Regionalität und Internationalität sind kein Widerspruch!

Wenn es um zukunftsweisende Innovationen geht – ob auf regionaler oder auf internationaler Ebene – dann führt am Osttiroler Unternehmen MICADO kein Weg vorbei!

Aktuell sind im stylisch-modernen Firmenkomplex in Oberlienz 48 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damit beschäftigt, innovative Lösungen für Kundenaufträge aus aller Welt zu finden. „Die Auftragslage ist so gut wie noch nie in unserer mittlerweile 23-jährigen Firmengeschichte“, erklärt MICADO-CEO Ing. Edwin Meindl. Die Frage nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie beantwortet er damit, dass das Jahr 2020 natürlich auch für sein Unternehmen mehr als herausfordernd war. „Wie viele andere Firmen mussten auch wir unsere Arbeitsweise innerhalb kürzester Zeit umstellen. Bestehende Aufträge wurden einfach gestoppt. Inzwischen möchten mein Team und ich das zeitweise Arbeiten im Homeoffice, die Durchführung von Web-Meetings mit unseren internationalen Kunden sowie die Teilnahme an Webinaren nicht mehr missen. Wir sparen uns viel Reisezeit, können uns somit umso mehr auf unsere eigentliche Engineering-Tätigkeit konzentrieren und sind dadurch noch effizienter geworden. Außerdem tun wir damit auch der Umwelt Gutes und können unseren ökologischen Fußabdruck deutlich optimieren!“

 

Im Bild v.l.n.r.: MICADO-Prokurist und technischer Leiter Jens Hopfgartner, MICADO-CEO Edwin Meindl und MICADO-CTO Andreas Dorer bei einer Projektbesprechung

 

Was den Firmenchef besonders freut, ist die Tatsache, dass trotz deutlichem Rückgang in der Sparte Luftfahrtindustrie der Mitarbeiterstand gehalten und der Jahresumsatz knapp an jenen von 2019 herangeführt werden konnte. „Wir blicken äußerst zuversichtlich in das heurige Jahr und sind dabei, unser Team weiter zu vergrößern. Zuletzt konnten wir drei Steuerungstechniker und einen IT-Techniker neu einstellen, würden aber weitere Konstrukteure im Bereich Werkzeug- und Vorrichtungsbau sowie Automatisierungstechnik brauchen.“ Diesbezüglich berichtet der MICADO-CEO davon, dass man im Unternehmen in Hinblick auf fehlende Fachkräfte auch neue Wege geht. „Wir suchen aktuell leidenschaftliche Techniker, welche einen Metallberuf erlernt haben und sich jetzt zum CAD-Konstrukteur umschulen lassen möchten. Die Idee dazu kam uns, als wir vor einigen Jahren mit Daniel Unterweger einen sehr talentierten Konstrukteur bei uns begrüßen konnten. Er hat sich sehr erfolgreich vom Maschinenbau-Meister hin zum CAD-Konstrukteur entwickelt und konstruiert mittlerweile komplexe Formwerkzeuge für die Automobilindustrie.“

Begeistert zeigt sich Ing. Meindl von der Vielfalt der interessanten Projekte, die aktuell im Haus bearbeitet werden. „In den letzten Jahren haben wir uns in vielen Bereichen weiterentwickelt. Dies liegt unter anderem auch darin begründet, dass wir uns im Zuge von Forschungs- und Entwicklungsprojekten laufend mit neuesten Technologien auseinandersetzen. Derzeit tun wir dies beispielsweise über die intensive Kooperation mit Universitäten und Fachhochschulen, wie der UNI Lienz, der FH Kufstein oder dem MCI. Gemeinsam mit ihnen feilen wir an drei unterschiedlichen Forschungsprojekten zum Thema Akustik, BigData, Rapid Prototyping und Alpine Mobilität. Wenngleich der Erfolg dieser Arbeit erst in einigen Jahren spür- und sichtbar werden wird, sind wir aufgrund dieser intensiven Entwicklungsarbeit unseren Mitbewerbern schon jetzt einen Schritt voraus. Unsere bestehenden Kunden profitieren von den neuesten Technologien, und weitere können gewonnen werden.“

 

Das Leisacher Traditionsunternehmen Anton Eder setzt bei der Produktion von Edelstahlkesseln voll auf Automatisierung. Aus diesem Grund konzipierte MICADO eine Roboterzelle für die Produktion von Expansionsgefäßen, die 2020 in Betrieb ging.

 

Als Beispiel für eine erfolgreiche Produktentwicklung führt Geschäftsführer Ing. Meindl die bei MICADO Inhouse entwickelte Platine für eine kontrollierte Abbrandregelung inklusive APP-Steuerung für die heimische Firma Steinringer Ofenbau GmbH an. „Vor einigen Jahren hätten wir uns diese Entwicklungsarbeit noch nicht zugetraut. Mittlerweile gehört die Platinen-Entwicklung zu unserem Portfolio. IoT ist in aller Munde, die Produkte werden immer intelligenter, und so war es ein logischer Schritt, uns auch in diese Richtung zu entwickeln.“

 

„Wir erleben eine extreme Dynamik am Markt. Dementsprechend aggressiv treiben wir neue Innovationen voran. Der Fokus unserer explorativen Tätigkeiten liegt aktuell im Bereich IoT und Smart Factory. Hier wird man in nächster Zeit noch einiges von uns hören“, verspricht MICADO-CTO Ing. Andreas Dorer.

 

Eine laufende Weiterentwicklung lasse sich, so der MICADO-CEO, auch im Werkzeug-Vorrichtungsbau erkennen: „Gerade in diesem Bereich verzeichneten wir 2020 eine überdurchschnittlich hohe Auslastung. Zwar hat die Automobilindustrie insgesamt bekanntlich in der Corona-Krise schwer gelitten, allerdings nicht im Luxussegment. Hier werden die Automobil-Projekte weiter intensiv vorangetrieben. Wir konnten im Vorjahr z.B. für die Marken Porsche GT3 RS und Bugatti CHIRON sehr komplexe Werkzeuge und Vorrichtungen für die Produktion von Kohlefaserbauteilen umsetzen. Im Auftrag des amerikanischen SUV-Herstellers RIVIAN beteiligten wir uns an der Entwicklungsarbeit am Unterboden und an den Batterieboxen von E-Autos. Im Luftfahrtbereich war die Situation sehr angespannt. Trotzdem konnten wir eine komplexe universelle Spannvorrichtung (1,5 Mio. Euro) für die Nachbearbeitung von Flügelschalen des Airbus A220 zu einem internationalen Kunden nach Nordirland ausliefern. Ein weiterer großer Auftrag für die Nachbearbeitung von Triebwerksteilen steht unmittelbar bevor.“

 

20 Meter-Spannvorrichtung für Airbus A220-Flügelschalenbauteile

 

In Hinsicht auf den MICADO-Schwerpunkt Automatisierungstechnik spricht Edwin Meindl davon, dass die aktuelle Situation der Automatisierung einen starken Schub verleihen werde. „Laut einer Studie von Sopra Steria sehen viele Firmen in der eigenen Organisation erhebliche Effizienzdefizite. Jedes zweite Unternehmen setzt daher auf mehr Automatisierung und bessere Produktqualität, sechs von zehn treiben Digitalisierungsprojekte und die Automatisierung von Prozessen voran.“ Zu den MICADO-Kunden in diesem Bereich gehören zunehmend auch heimische Firmen. 2020 wurden Automatisierungslösungen für die Anton Eder GmbH, für Liebherr-Hausgeräte Lienz, für Loacker und die Firma Tschojer in Angriff genommen bzw. bereits umgesetzt. Ing. Meindl: „Für Liebherr sind wir derzeit mit der Entwicklung und dem Bau einer vollautomatischen Kartonierungs- und Etikettier-Anlage beschäftigt. Diese soll Mitte August 2021 in Betrieb genommen werden. Für die Firma Tschojer in Matrei realisieren wir eine mobile Automatisierung für Blechbiegeteile.“

Insgesamt habe, so der Osttiroler Firmenchef abschließend, das vergangene Jahr die Firma MICADO einen Schritt weitergebracht. „Wir werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen“, betont er und definiert eine klare Zielsetzung seines Unternehmens für die Zukunft: „Wir wollen in Tirol in den Bereichen Produktentwicklung, Werkzeug- und Vorrichtungsbau sowie Automatisierungstechnik eine deutliche Führungsposition einnehmen. Wenn es um innovative technische Lösungen geht, dann sollte der Name MICADO als erster genannt werden!“

www.micado.at

 

Text: E. & J. Hilgartner, Fotos: Peter Märkl

18. März 2021 um