Jagdwirtschaft: Abschusserfüllung in Osttirol im letzten Jagdjahr besonders schwierig
Bezirksjägermeister Hans Winkler berichtet, dass die Bejagung durch die Dezimierung der Waldbestände in weiten Teilen Osttirols derzeit äußerst schwierig ist.
Die Tiroler Jagdstatistik für das Jagdjahr 2021/2022 wurde nun vorgelegt. Beim Rotwild liegt die Gesamterfüllung (Abschüsse und Fallwild) in den 1.247 Tiroler Jagdgebieten bei 90 Prozent. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem vorherigen Jagdjahr um fünf Prozent. Im Bezirk Lienz liegt die Erfüllung beim Rotwild nur bei 67 Prozent.
„Die Ursachen liegen vor allem im desolaten Wald. Die Waldbestände wurden durch die Windwürfe und die starken Schneefälle in den letzten Wintern stark dezimiert. Das Hauptaugenmerk liegt derzeit am Aufarbeiten des Schadholzes der letzten Jahre. Forstwege sind verständlicherweise häufig gesperrt. Die Bejagung wird dadurch schwierig. Für einen Abschuss müssen die Jäger jetzt bedeutend mehr Zeit aufwenden als früher“, berichtet Bezirksjägermeister Hans Winkler.
Beim Rehwild hat der Gesamtabschuss den niedrigsten Wert seit über 30 Jahren erreicht – tirolweit waren es nur 86,7 Prozent. In Osttirol war die Abschussquote noch niedriger, sie betrug im abgelaufenen Jagdjahr nur 76,8 Prozent. „Wir haben auch beobachtet, dass aufgrund der extremen Schneelage in den letzten Wintern im Bezirk Lienz die Wildbestände dezimiert wurden. Andererseits sind durch die für den Wintersport günstige Schneelage viele Skitourengeher nach Osttirol ausgewichen. Es kann auch sein, dass durch verhältnismäßig viele Naturnutzer das Wild in andere Gebiete wandert, bei uns in Osttirol z.B. ins Kärntner Lesachtal”, so Winkler.
Auch Landesjägermeister Anton Larcher zeigt sich besorgt: „Viele Jägerinnen und Jäger melden uns einen spürbaren Rückgang des Rehwildbestandes in ihrem Revier. Die landesweiten Bestands- und Abgangszahlen sind seit vier Jahren stetig rückläufig. Gemeinsam mit Fachleuten und Partnern wollen wir der Ursache dieser Entwicklung nun genauer auf den Grund gehen.“
Tbc in Osttirol derzeit kein Thema
„Ziel der Abschussvorgaben ist, ein dem Lebensraum angepasster Wildstand zur Gewährleistung der Schutzfunktion des Waldes und auch der Seuchenbekämpfung. Damit wir dieses Ziel erreichen, haben wir da und dort noch weiteren Handlungsbedarf“, führt LH-Stv. Josef Geisler aus. Dies betreffe insbesondere auch die Tbc-Seuchenbekämpfung im Lechtal. „Tbc ist in Osttirol derzeit Gott sei Dank kein Thema”, berichtet Hans Winkler.
Ruhe für das Wild
Im Rahmen des Programms ‚Bergwelt Tirol – miteinander erleben‘ wurden in Tiroler Skitourenregionen freiwillige Schutzzonen vereinbart. Im heurigen Winter stehen somit 190 in lokalen Arbeitskreisen vereinbarte freiwillige Schutzzonen für Birk- und Auerhuhn, Gams und Steinbock, Rotwild sowie den Schutzwald mit einer Gesamtfläche von knapp 11.500 Hektar zur Verfügung. Zusätzlich gibt es in Tirol 46 behördlich verordnete Wildruhezonen im Nahbereich von Wildfütterungen mit einer Gesamtfläche von rund 5.150 Hektar.
In Osttirol beteiligt man sich im Tauerntal in Matrei, in Kals, im Villgratental, in Tristach und Obertilliach am Programm „Bergwelt miteinander erleben”. SkitourengeherInnen und WintersportlerInnen werden dringend ersucht, diese Schutzzonen für verschiedene Wildtierarten, aber auch für den Schutzwald zu respektieren und ihren Sport naturverträglich auszuüben.
„Wir appellieren, nicht nur in diesen Schutzzonen, also auch etwa am Hochstein in Lienz oder im Debanttal, die vorgesehenen Aufstiegs- und Abfahrtsrouten zu benutzen. Wenn die SkitourengeherInnen durch den Wald aufsteigen und abfahren, wird das Wild gestört. Mit etwas mehr Nachdenken und Vernunft wäre dem Wild und der Jägerschaft sehr geholfen”, betont Hans Winkler.
Text: Raimund Mühlburger, Symbolfoto: Fotolia/alfredofotografie