Leichte Entspannung am Milchmarkt?

Nach dem schwierigen Jahr 2016 zeichnet sich für die Milchwirtschaft heuer eine zumindest leichte Stabilisierung ab. Ein Gespräch mit LK-Obmann Konrad Kreuzer.

Das Jahr 2016 hatte für die Milchwirtschaft gelinde gesagt einige Herausforderungen parat. In der ersten Jahreshälfte musste man aufgrund der Folgen des Russland-Embargos, der Mehranlieferungen und der verhaltenen Nachfrage auf den Exportmärkten im Osten schwerwiegende Preisrückgänge hinnehmen. Von den Folgen dieser Entwicklung blieben natürlich auch die rund 500 Osttiroler Milchbauern nicht verschont. Für 2017 zeichnet sich, so Ing. Konrad Kreuzer, Obmann der Landwirtschaftskammer-Bezirksstelle Lienz, eine zumindest leichte Stabilisierung am Milchmarkt ab. Nach dem Preistief im Sommer 2016 erhalten die österreichischen Bauern aktuell wieder etwas mehr Geld für ihre Milch. Der konventionelle Erzeugermilchpreis (natürlicher Fettgehalt) stieg im November 2016 auf 30,5 Cent netto pro Kilo, nach durchschnittlich 28,8 Cent im Oktober. Im Juni, Juli und August 2016 erhielten die Bauern im Durchschnitt nur etwas über 26 Cent. Kostendeckend arbeiten können Betriebe lt. Expertenmeinung bei einem konventionellen Milchpreis jedoch erst ab mindestens (!) 35 bis 36 Cent.

Landwirtschaftskammer-Obmann Ing. Konrad Kreuzer: „Die Kunden entscheiden mit ihrem Griff in das Regal, ob sie mit dem Kauf heimischer Produkte die Landwirtschaft in der Region sichern wollen oder nicht.“

Deutlich besser ging es diesbezüglich den österreichischen Biobauern: Die Molkereien zahlten lt.  AMA-Marktdaten für Biomilch im November 2016 rund 42,9 Cent/kg. Dies bestätigt auch Ing. Konrad Kreuzer, wenngleich er festhält, dass die Frage einer kostendeckenden Milchwirtschaft immer auch von den jeweiligen Rahmenbedingungen des einzelnen Betriebes abhängt. „Ein kostendeckender Preis mag
für einen Milchbauern, der in den Vorjahren wenig bis gar nichts investiert hat, vielleicht bei rd. 35 Cent liegen. Derjenige, der in den letzten Jahren aber viel Geld für Modernisierungsmaßnahmen
in die Hand genommen hat, wird auch mit 40 Cent noch zu wenig haben. Und in Hinsicht auf die Biomilcherzeugung darf nicht vergessen werden, dass damit ein deutlich höherer Mitteleinsatz bzw. deutlich höhere Produktionskosten verbunden sind.“

Das EU-Hilfspaket für den Milchmarkt hat die Preissituation ab Herbst 2016 leicht beruhigt: Um den Milchmarkt zu entlasten, zahlt die EU 14 Cent je Kilo nicht angelieferter Milch. Von Oktober bis Dezember wurden aufgrund der Abschlagszahlungen in Österreich rund 26.500 Tonnen weniger Milch angeliefert. Von Jänner bis März 2017 haben Österreichs Milchbauern an die 40.000 Tonnen weniger Milch geliefert als im Jahr davor.

In Osttirol sind aktuell rund 500 der insgesamt rd. 1.300 landwirtschaftlichen Betriebe auf die Milchwirtschaft spezialisiert. Ing. Kreuzer: „Von diesen 500 werden nur knapp etwas mehr als 10 Prozent im Vollerwerb geführt. Ab 80.000 Liter pro Jahr kann ein Hof, der auch andere Einkünfte
aus bäuerlicher Produktion erzielt, im Vollerwerb geführt werden. Nur wenige Betriebe in Osttirol erzeugen eine Jahresmenge von mehr als 300.000 Litern!“ Insgesamt sei er, so der Obmann der Landwirtschaftskammer Tirol-Bezirksstelle weiter, davon überzeugt, dass das Gros der Osttiroler Milchbauern die Krise übertauchen kann. „Viele haben zukunftorientiert und maßvoll gewirtschaftet.
Nicht wenige sind breiter aufgestellt und beschäftigen sich mit alternativen Produktionen.  Milchviehhalter sind vielfach auch Rinderzüchter, die Zuchtrinder über Versteigerungen vermarkten. In den Osttiroler Seitentälern wird die Rinderzucht zudem auch oft mit der Schafhaltung kombiniert.“
Trotzdem könne man davon ausgehen, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft weitergehe. „Schon derzeit führen über 80 Prozent der Bauern ihre Höfe im Nebenerwerb, pro Jahr hören zwischen 20 und 30 Betriebe auf.“

Die Abwärtsspirale sei letztendlich nur dann zu stoppen, wenn neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen und einem betriebswirtschaftlich vernünftigen Agieren der Bauern auch das Bewusstsein und Kaufverhalten der Konsumenten stimme. „Die Kunden entscheiden mit ihrem Griff in das Regal, ob sie mit dem Kauf heimischer Produkte die Landwirtschaft in der Region sichern wollen oder nicht!“ Hinsichtlich des Osttiroler Verkaufsstandortes der Tirol Milch als Teil des österreichischen Milchverarbeitungsbetriebes „Berglandmilch“ in Lienz berichtet Ing. Konrad Kreuzer von positiv verlaufenden Gesprächen zwischen RGO und Tirol Milch und von einer Übersiedelung in Richtung
des Areals nahe der RGO-Arena. „Der Verkaufsraum soll im neuen Haus-Garten-Markt integriert werden. Voraussichtlicher Baubeginn ist der Spätherbst 2017.“

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Martin Lugger, Osttirol Journal/D. Hotzler

15. April 2017 um