Matrei i.O.: Felbertauernstraße AG erwirbt Schloss Weißenstein
In Zukunft soll das altehrwürdige Schloss auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mit der Burg erwirbt die Felbertauernstraße AG auch rund 15 Hektar Grund.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Projekte und Ideen für Schloss Weißenstein sowie Bestrebungen, das Gebäude und die Grundparzellen zu erwerben. Einigen konnte man sich mit den drei Eigentümern bislang nicht. Die Burg aus dem 12. Jahrhundert war bisher im Besitz von drei privaten Eigentümern, nun will sie die Felbertauernstraße AG kaufen. „Mit zwei Eigentümern haben wir uns bereits geeinigt, der Kauf des restlichen Drittels ist in Abwicklung“, bestätigt FAG-Vorstand Mag. Karl Poppeller. Ein Dritteleigentümer ist im April 2019 verstorben, der Erwerb dieser Anteile muss also über eine Verlassenschaft abgewickelt werden.
Schloss Weißenstein liegt direkt an der Felbertauernstraße. Zur Burg gehören auch rund 15 Hektar Grund – Wiesen- und Waldparzellen links und rechts der Felbertauernstraße sowie in der angrenzenden Matreier Fraktion Hinterburg. „Diese Flächen sind für uns auch deswegen attraktiv, weil wir immer wieder Tauschflächen benötigen. Es handelt sich aus Straßensicht um einen neuralgischen Punkt. Der Bereich bei der Abzweigung nach Hinterburg – dort wo sich der große Überkopf-Wegweiser befindet – muss immer wieder als Umkehr-, Wende- und Anhalteplatz genutzt werden. Daher ist es von großem Vorteil, wenn wir in Zukunft auch Eigentümer dieser Flächen sind“, erklärt Poppeller.
Derzeit stehe die Abwicklung des Erwerbes im Vordergrund. In weiterer Folge könne man laut Karl Poppeller darüber nachdenken, wie man das Schloss nutzen und der Öffentlichkeit zugänglich machen kann. „Bund und Land haben im Rahmen des Aufsichtsrates dem Erwerb zugestimmt. Mit dem Land Tirol laufen auch Gespräche bezüglich Unterstützung zur Sicherung des Gebäudes“, so der FAG-Vorstand abschließend.
Schloss Weißenstein wurde als „Burg Matrei“ 1160 erstmals urkundlich erwähnt. Seit dem 14. Jahrhundert trägt das Schloss den Namen „Weißenstein“. Zusammen mit der Kienburg und der Burg Lengberg war Schloss Weißenstein im Besitz der Grafen von Lechsgemünd. Im Jahre 1207 verkaufte Graf Heinrich, der letzte Vertreter des Geschlechts, seine Besitzungen im heutigen Osttirol an den Erzbischof von Salzburg. Schloss Weißenstein wurde damit zum Sitz salzburgischer Richter und Pfleger.
Um 1470 ließ Leonhard von Keutschach die Burg ausbauen und die Befestigungen verstärken. Im 18. Jahrhundert verlegten Pfleger und Richter ihren Amtssitz in das Ortszentrum von Matrei, und so verfiel die Burg immer mehr. Der Wiener Architekt Franz Poduschka kaufte 1864 das Anwesen und erneuerte Gebäude und Türme in Anlehnung an die Architektur englischer Schlösser des Historismus. Später ließ Baron Adalbert von Mengershausen das Schloss umbauen und die Gartenanlagen neu gestalten. Bei der Innenausstattung wirkte auch der Matreier Bildhauer Virgil Rainer mit. Für einige Jahre diente das Matreier Schloss zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Nobelhotel und verfügte sogar über Tennisplätze. 1921 erwarben Carl und Else von Thieme das Schloss, Nachfahren von ihnen waren bis dato unter anderem Dritteleigentümer.
Text: Raimund Mühlburger, Foto: Expa/Johann Groder
