Keramiker Johannes Steinringer: Junge Begeisterung für uraltes Handwerk

Johannes Steinringer hat mit Jahresbeginn 2022 den Keramik-Betrieb seines Vaters Peter in Heinfels übernommen. Mit viel Kreativität stellt er hier Kachelware und Gebrauchskeramik her.

Im Mittelalter gehörte der Hafner zu den wichtigsten und weit verbreitetsten Berufen. Hafner erzeugten Geschirr, Pfannen, Töpfe und sonstige Güter des täglichen Bedarfs aus Ton und formten natürlich auch Ofenkacheln. Heute wird der Beruf „Keramiker“ genannt und ist selten geworden. In einer an einen Bauernhof angeschlossenen Werkstatt in Tessenberg wird bereits seit 22 Jahren Keramik produziert. Peter Steinringer hat den Betrieb gegründet, um vorwiegend für den Ofenbau-Betrieb seines Vaters Josef, den inzwischen Bruder Klaus übernommen hat, Ofenkacheln herzustellen.

 

 

„Schon als kleines Kind habe ich meinem Papa beim Herstellen der Kacheln über die Schulter geschaut, und so bestand für mich nie ein Zweifel, dass ich auch einmal Keramiker werden will“, erzählt Johannes Steinringer. „Auch die Landwirtschaft – wir betreiben Forstwirtschaft und züchten Pustertaler Sprinzen – hat mich immer schon fasziniert.“ Der heute 24-Jährige besuchte zunächst die dreijährige Fachschule für Landwirtschaft in Lienz und dann die Staatliche Fachschule für Keramik in Landshut. Nach dreijähriger Fachausbildung und anschließender Absolvierung der staatlichen Meisterschule (2 Jahre) darf er sich nun „Keramikermeister“ und „staatlich geprüfter Keramikdesigner“ nennen.

 

 

„Ich habe den Betrieb jetzt zwar von meinem Vater übernommen, er ist jedoch weiterhin im Betrieb tätig. So kann ich von seiner langjährigen Erfahrung profitieren. Wir stellen Individualkeramik mit handwerklichem Charakter her. Mit einem Großteil unserer Produkte beliefern wir – wie es immer schon war – die Steinringer Ofenbau GmbH meines Onkels in Lienz.“ Grundmaterial für die Kachelherstellung ist eine Ton-Masse. Diese wird zunächst händisch extrudiert. Der Rohling wird verdichtet, entlüftet und auf die gewünschte Blattdicke gebracht.

 

 

„Wenn ich Kacheln mit glatter Oberfläche herstelle, muss der Ton eine gewisse Zeit getrocknet und dann geschnitten werden. Will ich eine Strukturkachel erzeugen, wird der Ton in feuchtem Zustand in eine negative Form gepresst. Beide Arten werden anschließend ca. 14 Tage getrocknet und dann zwei Mal gebrannt. Zunächst wird die Kachel beim so genannten Schrühbrand gefestigt und dann beim anschließenden Glattbrand, einem oxidierten Brennverfahren, die Glasur eingeschmolzen. Auf Wunsch wird die Kachel dann bemalt und erneut gebrannt.“

 

 

Mit dem so genannten „Gießschlicker“ praktiziert Johannes in seiner Werkstatt eine zusätzliche Formgebungsart: „Dabei wird die Ton-Masse verflüssigt und in eine Schalung eingegossen. Innen- und Außenfläche der Kachel werden so genauestens abgebildet. Es entstehen exakt gleiche Rohlinge. Besonders beliebt ist diese Formgebungsart u.a. bei den Dolomit Kleinkachelöfen.“

 

 

Der Bedarf an Individualkeramik steigt vor allem auch im Ofenbau stetig an, berichtet der junge Keramikermeister. „Die Kunden wünschen verstärkt an ihre Wohnatmosphäre angepasste Öfen, etwa was die Farbgebung betrifft. So entsteht mit jedem Ofen ein Unikat, und in jeder Kachel spiegelt sich die eigene Handschrift wider. In unserem Beruf ist man vor allem kreativ und gestalterisch tätig. Wenn man dann einen fertigen Ofen vor sich hat, freut man sich und weiß, dass sich das Tüfteln, Nachdenken und das Handwerk gelohnt haben.“

 

 

Landwirtschaft und Musik sind die Leidenschaften des jungen Pustertalers abseits seines Berufes. „Wir sind einer der wenigen landwirtschaftlichen Betriebe, die ausschließlich Pustertaler Sprinzen, eine eher seltene Rinderrasse, züchten. Auch das Arbeiten im Wald bereitet mir viel Freude. Bei der kürzlich neu gegründeten Band MAYA wirke ich als Pianist mit. Mit meinen Musikerkollegen bei Auftritten für einen coolen Sound zu sorgen, so wie beim diesjährigen ‚Dolomitenmann‘ am Lienzer Hauptplatz, ist ein wunderschöner Ausgleich zu meiner Arbeit in der Werkstatt und am Bauernhof“, so der vielseitige Jungunternehmer abschließend.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann

11. Oktober 2022 um