„Moar im Wald“: Ein Dorfgasthaus mit jahrhundertealter Geschichte

Seit einem Jahr führen Giorgio Delle Rose und seine Frau Lidia das traditionsreiche Dorfgasthaus mitten in St. Johann im Walde und bringen mediterranes Flair und kulinarische Vielfalt in ein Gebäude, das seit Jahrhunderten ein Ort der Begegnung ist.

Eingebettet in ein einzigartiges Ensemble mit Kirche und Friedhof, steht mitten in St. Johann das geschichtsträchtige Gasthaus „Moar im Wald“, dessen Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Haus als Verwaltungsgebäude des Klosters Neustift jedoch bereits 1285. Die Fürstbischöfe von Brixen waren bis zur Säkularisation 1803 die Gutsherren, später ging das Haus in Privatbesitz über und wurde durchgehend als Gasthaus geführt.

 

 

„Legendär bleibt die ,Wirts Loise‘, die bei der Hochwasserkatastrophe 1965 mit ihrem Neugeborenen per Hubschrauber ausgeflogen werden musste“, erzählt der St. Johanner Bürgermeister Franz Gollner. Auch das Gemeindeamt ist hier untergebracht. Heute ist das „Moar im Wald“ das letzte verbliebene Wirtshaus der Gemeinde. „Früher gab es mehrere Einkehrmöglichkeiten im Ort. Solche Treffpunkte sind wichtig für das soziale Gefüge. Umso mehr freut es uns, dass wir nach mehreren Pächterwechseln mit Giorgio Delle Rose jemanden gefunden haben, der für die Gastronomie brennt“, betont Gollner.

 

 

Die Lage direkt am Iseltalradweg sorgt zusätzlich für gute Frequenz. Giorgio Delle Rose ist seit Dezember 2024 Pächter des Hauses. Der gebürtige Süditaliener stammt aus Salento, dem „Absatz“ des italienischen Stiefels, und betreibt das Gasthaus gemeinsam mit seiner Frau Lidia. „Ich bin fasziniert von diesem alten Haus“, sagt Giorgio. „Jeder Raum hat seine eigene Ausstrahlung.“

 

 

Die gemütliche Stube mit Theke, der helle Wintergarten und ein kleiner eleganter Raum bieten insgesamt 90 Sitzplätze. In der warmen Jahreszeit laden Terrasse und Garten mit weiteren 100 Sitzplätzen zum Verweilen ein. Giorgio ist gelernter Koch und kam 1990 mit seiner Schwester und seinem Schwager nach Deutschland. „Mein Schwager ist ein ausgezeichneter Koch – und von ihm konnte ich sehr viel lernen.“ Seitdem hat Giorgio durchgehend in der Gastronomie gearbeitet und bringt nun seine Erfahrung und seine Leidenschaft als Koch und Gastgeber nach Osttirol.

 

 

Sein kulinarisches Konzept verbindet italienisch-mediterrane Küche mit lokalen Klassikern. „Ich biete frische Pasta und Pizza, alles hausgemacht“, erklärt er. Aber auch Fisch, Garnelen, Scaloppa (dünn geschnittenes Kalbfleisch) in verschiedenen Variationen und natürlich Wiener Schnitzel und Steaks finden sich auf der Speisekarte – eine Mischung aus mediterranen Spezialitäten und beliebten Klassikern.

 

 

Besonders beliebt ist bei den Einheimischen das Angebot „Pizza zum Mitnehmen“. „Auch alle anderen Speisen, außer Steaks, gibt es bei uns zum Mitnehmen“, informiert der Wirt. Die mediterranen Spezialitäten und die Fisch- und Fleischgerichte erfreuen sich großer Beliebtheit, ob im gemütlichen Gastraum oder daheim am eigenen Esstisch. „Wichtig ist mir, regionale Grundprodukte zu verwenden“, betont Giorgio.

 

 

Das Gasthaus hat sich längst auch als gefragte Adresse für private und betriebliche Feiern etabliert – von Geburtstagen über Vereinsabende bis zu festlichen Weihnachtsessen. Und es ist zum beliebten Treffpunkt geworden, nicht nur bei Radfahrern am Iseltalradweg, sondern vor allem auch bei den Einheimischen. „Viele Stammgäste kommen regelmäßig. An der Theke in der Stube unterhält man sich, oft auch nach Feierabend“, freut sich Giorgio.

 

 

„Meine Frau und ich fühlen uns hier in St. Johann angekommen. Die herzliche Art der Einheimischen macht es leicht, sich als Teil der Gemeinschaft zu fühlen. Es ist uns eine Freude, unsere Gäste kulinarisch zu verwöhnen und ihnen ein Stück italienische Lebensfreude mitzugeben.“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Christof Gaggl

03. Dezember 2025 um