Matrei: Verhandlungen für Tauernbach-Kraftwerk gehen in die heiße Phase
Die mündliche UVP-Verhandlung in Innsbruck steht unmittelbar bevor. Sollte das Kraftwerk genehmigt werden, rechnet die TIWAG mit einem Baubeschluss in frühestens drei Jahren.
Bei einem Pressegespräch in Matrei stellten TIWAG-Vorstandsdirektor Johann Herdina und Projektleiter Wolfgang Stroppa Donnerstagvormittag Details des geplanten Wasserkraftwerkes am Tauernbach vor. Anfang 2013 wurde das Projekt eingereicht, danach entsprechend adaptiert, von 4. bis 7. Juni 2018 wird in Innsbruck die mündliche Verhandlung im Zuge des UVP-Verfahrens stattfinden. „Die Verhandlung ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Realisierung. Die weiteren Verfahren werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Mit einem erstinstanzlichen Bescheid rechnen wir Ende 2018/Anfang 2019. Sollte es dann zu Beschwerden kommen, womit man immer rechnen muss, wird der zweitinstanzliche Weg beschritten“, so Johann Herdina.
Wolfgang Stroppa: „Seit Planungsbeginn im Jahr 2006 sind mehrere Varianten geprüft worden. Mit dem vorliegenden Projekt haben wir eine technisch machbare Variante gefunden, die auch wirtschaftlich vertretbar ist. Die TIWAG hat auf die Gefällestufe der Prosseggklamm verzichtet, und auch der Froßnitzbach bleibt unberührt.“
Im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung wurden bereits umfassende Untersuchungen zu Gewässerökologie, Landschaftsbild, Tiere und Pflanzen und deren Lebensräume sowie Auswirkungen auf den Menschen sowie Alm-, Land- und Forstwirtschaft durchgeführt. Die Themen werden im Rahmen einer öffentlichen Erörterung am 24. Mai 2018 im Pfarrsaal in Matrei behandelt. „Das Kraftwerk Tauernbach-Gruben ist als Ausleitungskraftwerk mit einer Wasserfassung im Bereich der Schildalmen und einem Krafthaus unterhalb der TAL-Pumpstation in Gruben geplant. Die Rückgabe des Wassers erfolgt vor der Prosseggklamm, und von der Schildalm bis zur Rückgabe wird kein Wasser entnommen. Alle Seitenbäche bleiben also unberührt“, erklärte Wolfgang Stroppa.
91 Mio. Euro (aufgrund heutiger Berechnungen) will die TIWAG für dieses Wasserkraftwerk investieren. Durchschnittlich 85 Gigawattstunden Strom pro Jahr sollen nach Fertigstellung für die Region produziert werden, das entspricht der Versorgung von rund 20.000 Haushalten. „Bisher wurden etwa 900.000 Euro an die Agrargemeinschaft Schildalm für den Erwerb eines Grundstückes ausbezahlt. Sonst sind bisher noch keinerlei Mittel geflossen“, so Stroppa. Einer möglichen Natura 2000-Ausweisung des Gebietes sieht Vorstandsdirektor Johann Herdina eher gelassen entgegen. „Laut unseren Experten ist eine Umsetzung des Projektes realistisch, auch wenn es zu Natura 2000-Ausweisungen kommt“, so Herdina.
TIWAG-Vorstandsdirektor Dr. Johann Herdina (rechts) und Projektleiter DI Wolfgang Stroppa stellten das Kraftwerk Tauernbach-Gruben vor.
Bisher hätte es zehn Einsprüche gegeben. „Nach dem erstinstanzlichen Bescheid sind wir natürlich auf Beschwerden eingestellt. Aus geologischer und ökologischer Sicht wurde die Variante mit den geringsten Eingriffen in den Naturhaushalt bzw. den geringsten Risiken eingereicht. Wir haben aber trotzdem Ausgleichs- und Minderungsmaßnahmen vom Bereich Matreier Tauernhaus bis nach Huben vorgesehen“, erklärte Wolfgang Stroppa. Mit einem Baubeschluss rechnen die TIWAG-Verantwortlichen in frühestens drei Jahren. „Der Bau des Kraftwerks wird etwa 3,5 Jahre in Anspruch nehmen. Während der Bauphase werden 80 bis 100 Beschäftigte im Tauerntal tätig sein. Der Betrieb wird dann zentral gesteuert und das Kraftwerk von unserem Standort in Lienz mitbetreut“, erklärte Wolfgang Stroppa abschließend.
Kraftwerk Tauernbach-Gruben
Ausleitungskraftwerk mit Wasserfassung im Bereich der Schildalmen und einem Krafthaus unterhalb der TAL-Pumpstation in Gruben.
Triebwasserweg mit einem Druckstollen im oberen Streckenabschnitt (2,2 km, 3,7 Meter Durchmesser) und einer erdverlegten Druckrohrleitung aus Stahl vom Stollenende bis zum Krafthaus (ca. 6 km, Durchmesser 1,8 Meter). Querungen an TAL und Tauernbach sind notwendig.
Regelarbeitsvermögen: 85 GWh
Ausbauleistung: 27 MW
Ausbauwassermenge: 9 m³/s
Bruttofallhöhe: 380 m
Einzugsgebiet: 78 km² des oberen Tauernbachs
Investitionssumme: 91 Mio. Euro (nach heutiger Berechnung)
Text: Raimund Mühlburger, Fotos/Visualisierungen: TIWAG, Osttirol heute/Mühlburger
