikant erhöht.
Ein weiterer Schwerpunkt des Investitionsprojektes galt einer nachhaltigen Wasserreduktion. Um künftig auf die verbrauchsintensive Spülung von Wassertoiletten verzichten zu können, entschied man sich für eine Umstellung auf wasserlose Sanitäranlagen. Dafür wurde in unmittelbarer Nähe zwischen Haupteingang der Schutzhütte und dem Anbau für die Materialseilbahn ein neues, zweigeschossiges Nebengebäude errichtet, das im UG in Stahlbeton und im EG als Holzbau ausgeführt ist. Das schindelgedeckte Haus beherbergt drei Räume, darunter geschlechtergetrennte Trockentoiletten sowie einen Raum mit Komposttoilette, der außerhalb der Saison zur Verfügung steht. Bei den Trockentoiletten wird auf die herkömmliche Spülung eines Wasserklosetts verzichtet. Die anfallenden Feststoffe werden im Fall der Neuen Prager Hütte über einen Mini-Raupendumper transportiert, in Säcken gesammelt und längere Zeit getrocknet. Würmer dienen zur Zersetzung der Feststoffe, womit sich die Abfallmenge um ein Vielfaches reduziert. Gegen Ende der Saison sollen die Reste mit der Materialseilbahn ins Tal abtransportiert werden. Die ehemaligen Toiletten im Haupthaus werden künftig nur mehr über Pissoirs und Missoirs genutzt werden können. Im Gebäudeumfeld des neuen Toilettenhäuschens wurde das Gelände mit einer Rampe angeglichen bzw. mit einer weiteren auf der Ebene des Erdgeschosses ergänzt. Außerdem wurden über den Terrassenbereich der Neuen Prager Hütte zentrale Wege mit Schotter angelegt.
Kurze Bauzeit, abschließende Arbeiten 2026
Nach 17 Wochen Bauzeit konnte die Baustelle für die Saison 2025 Mitte September abgeschlossen werden. Im kommenden Sommer stehen damit nur mehr kleinere Arbeiten an. Zum Saisonstart 2026 müssen außerdem der Betrieb der Toiletten und deren System getestet und die vollständige Funktionalität geprüft werden. Zudem muss der Komposter umgebaut und direkt unter der Materialseilbahn situiert werden. „Mit den installierten Trockentoiletten und dem erweiterten Quellwasserspeicher ist die Schutzhütte nun für die nächsten Jahrzehnte bestens gerüstet“, betont Moritz Pfeiffer von der Abteilung Hüttenbau und -technik des DAV. Er verweist auch auf das Modellprojekt, das auf der Neuen Prager Hütte künftig der Echtzeit-Analyse sowie der Vorhersage von Wasserknappheit dienen soll. „Ziel ist es, Besucherkapazitäten rechtzeitig anpassen und gegebenenfalls die Bettenanzahl im Reservierungssystem drosseln zu können“, so Pfeiffer abschließend.
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © DAV





