Kals a. Gr.: Bilanz ein Jahr nach dem Sturmtief „Vaia”
In Osttirol fielen rund 600.000 fm Schadholz an. Allein in der Gemeinde Kals wurden 425 ha Schutzwald geworfen. Rund 29 Mio. Euro werden in Schutzprojekte und Aufforstung investiert.
Ein Jahr nach der verheerenden Sturmkatastrophe im Süden Österreichs lud die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) gemeinsam mit dem Forsttechnischen Dienst Pressevertreter nach Kals am Großglockner, um die bereits umgesetzten Maßnahmen in den Ortsteilen Lana und Großdorf zu besichtigen. Das Tiefdruckgebiet „Vaia” brachte Ende Oktober 2018 von Norditalien bis zu den Tauern orkanartige Stürme, gefolgt von großen Niederschlagsmengen. Am Abend des 29. Oktober erreichte der Sturm Österreich und verursachte große Schäden in Osttirol und Oberkärnten sowie im Kärntner Bezirk Völkermarkt. In Kärnten und Osttirol waren rund 4.300 Hektar Waldfläche von Windwurf betroffen.
WLV-Sektionsleiter Gebhard Walter: „Oberstes Ziel ist es, die Schutzfunktion des Waldes und der Verbauungen rasch wiederherzustellen. In Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern, den Gemeinden, dem Forstdienst, der Straßenverwaltung und der Wasserwirtschaft wurde seit dem vergangenen Herbst mit Hochdruck an der Instandsetzung und Neuerrichtung von Schutzbauten sowie an der Aufarbeitung des Schadholzes und an der Wiederaufforstung gearbeitet.”
„Vor allem auch am Schutzwald hat der Sturm gewaltige Schäden hinterlassen. Zusammen mit dem Forsttechnischen Dienst haben wir für Osttirol drei große flächenwirtschaftliche Projekte ausgearbeitet – eines für Kals, eines für das Tiroler Gailtal und eines für das Villgratental. Mit der Umsetzung wurde bereits im Jänner 2019 begonnen, um eine rasche Sicherung der wichtigsten Bereiche zu ermöglichen”, berichtete Gebhard Walter, Sektionsleiter der WLV Tirol. In den nächsten 20 Jahren werden von der WLV im Bezirk Lienz rund 27 Mio. Euro investiert, von der Landesforstdirektion etwa 2 Mio. Euro. „Für Sofortmaßnahmen – also z.B. um Becken oder Bäche freizubekommen – wurden 2,1 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Nun nach einem Jahr können wir sagen, dass bereits eine Vielzahl von Gefährdungsstellen beseitigt wurden. Zur nachhaltigen Wiederherstellung, vor allem der Schutzwirkung des Waldes, steht aber noch viel Arbeit an”, so Walter.
Landesforstdirektor Josef Fuchs: „Im Bezirk Lienz fielen rund 600.000 Erntefestmeter Schadholz an. Mehr als zwei Drittel davon sind bereits aufgearbeitet. Dafür gebührt den Grundeigentümern, den Waldbesitzern und den Firmen großer Dank.”
Allein in Osttirol fielen nach dem Sturmtief „Vaia” rund 600.000 Kubikmeter Schadholz an. „Das entspricht mehr als der Hälfte der im mehrjährigen Jahresdurchschnitt in Tirol genutzten Holzmenge und dem Dreifachen des jährlichen Holzeinschlages in Osttirol. 95% der betroffenen Flächen sind Schutzwald. Die Grundeigentümer, die Waldbesitzer und die Firmen waren im letzten Jahr sehr gefordert, um das Schadholz aufzuarbeiten”, so Landesforstdirektor Josef Fuchs.
Umfangreiche Verbauungsmaßnahmen wurden zum Schutz des Ortsteiles Lana umgesetzt.
Durch die Kombination aus technischen und forstlichen Maßnahmen wird die Schutzfunktion des Waldes wiederhergestellt. „Die wichtigsten Aufgaben sind unter anderem die Entfernung von Schadholz, vor allem aus den Gerinnebereichen, die Sicherung der Wurzelteller, Abstockungen und Querfällungen, der Neubau und die Instandsetzung von Wegen, die Errichtung von Gleitschneeblöcken und technischen Lawinenverbauungen – wie Lawinen- und Steinschlagschutzdämmen sowie Schutznetzen”, berichtete Otto Unterweger, WLV-Gebietsbauleiter für Osttirol.
Bgm. Erika Rogl: „Nach der Sturmnacht vom 29. Oktober 2018 waren wir zunächst geschockt vom verheerenden Ausmaß der Schäden. Durch das gemeinschaftliche Herangehen mit allen beteiligten Fachleuten und den großartigen Einsatz der Arbeiter, von Ehrenamtlichen und der Bevölkerung konnten bereits viele Maßnahmen umgesetzt werden. Im Jänner wurden schon die ersten Dämme gebaut. Mir ist es auch besonders wichtig, dass die Kulturlandschaft erhalten bleibt. Das ist nicht nur für die Bauern von großer Bedeutung, sondern vor allem auch für den Tourismus und damit für die gesamte Bevölkerung.”
Die Kalser Bürgermeisterin Erika Rogl betonte bei der Besichtigung der Verbauungen im Ortsteil Großdorf die enorme Bedeutung der Verbauungen zum Schutz der Bevölkerung. „Es wurde mit Hochdruck an der Wiederherstellung und Neuerrichtung der Verbauungen in Kals gearbeitet. Bei den massiven Schneefällen in den vergangenen Wochen haben sich die Maßnahmen bereits bewährt. Wenn die Verbauungen nicht vorhanden gewesen wären, hätte man beim heurigen frühen Wintereinbruch einen Teil der Häuser hier in Großdorf evakuieren müssen”, so die Bürgermeisterin.
Besonders auch in Großdorf wurden bereits umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten umgesetzt und neue Schutzbauten errichtet. Im Bild die Trasse des neuen Liftes in das Großglockner Resort
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger