Loncium: Die „Freestyle-Brauer“ aus dem Gailtal
In ihrer Brauerei in Kötschach-Mauthen brauen Klaus Feistritzer und Alois Planner große – vor allem aber auch schräge – Biere. Ihr erstes Bier entstand in Omas Suppentopf.
In zwei benachbarten Gastwirtschaften in Mauthen sind die beiden Brauer aufgewachsen – Mag. (FH) Alois Planner im Hotel Edelweiß und Klaus Feistritzer im Gasthaus Huber-Feistritzer. Nach Lehr- und Wanderjahren und verschiedensten Tätigkeiten in Australien, Paris, New York oder Ischgl verschlug es die beiden Wirts-Söhne wieder nach Hause in das kärntnerische Gailtal. Hier erfüllten sie sich dann einen Kindheitstraum – nämlich jenen von der eigenen Brauerei. In der Gasthausküche der Planners wurde experimentiert und ausprobiert, im Internet recherchiert und bei Braumeistern nachgefragt. „Unser erstes Bier ist im Suppentopf entstanden. Für das Läutern benutzten wir eine Windel, und die Gärung fand in einem Plastikkübel statt“, erinnert sich Klaus Feistritzer an die Anfänge zurück.
Ihr erstes Bier nannten sie „Almrausch“, und ausgeschenkt wurde es am Mauthner Kirchtag. Ein paar Jahre später – im Jahre 2007 – eröffneten die beiden Wirts-Söhne ihre eigene Brauerei und nannten sie „Loncium“, nach der keltischen Bezeichnung für den Ort Mauthen. Das 5 Hektoliter-Sudhaus bauten sie selbst – im alten Stall aus dem Jahr 1703 am Anwesen der Planners. „Ich habe in dieser Zeit nebenbei die Matura und die Lehre als Betriebselektriker und Mechatroniker absolviert. Beim Bau unserer ersten Anlage kam mir das technische Wissen natürlich sehr entgegen“, erzählt der 36-jährige Klaus Feistritzer. Sein Partner Alois Planner studierte nach der Hotelfachschule an der Fachhochschule in Krems und kümmert sich inzwischen neben dem Bierbrauen vor allem um das Betriebswirtschaftliche und den Vertrieb. „Wir haben in den letzten Jahren stetig erweitert und ausgebaut. Heute verfügen wir über ein 20 Hektoliter-Sudhaus, 12 Tanks und erzeugen rund tausend Hektoliter Bier im Jahr“, so der 37-Jährige.
Die neben Malz, Hopfen und Hefe wichtigste Zutat – das Wasser – kommt von der Schwarzbrunnquelle in Mauthen, die jenes Trinkwasser liefert, mit dem auch Mauthen versorgt wird. Acht Grundsorten umfasst das Sortiment der Loncium-Brauerei, hinzu kommen zahlreiche Spezialbiere. Für das „Austrian Amber Lager“ werden Karamellmalze und erlesener Aromahopfen verwendet. Diese Sorte entspricht am ehesten noch dem vor rund zehn Jahren im Suppentopf erzeugten ersten Bier. Mit dem „Gailtaler Weissen“ interpretieren die beiden Brauer ein klassisches Hefeweizen nach bayerischer Brauart, und mit CarinthIPA wird im Gailtal ein Indian Pale Ale erzeugt. Dabei handelt es sich um eine schon fast vergessene Sorte, die aber inzwischen in der Szene wieder für viel Furore sorgt. Das dunkle Bockbier „Schwarze Gams“, das „Loncium Royal Dark“, der „Weizenbock“, das „Classic“ und das „Helle“ sind weitere Grundsorten. „Für unsere Sonderedition Lesachtaler holen wir jedes Jahr 1.000 Liter Wasser von der Teufelsquelle in Obergail. Dieses Bier wird nur zur Eröffnung der Wandersaison ausgeschenkt“, berichtet Klaus Feistritzer. Das „RoggenRoll“ ist ein reines Winterbier, das „FestivAle“ gibt es nur zum „Live Six Music Festival“ im Oktober in Mauthen und das „RauchBier“ nur zu Ostern.
Für ihren „Dunklen Weizenbock“ hat die Biermanufaktur Loncium beim World Beer Cup – dem Oscar der Bierbrauer – die Bronzemedaille gewonnen, bei der Österr. Staatsmeisterschaft 2014 die Goldmedaille in der Kategorie Weizen. Eine Goldmedaille gab es für das „Austrian Amber Lager“ 2012 und 2013 beim World Beer Award in London, und die „Schwarze Gams“ der Gailtaler Brauerei sicherte sich beim European Beer Star die Silbermedaille in der Kategorie „Dunkler Bock German Style“. Besonders erfolgreich ist auch das „CarinthIPA“ von Loncium mit der Silbermedaille 2013 beim World Beer Award und der Goldmedaille im Rahmen der österr. Staatsmeisterschaft in der Kategorie „Pale Ale“. „Wir wollen mit unseren Produkten Kunden ansprechen, die vielleicht etwas mehr als andere über Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und ähnliche Themen nachdenken und die ausgefallenere, vielleicht auch schrägere, Biersorten bevorzugen“, erklärt Alois Planner die Strategie der Loncium-Brauerei.
Seit dem Frühjahr 2015 ist die Biermanufaktur in Kötschach-Mauthen auch BIO-zertifiziert. „Das heißt, dass wir für alle unsere Biere nur mehr Zutaten aus biologischer Landwirtschaft verwenden. Wir wollen uns damit bewusst vom Einsatz von Spritz- und Düngemitteln distanzieren!“ Den Hopfen importieren die beiden Gailtaler Brauer größtenteils aus Bayern, aber auch aus Tschechien, Australien, Neuseeland und den USA. Das Malz kommt aus Österreich, aus Oberbayern und aus England. „Bier wurde früher nur dort gebraut, wo es gutes Wasser gab, auch hier in Mauthen, genau an der Stelle, an der jetzt unsere kleine Brauerei steht. Vor ca. hundert Jahren ist diese Brauerei allerdings einem Brand zum Opfer gefallen“, berichtet Klaus Feistritzer und macht sich mit dem Satz … „von nichts kommt nichts, und ich habe derzeit so und so den Eindruck, dass ich rund um die Uhr beim Bierbrauen bin“ wieder an die Arbeit im Sudhaus.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Biermanufaktur Loncium




