Jugend macht sich Gedanken um Abwanderung

Im Rahmen ihres Matura-Projektes beleuchteten zwei BHAK-Schülerinnen unter fachlicher Anleitung die Hintergründe der Bevölkerungsabwanderung im ländlichen Raum.

Ein Thema, das den Bezirk Osttirol ganz besonders betrifft, haben Claudia Haider aus Innervillgraten und Julia Schellander aus Kötschach-Mauthen, beide Schülerinnen der Bundeshandelsakademie Lienz (BHAK), zum Gegenstand ihres Matura-Projektes „Jugend im ländlichen Raum – bleiben – abwandern – zurückkommen?“ gemacht. Unter dem Projektgruppennamen „Back To The Roots“ arbeiteten sie dafür, unter fachlicher Anleitung von Betreuerin DI Mag. Sylvia Mattersberger, mit ihrem Auftraggeber, der Arbeiterkammer, bzw. dem AK-Bezirksstellenleiter, Mag. Wilfried Kollreider, zusammen.

Das Projektteam hatte für die Präsentation, die am 16.10. in der Arbeiterkammer in Lienz erfolgte, bereits Ende März einen Fragebogen erstellt, den sie 560 SchülerInnen älterer Jahrgänge der HAK, HLW, HTL, des BG/BRG und BORG sowie 90 erwachsenen AbsolventInnen vorlegten. Die Fragen zielten auf die Gründe für Abwanderung aus dem Bezirk Lienz ab. Dazu interviewten die beiden Schülerinnen auch ihren Auftraggeber Mag. Kollreider, Bezirkshauptfrau Dr. Olga Reisner, WKO-Bezirksstellenleiter Mag. Reinhard Lobenwein, Stadtmarketing-Leiter Mag.(FH) Oskar Januschke, RMO-Geschäftsführer DI Michael Hohenwarter sowie Othmar Frena, den ehemaligen Leiter der AMS-Geschäftsstelle Lienz.

Abgefragt wurden die Meinungen zu Arbeitsplatz- und Wohnsituation, Ausbildung, Freizeit und Zukunftsaussichten im Bezirk. Wenig überraschend fiel die Auswertung des Fragebogens aus: Der medizinischen Versorgung steht der Großteil der Befragten positiv gegenüber, was zum Teil auch am Durchschnittsalter der Meinungsgeber liegen mag. Mit dem Verkehr zeigten sich die meisten eher unzufrieden. Haider und Schellander regten dazu die Idee eines Kleinbusses nach dem Vorbild des „Defmobils“ im Defereggental an. Ähnlich skeptisch sahen die befragten Jugendlichen den Arbeitsmarkt in Osttirol. Fast 80% beklagen sich über nicht ausreichende Jobangebote in ihrem Heimatort und in dessen Umgebung. Für einen Arbeitsplatz würden sie allerdings auch einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen.

„Die Jugendlichen zeigten für den ländlichen Raum eine hohe Wertschätzung“, waren sich die beiden HAK-Schülerinnen abschließend einig, „allerdings sind bessere Rahmenbedingungen erwünscht.“ Daher resümieren Haider und Schellander, dass aktives Handeln aller Bevölkerungsgruppen zur Umsetzung von Ideen und Konzepten vonnöten sei. Ihr Wunsch: die Abwanderung aus dem Bezirk solle gestoppt und die Attraktivität gesteigert werden. Die Projektgruppe setzte bei der Ideenfindung dafür auf Ökologie und erneuerbare Energien.

Für die Arbeiterkammer stellte dieses Maturaprojekt der HAK eine Premiere dar: „Wir haben zum ersten Mal eine Projektträgerschaft übernommen. Es ist ein Thema, das uns am Herzen liegt“, erklärte AK-Bezirksstellenleiter Mag. Wilfried Kollreider. HAK-Direktor Mag. Josef Pretis, stolz auf seine Schülerinnen, blickt in die Zukunft: „Noch wurden keine Lösungen zum Thema umgesetzt, aber Ideen sind schon vorhanden!“

Text und Foto: Judith Goritschnig

17. Oktober 2013 um