Neue Felber-Trasse soll Ende Juni 2015 eröffnet werden
Die Wirtschaftskammer und die Felbertauernstraße AG luden am Mittwoch, 21, Mai 2014, zur Informationsveranstaltung. Bauarbeiten im Tauerntal sind voll im Gange.
Dass nur wenige Interessierte am Mittwoch, 21. Mai 2014, zur Projektpräsentation „Neubau Straßenabschnitt Schildalm“ in die Wirtschaftskammer (WK) gekommen waren, schrieb WK-Obmann Michael Aichner dem Vertrauen der Osttiroler in die Felbertauernstraße AG (FAG) zu. Vorstandsvorsitzender Mag. Karl Poppeller meinte, dass die offene Kommunikationspolitik des Unternehmens seit dem Felssturz vom 14. Mai 2013 dafür verantwortlich sei, und der technische Leiter DI (FH) Michael Köll lobte die objektive und fundierte Berichterstattung der Medien.
Karl Poppeller betonte in einem Rückblick, dass es kein Schnellschuss war, zunächst von einer Wiederherstellung des beschädigten Abschnittes mit Ende September 2013 – also 4,5 Monate nach dem Felssturz – zu sprechen. „Im Laufe der ersten Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass das Gelände im Bereich der so genannten Matreier Schuppe erst in letzter Zeit verstärkt in Bewegung geraten ist. Wir mussten also zur Kenntnis nehmen, dass die Strecke im Bereich der Schildalm nicht so schnell wieder befahrbar sein wird“, so Poppeller.
Der Felssturz ereignete sich im Bereich der so genannten Matreier Schuppe – Gelände, das laut Geologen erst maximal in den letzten fünf Jahren verstärkt in Bewegung ist.
Eine Ersatzstraße, die vom Matreier Tauernhaus in drei Kehren zum Tunnelportal führt, wurde in knapp sechs Wochen errichtet und am 27. Juli 2013 dem Verkehr übergeben. „Ab diesem Zeitpunkt hat der Tourismus in Osttirol wieder Fahrt aufgenommen. Wir waren uns aber von Anfang an bewusst, dass es sich bei dieser Umfahrungsstraße mit Ampelregelung um keine Dauerlösung handelt“, so der Vorstandsvorsitzende. Man ging daran, an einer dauerhaften Lösung zu planen. Drei Varianten standen zur Auswahl – die Wiederherstellung der Originaltrasse im Bereich der zerstörten Galerie, ein Tunnel und eine neue Trasse. „Der Aufsichtsrat hat sich nach eingehenden Planungen und Abwägungen für eine neue Trasse entschieden. Die Tunnelvariante scheiterte an den hohen Errichtungskosten von 45 bis 50 Mio. Euro, aber auch an den hohen Betriebskosten von rund 500.000 Euro jährlich“, erklärte Poppeller.
An der neuen Trasse wurde nach den heurigen Osterfeiertagen zu arbeiten begonnen. „Alle Grundeigentümer haben der Grundeinräumung zugestimmt, mit zwei Grundbesitzern sind noch Details zu klären“, so der Vorstandsvorsitzende. Die heimische Baufirma Frey wird zwei Baulose mit einer Auftragssumme von 8,1 Mio. Euro ausführen, eine Bietergemeinschaft aus den Firmen Teerag-Asdag und der oberösterreichischen Firma Haider ein Baulos (hauptsächlich Erdbau) mit einer Auftragssumme von 6,1 Mio. Euro. „Die vier aufwändigen Brückenbauwerke wird die Firma Frey noch im heurigen Jahr errichten, sodass im nächsten Jahr nur mehr Erdbau- und Komplettierungsarbeiten nötig sind. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wollen wir die neue Trasse mit Ende Juni 2015 eröffnen“, so Poppeller.
DI (FH) Michael Köll: „Die Geologen haben festgestellt, dass erst kurz vor dem Felssturz am betroffenen Hang und in unmittelbarer Nähe davon ein Großereignis im Boden bzw. im Fels stattgefunden hat.“
Auch der technische Leiter Michael Köll betonte, dass eingehende Beratungen und Überlegungen gemeinsam mit den Geologen zunächst dazu geführt hätten, dass man von einer Sanierung des teilweise zerstörten Streckenabschnittes in wenigen Monaten gesprochen hätte. „Auch mein Favorit war zunächst die Variante der Wiederherstellung des beschädigten Straßenstückes“, so Köll. Die größten Herausforderungen beim Bau der neuen Trasse seien die vier Brückenbauwerke. „Die so genannte Kehrenbrücke ist ein halb in Fels eingeschnittenes Stahlbetonbauwerk und 123 Meter lang. Die Brücke über die Daberklamm wird 75 Meter lang werden“, erklärte der technische Leiter.
Bei den landschaftspflegerischen Begleitmaßnahmen konnte man auf bereits vorhandene Untersuchungen – unter anderem des Nationalparks – zurückgreifen. Die Ersatzstraße könne während der Bauarbeiten größtenteils ungehindert befahren werden. „Für die Errichtung der Brückenbauwerke sind Sprengungen notwendig. Dadurch kann es zu kurzfristigen Sicherheitsanhaltungen kommen“, sagte Michael Köll.
Eine Verlegung der Mautstelle vom Bereich unmittelbar vor dem Tunnelportal in die Talsohle ist angedacht, sei aber laut den Verantwortlichen der Felbertauernstraße AG ein längerfristiges Projekt.
Für eine eventuelle Verlegung der Mautstelle in den Bereich der Talsohle sei laut Karl Poppeller im Zuge der Planungen und Verhandlungen für die neue Trasse Vorsorge getroffen worden. „Die derzeitige Mautstelle unmittelbar vor dem Tunnelportal ist sehr beengt, und es kommt häufig zu Rückstaus. Längerfristig ist eine Verlegung angedacht. Gleichzeitig mit den Planungen für die neue Trasse haben wir uns Grundreserven dafür gesichert“, so Poppeller. Im Zuge einer solchen Verlegung könne man sich von Seiten der Felbertauernstraße AG auch die Schaffung von touristischen Highlights vorstellen. „In nächster Zeit konzentrieren wir uns aber mit unserer ganzen Energie auf die Errichtung der neuen Trasse, die Verlegung der Mautstelle ist ein längerfristiges Projekt“, betonte der Vorstandsvorsitzende abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute, Brunner Images
