Lienz: Was bringt qualitativ hochwertige Architektur?

Diese und andere Fragestellungen waren Thema einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik am 1.2.2019 im Campus Technik Lienz.

Als Veranstalter des Abends trat die neu gegründete Plattform „architektur&osttirol“ auf, eine lose Vereinigung von ArchitektInnen aus der Region. Ziel der Plattform ist es, die Baukultur sowie den Wert qualitativ hochwertiger Architektur im Bezirk Lienz verstärkt in den Fokus zu rücken. Die Sensibilisierung der Bevölkerung für Baukultur und Kulturlandschaft will man u.a. über verschiedene Ausstellungen und Veranstaltungen erreichen.

 

 

Dementsprechend bemühten sich die ArchitektInnen auch darum, die Schau „Neues Bauen in Tirol 2018“ nach Lienz zu holen. Als idealer Veranstaltungsort dafür bot sich der neue Campus Technik Lienz an, wurde der modern-stylische Gebäudekomplex direkt an der Isel doch mit dem Landespreis 2018 ausgezeichnet. Die Vernissage mit einem Überblick über alle im Vorjahr eingereichten 71 Projekte fand am 25.1.2019 statt. Bis 8.2.2019 haben Interessierte noch die Gelegenheit, sich selbst einen Überblick über das aktuelle Architekturgeschehen in Tirol zu verschaffen.

 

 

Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion am Abend des 1.2.2019 stand die Architektur im Spannungsfeld von Industrie, Tourismus, Landwirtschaft, Kultur, Natur und öffentlichem Raum. Nach der Begrüßung durch „Hausherr“ Fadi Dohnal, den wissenschaftlichen Leiter des Campus Technik Lienz, und den Grußworten der Lienzer Bürgermeisterin und Abgeordneten zum Tiroler Landtag Elisabeth Blanik, übernahm Lukas Vejnik vom Verein „Architekur Haus Kärnten“ die Moderation. Reinhold Wetschko, Architekt und Juryvorsitzender beim Landespreis „Neues Bauen in Tirol 2018“, sowie Christian Höller, Architekt und Sektionsvorsitzender der Kammer West, informierten über die allgemeinen Grundlagen der Preisvergabe und sprachen auch Themen wie den Bundesdenkmalschutz oder die Sinnhaftigkeit des in Österreich stark regulierten Hochwasserschutzes an. Die Osttiroler und Kärntner UnternehmerInnen Katharina Hradecky (Hotel Gasthof Hinteregger/Matrei i.O.), Edwin Meindl (MICADO/Oberlienz), Klaus Michor (REVITAL/Nußdorf-Debant) sowie Michael Kerschbaumer (Genossenschaft „Kaslabn Nockberge”/Radenthein) berichteten über ihren ganz persönlichen Zugang zu Architektur und darüber, welche Rolle „gute Architektur“ in ihrem beruflichen Alltag spielt. Den Standpunkt der Politik und somit den Blickpunkt auf Architektur im öffentlichen Raum vertrat Bgm. Elisabeth Blanik.

In der durchaus kontrovers geführten Diskussion mit Wortmeldungen aus den Reihen der heimischen Architekten sowie aus dem Publikum wurden auch Themen wie öffentliche Ausschreibungen sowie Vergabepraktiken angerissen. Kritik gab es u.a. für die in Österreich kostenintensive Bürokratie bzw. für die nach Meinung einiger längst schon „überbordernden“ gesetzlichen Einschränkungen für Architekten.

Ein durchaus spannender Abend, der auf weitere ähnliche Veranstaltungen hoffen lässt.

 

 

Text: Josef Hilgartner, Fotos: Brunner Images

05. Februar 2019 um