Lienz: Wissenschaftler tagen zum Thema „Biodiversität in der Landwirtschaft“

Forscher und Referenten aus Deutschland, Italien, Frankreich, Rumänien und der Ukraine planen mit lokalen Akteuren eine Studie zum Thema „Biodiversität in der Landwirtschaft“.

Die Aufrechterhaltung der Artenvielfalt auf Weide- und Ackerflächen ist in Anbetracht der marktwirtschaftlichen Bedingungen eine große Herausforderung für die Landwirtschaft. Daher planen ForscherInnen und ReferentInnen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Rumänien und der Ukraine gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren eine Studie zur Biodiversität in der Landwirtschaft. Der dreitägige Workshop am Campus Technik Lienz steht unter der Ägide der deutschen Universität Giessen und wird durch Exkursionen zu verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben abgerundet.

Konsens herrscht darüber, dass die traditionelle Landwirtschaft in Bergregionen auf die Biodiversität der Landschaft und die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen angewiesen ist. In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich jedoch eine Tendenz zur Erhöhung der technischen Effizienz von Inputfaktoren – z.B. durch Kraftfutter und Mineraldünger – sowie zur Steigerung des genetischen Potenzials bei Nutztieren. Diese intensive Landwirtschaftsform verbreitete sich ausgehend von den Gunstregionen im Flachland auch in den Bergregionen, was negative Einflüsse auf die Stabilität der Ökosystemfunktionen hat. Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen ist die Produktion von Ökosystemdienstleistungen, wozu die Aufrechterhaltung der Artenvielfalt der Mähwiesen und Weiden gehört, für die Bauern schwierig.

Die geplante Studie will u.a. innovative und effiziente Lösungen für das Funktionieren einer multifunktionalen Landwirtschaft untersuchen. Weiters hat das Projekt zum Ziel, Synergien zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz innerhalb der Regionen herauszuarbeiten und gegebenenfalls neu zu beurteilen.

In Osttirol wird neben der Autonomen Provinz Bozen und den Gebieten Gymes in Rumänien, Kosiv in der Ukraine sowie Massif des Vosges in Frankreich aus wissenschaftlicher Sicht ein großes Potenzial für den Aufbau von Wertschöpfungsketten, die auf der Produktion von Biodiversität und Heumilch basieren, vermutet.

Das Forschungsvorhaben fußt auf der Ermittlung von Best-Practice-Beispielen und auf innovativen Ideen aus unterschiedlichen Feldern der interdisziplinären Forschung. Die Projektvorbereitung soll zudem transdisziplinär sein und lokale Stakeholder einbeziehen. Auf der Suche nach einem Konzept, das bestmögliche regionale Vorteile verspricht, werden Analysen von Fallstudien, Vergleiche verschiedener Aktivitäten und die Optimierung bestehender Modelle einbezogen.

 

Text: Redaktion, Foto: Stadt Lienz/Lenzer

30. Mai 2018 um