Direktvermarktung als Chance für bäuerliche Betriebe in der Region

Im Rahmen der diesjährigen Bezirksrunde besuchte die Landwirtschafts-Kammerspitze den Glanzhof in Hopfgarten im Defereggental.

Regionale Lebensmittel gewinnen seit einigen Jahren an Bedeutung. Die Coronakrise hat das noch einmal verstärkt, wie auch eine aktuelle AMA-Studie bestätigt: Für zwei Drittel der Befragten hat heimische und regionale Herkunft als Einkaufskriterium im letzten Jahr an Bedeutung gewonnen. Dieser Trend kommt der Landwirtschaft insgesamt, der Direktvermarktung jedoch im Besonderen zugute. „Die Tiroler Landwirtschaft produziert hervorragende Lebensmittel von höchster Qualität. Immer mehr Betriebe vermarkten diese direkt oder haben Interesse, neue Vermarktungswege zu beschreiten. Um dem gerecht zu werden, widmen wir uns als Landwirtschaftskammer heuer dem großen Themenfeld Direktvermarktung. Neben einem verstärkten Beratungsangebot wollen wir mit Best-Practice-Beispielen aufzeigen, welche individuellen Möglichkeiten sich auch den Betrieben bieten“, erklärt LK-Präsident Josef Hechenberger.

Vielseitigkeit ist gefragt

Gerade der Einstieg in die Direktvermarktung ist für viele eine große Hürde, da viele Aspekte zu beachten sind: „In der Landwirtschaft muss man extrem vielseitiges Wissen vorweisen und sich in vielen Themengebieten auskennen. Das geht vom Pflanzenschutz über Veterinärmedizin bis hin zu Marketing und Steuerwesen. Bei der Direktvermarktung kommt da noch einiges dazu, weshalb es wichtig ist, für die Interessierten Anlaufstellen zu bieten, im Rahmer derer viele Fragen beantwortet werden können. Denn in der Direktvermarktung gibt es keinen Probelauf, da muss einfach alles passen“, ergänzt LK-Vizepräsidentin und Landesbäuerin Helga Brunschmid. Was alles hinter der Herstellung von bäuerlichen Lebensmitteln steckt, muss den Konsumentinnen und Konsumenten auch vermittelt werden. Eine Aufgabe, die vor allem die Funktionärinnen der Tiroler Bäuerinnenorganisation übernehmen, wie Bezirksbäuerin Karin Huber unterstreicht: „Als Bäuerinnen sind wir wichtige Botschafterinnen für die von uns produzierten Lebensmittel. Obwohl das Wissen über das, was von unserer Landwirtschaft hergestellt wird, auch im ländlichen Raum nicht immer sehr umfangreich ist, spüren wir ein grundsätzliches Interesse an unserer Arbeit. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, mit den Bäuerinnen authentische Einblicke zu geben und schon den Jüngsten zu vermitteln, was alles hinter einem fertigen Lebensmittel steckt.“

Chance für junge Betriebsführerfamilien

Im Rahmen einer Umfrage der Landwirtschaftskammer, die heuer im Frühjahr bezirksweise durchgeführt wurde, hat sich der Trend zu mehr Direktvermarktung bestätigt, wie Bezirksobmann Konrad Kreuzer ausführt: „Wir haben einige Betriebe, die angegeben haben, in die Direktvermarktung einsteigen zu wollen. Das freut uns und für diese Betriebe wollen wir ein erster Ansprechpartner sein. Die Absatzwege gestalten sich durchwegs unterschiedlich – die erzeugten Lebensmittel werden nicht nur an die Gastronomie geliefert, sondern auch an Privatpersonen zugestellt. Gerade diese Zustelldienste werden stark nachgefragt. Die angebotene Produktpalette ist sehr vielfältig und reicht von Fleisch über Fisch, Eier, Milch- und Milchprodukte bis hin zu Obst, Säften und Schnäpsen. Somit bietet die Landwirtschaft im Bezirk ein vielfältiges Angebot!“

Höchste Fischzucht Österreichs

Auf einem Bergbauernbetrieb auf 1.650 Metern Seehöhe erwartet man vieles, jedoch nicht unbedingt eine Fischzucht. Günther Blassnig hat sich auf seinem „Glanzhof“ in Hopfgarten in Defereggen ganz der Produktion von hochwertigen Kaltwasserfischen verschrieben: „Bereits mein Vater hatte einen ganz kleinen Fischteich, nur zum Eigengebrauch. Irgendwie haben mich die Tiere immer fasziniert, und als ich 2012 den Hof übernommen habe, wollte ich ausprobieren, ob das auch als betriebliches Standbein funktionieren kann“, schildert er. Seit mittlerweile fünf Jahren widmet sich Günther Blassnig, der auch Aufsichtsfischer an der Schwarzach ist, neben der Rinder-, auch der Fischhaltung und produziert Saiblinge, die zu zwei Dritteln in die Gastronomie gehen. „Der Talmarkt in Matrei und der Hofladen vom Biohof Stemberger in St. Veit sind für mich wichtige Partner. Die stetig steigende Nachfrage nach regionalem Fisch ist auch dort spürbar“, zeigt sich Blassnig erfreut.

 

Text: Redaktion, Foto: LK Tirol

01. September 2021 um