„Innovation und Regionalität sind heute so entscheidend wie noch nie zuvor!“

… betont der Vorstandsvorsitzender der DolomitenBank, Dir. Mag. Hansjörg Mattersberger, und verweist darauf, wie wichtig diese Werte gerade in Zeiten der Krise sind.

Vor sechs Jahren ist der DolomitenBank Osttirol-Westkärnten eG gelungen, was auch viele andere Regionalbanken aus dem Volksbankensektor anstrebten: Selbstständigkeit. Wenngleich der Weg dorthin kein einfacher war, hat man zwischenzeitlich mehr als deutlich bewiesen, dass die Bank mit Marktgebiet in Osttirol, im angrenzenden Südtiroler Pustertal sowie im Westen von Kärnten bis nach Spittal an der Drau ein Erfolgsmodell ist.

Herr Mag. Mattersberger, warum sehen Sie sich speziell in Zeiten wie diesen in der Entscheidung hin zu einer eigenständigen Regionalbank bestätigt?

Gerade die enormen Herausforderungen, mit denen sich die Welt, Österreich und unsere Region seit nun mittlerweile einem Jahr konfrontiert sehen, zeigen, dass unser Weg der richtige ist. Durch die persönliche und örtliche Nähe zu den Kunden konnten und können wir als regional agierende Bank Entscheidungen rasch, mit Augenmaß und Handschlagqualität treffen. Wir betreuen in der Zentrale in Lienz und in den DolomitenBank-Geschäftsstellen in Lienz, Matrei, Heinfels, Hermagor, Gundersheim, Kötschach und Gmünd sowohl Unternehmens-, als auch Privatkunden. Nicht alle hat die Krise gleich stark getroffen, entscheidend für alle war aber gerade zu Beginn der Pandemie eine rasche und möglichst unbürokratische Lösung. Bei Einnahmenausfällen konnten wir aufgrund der Covid-19-Krise Kreditraten unkompliziert aussetzen und im Rahmen des gesetzlichen und regulatorischen Spielraumes bundesbehaftete Überbrückungsfinanzierungen zusichern. Zudem standen unsere MitarbeiterInnen mit ihrem Know-how bei der Beantragung von Fördermitteln auf Wunsch beratend zur Seite. Dies alles hat die Situation im Vorjahr für viele entscheidend verbessern können. Natürlich begleiten wir unsere Kunden weiterhin und unterstützen auch jene, die diese außergewöhnliche Zeit nützen möchten, um zu investieren.“

Mit Fortdauer der Pandemie und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Krise kristallisiert sich heraus, dass vermutlich nicht alle Betriebe fortbestehen werden. Womit rechnen Sie und wann glauben Sie, dass der Aufschwung beginnen wird können?

Bei den vielfach genannten 38 Milliarden der Bundesregierung handelt es sich zum Großteil um Haftungen, die auf drei oder fünf Jahre beschränkt sind. Die Rückzahlungen muss der Kunde alleine leisten, soweit sie nicht durch Direktzuschüsse gedeckt sind. Realistisch betrachtet dürften dies nicht alle schaffen, insbesondere jene Unternehmen nicht, die sich schon vor der Pandemie in Schieflage befanden. Einige Insolvenzen werden nicht zu vermeiden sein, und natürlich dürften Kreditausfälle auch dem Bankensektor Geld kosten. Meine Hoffnung ist, dass es ab Jahresmitte bzw. spätestens im zweiten Halbjahr 2021 wieder aufwärts geht, natürlich unter der Voraussetzung, dass das Impfprogramm greift, der Sommertourismus funktioniert und der Inlandskonsum wieder angekurbelt werden kann.

Wie ist der Bezirk Lienz Ihrer Einschätzung nach bisher durch die Krise gekommen?

Die Covid-19-Krise ist an Osttirol nicht spurlos vorübergegangen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen ziehen sich quer durch alle Branchen, besonders betroffen sind Hotellerie und Gastronomie, viele Dienstleistungsbetriebe und der Handel. Natürlich wird es zu „Bereinigungen“ kommen, nichtsdestotrotz steht der Bezirk Lienz aufgrund seiner breit gefächerten Wirtschaftsstruktur besser da als so manch andere Region. Einen großen Vorteil sehe ich in der nachhaltigen Positionierung sowie hohen Innovationskraft vieler Betriebe. Ich stelle fest, dass nicht wenige Firmen aus der Krise gestärkt hervorgehen werden. Der persönliche Einsatz der Unternehmer und ihrer MitarbeiterInnen, die Freude an der Arbeit, die Fähigkeit, Neues zu entwickeln und Chancen zu nützen, sind letzten Endes das Erfolgsrezept, auch schwierige Zeiten zu durchtauchen. Es gibt dafür schöne Beispiele, etwa aus dem Mechatronik-Sektor. Ich möchte hier stellvertretend die Makkon GmbH aus Matrei i.O. und die MICADO Smart Engineering GmbH mit Sitz in Oberlienz nennen. Positiv stimmt mich auch die „Qualitätsbettenoffensive Osttirol“. Es gibt konkrete Ansätze dafür, dass bis zu 1.500 zusätzliche Qualitätsbetten entstehen und damit die regionale Wertschöpfung im Tourismus nachhaltig gesteigert werden kann.

Die DolomitenBank unterstützt auch den „Osttirol Innovation Award“. Warum ist Ihnen dies ein Anliegen?

Zum einen sehen wir es als unsere Aufgabe an, Projekte vor Ort zu fördern, und dies gilt natürlich im Besonderen auch für Innovationen. Sie sind für die Weiterentwicklung einer Region sehr wichtig, stellen manchmal die Basis für Startups und sehr oft die Voraussetzung dafür dar, dass bestehende Betriebe weiter ausgebaut werden und am Markt reüssieren können. Zum anderen wissen wir, dass eine Regionalbank wie die unsere immer nur so stark  ein kann, wie es die Menschen, die Wirtschaft und die Region als Gesamtheit sind.

Neben dem Thema Innovation spielt auch der Wert der Regionalität in der heimischen Wirtschaft eine immer größere Rolle. Wurde dieser Trend durch die Pandemie verstärkt?

Ja, sicher, ich bin überzeugt davon. Ungeachtet der Globalisierung zeichnet sich vielerorts die Besinnung zurück  in und auf die Region ab. Dieser Fokus ist deutlich größer geworden, doch bedarf es meiner Ansicht nach in der Bevölkerung noch einiger Bewusstseinsbildung, vor allem in Hinsicht auf den Einkauf bei Online-Riesen wie Amazon & Co. Nur wenn die Wertschöpfung vor Ort bleibt, können mittel- und langfristig viele Arbeitsplätze in der Region gesichert werden. Alles, was nicht hier gekauft wird, bedeutet, dass Kaufkraft abfließt und anderen zugutekommt. Dieses „Die-Arbeitsplätze-in-der-Region-Halten“ war auch einer der Beweggründe, der uns auf unserem Weg hin zur Regionalbank vorangetrieben hat. Als DolomitenBank Osttirol-Westkärnten eG haben wir neue Abteilungen geschaffen bzw. bestehende aufgestockt. Bei einer Fusionierung wäre die Hälfte unserer rund 90 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Die DolomitenBank ist als Regionalbank groß, auf nationaler und internationaler Ebene aber sehr klein – ist dies ein Vor- oder ein Nachteil?

Unsere Aufgabe und Zielsetzung ist es nicht, ein globaler Player und damit einer von vielen zu sein. Natürlich müssen wir bei den Konditionen mit den Großen mithalten, beispielsweise um ein Haus zu finanzieren oder um ein
Unternehmen begleiten zu können. Dies ist ohne Zweifel eine Herausforderung, bedeutet aber nicht automatisch, dass größere Einheiten effizienter sind als kleinere. Mit einer Bilanzsumme von etwa 550 Millionen Euro sind wir groß genug, um kosteneffizient arbeiten und die Regulatorik bewältigen zu können. Als regional verwurzelte Bank punkten wir mit der bereits erwähnten Nähe zum Kunden und mit dem Wissen über die Region. Wir können den unmittelbaren Wirtschaftskreislauf vor Ort stärken und in Schwung halten. Vor allem identifizieren sich auch unsere MitarbeiterInnen mit unserem Modell.

Stichwort „Gelebte Kundenpartnerschaft“: Welcher Faktor ist hier entscheidend?

Das Bankengeschäft ist im Kern ein „people business“. Maßgeblich ist und bleibt das wechselseitige Vertrauen zwischen Kunde und Bank.

Auch wenn Technologien zunehmend eine Rolle spielen, geht es also letzten Endes doch um die persönliche Ebene?

Auf jeden Fall! Der Bankensektor war in den letzten Jahren von einer enormen Technisierung und Digitalisierung geprägt – und die Pandemie hat dies, wenn man z.B. an das bargeldlose Zahlen denkt, verstärkt. Wir als Regionalbank bieten in dieser Hinsicht natürlich alles an, was der Kunde heute erwartet und werden auch mit der weiteren IT-Entwicklung Schritt halten. Auch bei uns im Haus spielen digitale Abläufe für die Optimierung unserer Geschäftsprozesse eine zunehmend wichtige Rolle. Schlussendlich sollen uns die innovativen Techniken jedoch jenen Spielraum sichern und erhalten, der für die persönliche Beratung und Betreuung der Kunden erforderlich ist.

www.dolomitenbank.at

 

Interview: J. Hilgartner, Foto: Profer & Partner

15. März 2021 um