INNOS präsentiert Arbeitsmarktstudie und Talenteplattform für Osttirol

Prognostiziert ist, dass im Jahr 2032 rund 1.300 Arbeitskräfte in Osttirol fehlen werden. Mobilisierungspotenzial sehen INNOS und Wirtschaftskammer vor allem bei Frauen in Teilzeit, Älteren, Pendlerinnen und Pendlern sowie Zuziehenden.

Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer stellte die INNOS GmbH am Dienstag, 25. März, eine Arbeitsmarktstudie und Talenteplattform in der Firma REVITAL Integrative Naturraumplanung vor. „Wir beschäftigen derzeit 60 Mitarbeiter:innen, rund 40 % kommen aus Osttirol, etwa 25 % aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland und Italien. Unsere Konkurrenz in Sachen Personalgewinnung sehe ich vor allem in Consulting-Firmen, die sich hauptsächlich in den Landeshauptstädten befinden, und in der Verwaltung, wohin immer mehr Beschäftigte wechseln. Heutzutage wechseln auch immer mehr gut ausgebildete Experten die Branche“, berichtete REVITAL-Geschäftsführer Klaus Michor von seinen Erfahrungen.

Bewerber würden laut Michor die Betriebe immer häufiger nach den dort realisierten Projekten auswählen. „Wir versuchen im Recruiting, mit innovativen Projekten, einer Mitarbeiter-zugewandten Unternehmenskultur, insbesondere aber auch mit der hohen Lebensqualität im Bezirk in zu punkten“, so Michor.

Im Rahmen des LEADER-Projektes „Innovation & Karriere“ hat die INNOS GmbH eine Studie in Auftrag gegeben, um die aktuelle Situation im Bezirk umfassend zu analysieren. Raumentwickler Dominik Ebenstreit hat den Status quo, bestehende Entwicklungen und Maßnahmen erarbeitet.

„Eine besondere Herausforderung ist – wie in allen ländlichen Gebieten – der demographische Wandel. Immer mehr Pensionisten stehen immer weniger Erwerbstätigen gegenüber. Kamen 2013 noch rund 25 Arbeitslose auf eine offene Stelle, so sind es aktuell nur mehr 1,5 Arbeitslose pro offener Stelle. 2032 werden in Osttirol rund 1.300 Arbeitskräfte fehlen“, so Ebenstreit.

Mobilisierungspotenziale sieht die Studie vor allem bei Frauen in Teilzeit, bei Älteren, bei Pendlerinnen und Pendlern sowie Zuziehenden. „Die Wanderungsbilanz vom Land in die Großstädte ist heute nicht mehr so negativ wie früher. Wir müssen öfter über die Grenze schauen. Zugute kommt uns, dass Wohnraum in Osttirol im Vergleich zu den Landeshauptstädten – wie z.B. Innsbruck – noch relativ günstig ist“, erklärte der Studienautor, der aus Wien stammt und als Selbstständiger größtenteils im Inkubator S³ in Lienz arbeitet.

Aus Studien, Interviews und Datenanalysen ergeben sich insgesamt 24  Maßnahmen-Empfehlungen und zwölf Good-Practice-Beispiele für Osttirol. „Zentral ist für mich, dass den Arbeitskräften leistbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt wird, dass ein regionales Zuzugsmanagement implementiert wird und dass Integrations- und Bildungsstrategien für  Zuwanderer:innen etabliert werden“, betonte Ebenstreit.

Dass es ein Maßnahmenbündel braucht, um dem zunehmenden Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, bestätigte Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Johann Kollreider. „Bis 2043 wird ein Drittel der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Das Fortbestehen unternehmerischer Tätigkeit hängt vor allem von der aktiven Anwerbung qualifizierter Zuziehender ab“, zeigte sich Kollreider überzeugt.

Mit dem EU-geförderten Projekt „Willkommen in Osttirol“ soll der Bezirk als attraktiver Arbeits- und Lebensraum präsentiert werden. „Osttirol vereint hohe Lebensqualität, spannende Karrieremöglichkeiten und ein starkes Netzwerk für Fachkräfte und Unternehmen. Mit einem Talenteportal wollen wir über eine Website Osttirol als ganzjähriges und dauerhaftes Schaufenster der Region präsentieren“, informierte INNOS-Geschäftsführer Reinhard Lobenwein.

Die von Werner Stotter entwickelte Talenteplattform „Willkommen in Osttirol“ wird im kommenden Mai online gehen. „Auf der Website können Unternehmen sich und ihre offenen Stellen präsentieren. Potenzielle Arbeitskräfte finden hier alle Informationen über Jobs, Betriebe, die Region und die Wirtschaft. Bewerben kann man sich ganz einfach in vier Schritten“, erklärte Stotter.

„Die Jobmesse wird im Zweijahresrhythmus stattfinden – das nächste Mal 2026. In Zukunft wollen wir insbesondere auch auf Events – wie Tage der offenen Tür oder Tage des offenen Werktors – setzen“, so Reinhard Lobenwein abschließend.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute/Mühlburger

25. März 2025 um