Kals am Großglockner: Der Figerhof startet mit neuer Käserei durch
Mit Sonnenenergie, viel Erfahrung, intelligenten Technologien und automatisierten Abläufen erzeugen Philipp und Renate Jans in ihrer Käserei Ziegenmilch-Produkte.
Schon als Kind träumte der gebürtiger Nußdorfer Philipp Jans davon, Ziegenbauer zu werden. Als er nach Abschluss seines Studiums an der Fachhochschule Weihenstephan die Chance hatte, einen Bergbauernhof im Osttiroler Glocknerdorf Kals zu übernehmen, griff er zu. Unterstützt von seiner Familie, begann der heute 41-Jährige ab 2008 damit, den 56 Hektar umfassenden, bäuerlichen Betrieb im Ortsteil Lana Schritt für Schritt zu modernisieren. Der Schwerpunkt lag von Beginn an auf der Ziegenhaltung und auf der Produktion von Ziegenmilch.

Bereits im ersten Jahr nach der Hofübernahme wurde westlich an das bestehende Wirtschaftsgebäude ein Anbau für ein Melkkarussell realisiert und östlich davon ein neuer Laufstall umgesetzt. Die Inbetriebnahme eines Melkkarussells, das 36 Plätze bietet, war eine Herausforderung, doch das Ziel, tagtäglich an die 300 Ziegen zu melken, verlangte nach klugen, zeiteffizienten Lösungen.
Renate und Philipp Jans
2009 begann Familie Jans damit, die Ziegenmilch direkt am Hof weiterzuverarbeiten. Um den hohen hygienischen Standards gerecht zu werden, entschied man sich für die Einrichtung eines Milchverarbeitungsraumes. Die Erzeugung von Ziegentopfen glückte bald. Auf der Suche nach einer Möglichkeit der Haltbarmachung entstand die Idee, Frischkäsebällchen in Gewürzen zu rollen und in Sonnenblumenöl einzulegen – das Produkt „Glocknerkugeln“, inzwischen mehrfach preisgekrönt und weit über die Grenzen Osttirols hinaus bekannt, war geboren. Schon damals war es der Wunsch, weitere Produkte zu erzeugen, doch ließ dies der Platzmangel in den bestehenden Räumlichkeiten vorerst nicht zu.

2013 gelang der Bau einer neuen Halle nördlich der Hofstelle. Futtermittel, Gerätschaften, aber auch Bereiche für die Milchziegen und die Aufzucht der Kitze sollten hier Platz finden. Bei der Realisierung aller Baumaßnahmen setzte Ziegenbauer Philipp Jans auf die Kooperation mit Osttiroler Unternehmen. „Die Firmen, die bereits 2008 bei uns am Figerhof arbeiteten, sind bis heute unsere Partner“, betont er und nennt dafür die Firmen Holzbau Duregger (Ausführung der konstruktiven Außenanlage) und sun.e-solution (Photovoltaikanlage) als Beispiele für viele. Überzeugt von der Qualität heimischen Handwerks, sieht Philipp in der Zusammenarbeit im Bezirk prinzipiell einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der gesamten Region – und damit auch für seinen eigenen Betrieb. „So wie wir am Hof Kreisläufe schließen wollen, so müssen wir dies auch in der nächsten Dimension tun und immer eine Stufe weiterdenken. Wenn es dem Nachbar gut geht, geht es auch uns gut.“

Überzeugt von der Qualität heimischen Handwerks, sieht Philipp in der Zusammenarbeit im Bezirk prinzipiell einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der gesamten Region – und damit auch für seinen eigenen Betrieb. „So wie wir am Hof Kreisläufe schließen wollen, so müssen wir dies auch in der nächsten Dimension tun und immer eine Stufe weiterdenken. Wenn es dem Nachbar gut geht, geht es auch uns gut.“

Als im Laufe der Jahre die Nachfrage nach den Figerhof-Produkten kontinuierlich anstieg und der Milchverarbeitungsraum sprichwörtlich „aus allen Nähten“ zu platzen drohte, wurde der Ausbau einer eigenen Käserei in Angriff genommen. Die Arbeiten dafür starteten im Herbst 2019 und konnten, trotz Corona, im Herbst 2020 erfolgreich abgeschlossen werden. Heute ist die Produktionsfläche rund 200 Quadratmeter groß. Große Glasscheiben sorgen für viel Licht und gewähren Einblicke in die Käserei, zu der auch ein Reife- und ein Lagerraum gehören.

Viele Arbeitsschritte konnten im Zuge des Projektes automatisiert werden. So fließt die frische Ziegenmilch nun direkt vom Melkkarussell in den Käsekessel. „Die richtige Temperatur im Kessel, die Zugabe von Lab und der Druck der Käsepressen können sogar via Handy gesteuert werden“, freut sich Philipp Jans über die Möglichkeiten intelligenter Technologien. Die Energie, sowohl zur Kühlung als auch zur Pasteurisierung der Milch und zum Heizen des Käsekessels, kommt direkt von der hofeigenen Photovoltaikanlage. „Wir speichern die Sonnenenergie in Form von Eiswasser für die Kühlung und in Form von heißem Wasser in einem großen Pufferspeicher genau dann, wenn die Sonne scheint. So können wir sie für die jeweiligen Arbeitsschritte abrufen, wann immer sie gebraucht wird“, erklärt der Kalser das Konzept.

Für die Arbeit in der Hofkäserei zeichnet vor allem Philipps Frau Renate verantwortlich. Unterstützt wird sie, die im Frühsommer 2021 ihr drittes Kind erwartet, von mittlerweile vier MitarbeiterInnen. „Theoretisch wäre es jetzt möglich, in den zwei Käsekesseln der Firma Giovanelli bis zu 500.000 Liter Milch zu verarbeiten“, blickt sie in die Zukunft. Ebenso wie ihren Mann und das Käserei-Team schmerzt sie der coronabedingte Ausfall der Aufträge aus der Gastronomie natürlich sehr. „Zu unseren Kunden zählen sowohl Haubenrestaurants als auch gutbürgerliche Gasthöfe“, informiert sie und verweist auf die Suche nach weiteren Absatzwegen, zu der sich auch Familie Jans im Vorjahr gezwungen sah. Sie spielt damit auf den seit Sommer 2020 existierenden Webshop an, den man gemeinsam mit der befreundeten Familie Lugger aus Obernußdorf und 13 weiteren Zulieferern aufgebaut hat.

„Wir sehen in www.osttirol-kostbar.at eine Chance für kleinstrukturierte Betriebe, ihre hochwertigen Produkte auch weit außerhalb der Bezirksgrenzen an die Frau bzw. an den Mann zu bringen“, kommuniziert Philipp Jans. Er streicht die Vielfalt des über den Webshop erhältlichen Angebotes heraus und berichtet, dass die online bestellten Produkte österreichweit bis vor die Haustüre geliefert werden. „Wir hoffen, dass immer mehr KonsumentInnen den Wert ehrlich erzeugter Lebensmittel erkennen und bereit sind, dafür auch einen fairen Preis zu zahlen.“

Text: Petra Tembler/Elisabeth Hilgartner, Fotos: Martin Lugger





