Landwirtschaftskammer stellte in Leisach das Thema „Ökologisierung“ in den Fokus

Ökologisch in die Zukunft – im Rahmen der diesjährigen Bezirksrunde besuchten die Spitzen der Tiroler Landwirtschaftskammer den Klausmoarhof von Familie Trojer.

Die Landwirtschaftskammer Tirol setzt jedes Jahr einen anderen thematischen Schwerpunkt. Dieses Jahr wurde das Thema „Ökologisierung“ ausgewählt, weil darauf in der nächsten Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU vermehrt Wert gelegt wird. Diese startet ab 2023 und stellt Umwelt, Klimaschutz und Biodiversität in den Fokus.

„Die Tiroler Landwirtschaft ist schon jetzt auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise bedacht – über 90 Prozent der Betriebe beteiligen sich bereits am Österreichischen Umweltprogramm ÖPUL. In der neuen GAP-Periode stehen den Höfen teilweise neue Maßnahmen zur Verfügung. Wir wollen mit einer optimalen Beratung sicherstellen, dass jeder Betrieb alle sich ihm bietenden Optionen kennt und so die höchstmögliche Unterstützung aus den Förderprogrammen abholen kann“, erklärte LK-Präsident Josef Hechenberger Gründe für die Wahl des Jahresschwerpunktes.

Allein im ersten Halbjahr 2022 wurden bereits über 600 Beratungsstunden zu den neuen Rahmenbedingungen geleistet. „Ziel unserer Beratung ist es auch immer, die Betriebe gut auf neue Herausforderungen, wie etwa Auswirkungen durch den Klimawandel, vorzubereiten. Dabei decken wir alle Bereiche der Land- und Forstwirtschaft ab, was neben der eigentlichen Arbeit als Interessensvertretung einen unserer Schwerpunkte darstellt.“

Chancen nutzen

Dass es die Landwirtschaft beherrscht, sich auf ändernde Rahmenbedingungen einzustellen und diese auch als Chance zu sehen, beweisen die teilweise breit aufgestellten Tiroler Betriebe. „Über die letzten Jahrzehnte hat sich gezeigt, dass ein guter Weg, um einen Hof weiterzuentwickeln, die Diversifizierung ist. Sei es Urlaub am Bauernhof oder die Direktvermarktung – mehrere Standbeine bieten gerade in Krisenzeiten Sicherheit“, strich LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid heraus. Als Landesbäuerin ist ihr die Rolle der Frauen auf den Höfen ein besonderes Anliegen: „Wir haben viele gut ausgebildete Bäuerinnen auf unseren Höfen, die aus den verschiedensten Branchen kommen. Die Berufsausbildung mit der Situation am Hof zu kombinieren und neue Angebote zu schaffen, wie etwa im Sozialbereich, ist eine Vision, die ich für die Zukunft habe. Daher loten wir Möglichkeiten aus, klären Stolpersteine ab und wollen so dazu beitragen, dass der Lebensraum Bauernhof auch als Arbeitsplatz neu gedacht wird.“

Herausforderungen meistern

Bezirksobmann Konrad Kreuzer gab einen Überblick über die Situation der Landwirtschaft im Bezirk Lienz: „Mit insgesamt 1.750 Mehrfachantragstellern hat sich die Anzahl der aktiven Betriebe im Bezirk nur geringfügig gegenüber dem Vorjahr reduziert. Viele Betriebe zeichnen sich besonders durch Anpassungsfähigkeit aus. Das spiegelt sich in der regen Teilnahme an den diversen Qualitätsprogrammen sowie in der stetig steigenden Zahl an Direktvermarkter*innen wider. Diese Innovationskraft fordern auch die Zeichen der Zeit. Die Auswirkungen des Klimawandels spüren die bäuerlichen Betriebe immer mehr. In Osttirol macht uns zunehmend die Trockenheit zu schaffen. Das führt dazu, dass Bewässerungsanlagen, dort wo möglich, immer wichtiger werden.“

Im Forstbereich kämpfen die Osttiroler Land- und Forstwirte nach den massiven Schadereignissen der letzten Jahre mit starkem Borkenkäferbefall. Heuer wurden in Zusammenarbeit mit der Bezirksforstinspektion und der Landesforstdirektion sogenannte Borkenkäferfallen aufgestellt. „Mit der starken Unterstützung der Gemeindewaldaufseher und dem fleißigen Einsatz der Forstwirtinnen und Forstwirte hoffen wir, das Problem eindämmen zu können“, so Kreuzer.

Für ein gutes Klima

60 Jahre Tiroler Bäuerinnen – dieses Jubiläum wird heuer tirolweit gefeiert. Dabei gibt es nicht nur eine große Veranstaltung, sondern zahlreiche Aktivitäten in allen Bezirken. Bezirksbäuerin Karin Huber fasst das Programm so zusammen: „Wir haben unser Jubiläum unter das Motto ‚Bäuerinnen für ein gutes Klima‘ gestellt. Dabei geht es uns nicht nur darum, Projekte zum Klimaschutz hervorzuheben, sondern auch einen Beitrag für ein gutes soziales Klima zu leisten.“

Gerade in den nächsten Wochen wird dazu in Osttirol auch sehr viel geboten. Anlässlich des Jubiläums wurde etwa ein Theaterstück initiiert, welches das facettenreiche Hofleben sowie die Rolle der Bäuerinnen beleuchtet. In den Pausen des Dreiakters kann außerdem die Wanderausstellung „Die Rolle der Bäuerin im Wandel der Zeit“ besichtigt werden. Nach der Premiere am 17. Juli in Debant wird das Stück noch zwei weitere Male aufgeführt.

Mit und für die Natur arbeiten

Am Klausmoarhof in Leisach sind neben der traditionellen Milchwirtschaft vor allem die bäuerliche Vermietung und die Forstwirtschaft wichtige Betriebszweige. Zum Hof gehören auch 60 Bienenvölker, was das besondere Verständnis der Familie für ein Arbeiten im Kreislauf mit der Natur zeigt. „Eine intakte Kreislaufwirtschaft ist uns generell sehr wichtig. Seit einem guten Jahr haben wir deshalb auch eine Photovoltaikanlage installiert. Da gerade die Landwirtschaft und die Imkerei einen hohen Strombedarf haben, war es uns ein Anliegen, diesen nachhaltig und direkt am Hof zu produzieren“, betonten Gertraud und Konrad Trojer.

 

Text: Redaktion, Foto: © LK Tirol

04. Juli 2022 um