Kann Osttirol Vorreiter und Ideengeber in Sachen „Kreislaufwirtschaft“ werden?
Die Innos GmbH wurde vom Land Tirol als regionaler Partner in Osttirol für ein tirolweites Pilotprojekt zum Thema Kreislaufwirtschaft ausgewählt.
Das von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanzierte Projekt wurde von der INNOS GmbH in Kooperation mit dem Land Tirol, der Lebensraum Tirol Holding, der Universität Innsbruck sowie den Firmen endlich. und in-manas aus Innsbruck im vergangenen Mai gestartet.
„Im Rahmen dieses Projektes durften wir bereits im vergangenen Juni mit unterschiedlichen Personen aus der Region Trends und Entwicklungen zum Thema Kreislaufwirtschaft für Osttirol identifizieren und bewerten. In einem weiteren Schritt sollen zu den definierten Trends Lösungsansätze entwickelt und idealerweise umgesetzt werden. Der Projektprozess wird von der von in-manas entwickelten Plattform Inno-Verse digital unterstützt“, erklärte INNOS-Geschäftsführer Reinhard Lobenwein bei einem Pressehintergrundgespräch im Vorfeld der Informationsveranstaltung „In nachhaltigen Kreisläufen denken – Ressourcenmanagement für eine bessere Zukunft“, zu der die INNOS am Mittwoch, 13. September, in die Wirtschaftskammer Lienz einlud.
„In Sachen Leben und Wirtschaften im Einklang mit der Natur hat sich Tirol bereits einen Namen gemacht und wird natürlich weiter in diese Richtung arbeiten. Wir greifen deshalb gerne auch diese Initiative in Osttirol auf. Es geht uns darum, den ländlichen Raum als Innovationsraum zu entwickeln. Das in Osttirol gestartete Pilotprojekt zur Kreislaufwirtschaft kann durchaus auch auf Landes- und Bundesebene Entwicklungen auslösen. Ich sehe den Bezirk Lienz daher als Pionier in diesem Zusammenhang“, sagte Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding.

Die Kreislaufwirtschaft steht weit oben auf der politischen Agenda der Europäischen Union. Das Land Tirol hat 2021 die Strategie „Leben mit Zukunft“ beschlossen und die Plattform „Klima, Energie und Kreislaufwirtschaft” installiert, in der die Standortagentur Tirol, die Energie Tirol und das Klimabündnis Tirol eingebunden sind. „Mit dem vielversprechenden FFG-Pilotprojekt hat Osttirol das Thema Kreislaufwirtschaft übernommen. Um die notwendige Transformation der Wirtschaft planvoll und innovativ in Angriff zu nehmen, geht es neben dem strategischen Ansatz auch darum, sich dem Thema von unten nach oben zu nähern“, erklärte INNOS-Geschäftsführer Reinhard Lobenwein.
„Kreislaufwirtschaft heißt, dass ein vormals linearer Prozess zirkulär geführt wird und man mit den zur Verfügung stehenden Materialien effizienter umgeht. Die wirtschaftliche Realität ist von diesen zirkulären Prozessen noch ein Stück weit entfernt“, erklärte INNOS-Beiratsvorsitzender René Schmidpeter, als Universitätsprofessor für Nachhaltigkeit ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet.
Als Beispiel nannte Schmidpeter Recycling, wo Stoffe im Kreislauf gehalten werden sollen. „Die aus dem Recyclingprozess zurückgewonnenen Stoffe müssen unter teils beträchtlichem Energieeinsatz wieder in neue Ausgangsstoffe transformiert werden. Das ist in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft am wenigsten nachhaltig, weil viel teure Energie aufgewendet und teilweise auch neue Rohstoffe zugesetzt werden müssen. Um der Kreislaufwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen, wird sich nicht nur das Nutzungsverhalten von Konsumenten, sondern auch das Geschäftsmodell vieler Unternehmen ändern müssen“, so Schmidpeter.
Als Werkzeug kommt der Innovations- und Strategiehub Inno-Verse bzw. dessen von in-manas entwickelter Trendradar zum Einsatz. Anna Köhl, Co-Gründerin von endlich., leitete gemeinsam mit ihrem Kollegen Simon Tumler und Alexander Ettinger von in-manas den Workshop. „Zum einen sollen für Osttirol konkrete und finanzierbare Lösungen entwickelt werden, zum anderen soll das Projekt dabei helfen, diesen softwareunterstützten Innovationsprozess zu evaluieren und weiterzuentwickeln, damit er sich auf andere Regionen übertragen lässt“, erklärte Simon Tumler.

„An der Kreislaufwirtschaft, die die wirtschaftliche Aktivität vom Ressourcenverbrauch entkoppelt, führt kein Weg vorbei. Unendlicher Ressourcenverbrauch ist in einer endlichen Welt unmöglich, unendliche Innovation dagegen nicht“, verwies Anna Köhl auf das mathematische Prinzip der Faltung, das unendliche Innovation in der endlichen Welt durch Wachstum in die Diversität ermöglicht.
Alexander Ettinger, Associate Partner bei in-manas, referierte über die Bedeutung der sogenannten Mega- und Makrotrends, mit denen man sich heute intensiv beschäftigen müsse, um die richtigen Lösungen für morgen schaffen zu können: „Momentan gibt es rund 18 Megatrends, die von der Forschung identifiziert wurden. Die Kreislaufwirtschaft ist einer davon, der für Osttirol besonders relevant sein kann!”
Wie gehe ich in Richtung Nachhaltigkeit und wie bekommen ich innovative Projekte in die Region? Diesen Fragen ging Franz Bailom, Geschäftsführer von in-manas, nach. „Es geht vor allem auch darum, neue Technologien – wie z.B. Künstliche Intelligenz – richtig einzusetzen und verschiedene Gruppen einzubinden. Ziel der FFG ist es, dass nach Zusammenfassung aller Projekte eine Plattform mit rund 10.000 Innovationen steht, die auch alle großen globalen Trends umfasst.”
Das Projekt Kreislaufwirtschaft in Osttirol geht inzwischen in seine nächste Phase. Nun werden von unterschiedlichen Teams, bestehend aus Menschen aus der Region sowie ExpertInnen, Studierenden und SchülerInnen, Ideen generiert und konkrete Lösungen erarbeitet.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger