Innervillgraten: Gelungene Symbiose von Alt und Neu
In Kalkstein steht auf 1.640 Meter Seehöhe ein über 300 Jahre altes Bauernhaus, das in den letzten drei Jahren einer umfangreichen Generalsanierung unterzogen wurde.
„Im Zuge der Generalsanierung wurde auf einem Balken das Datum 1682 entdeckt“, berichtet Bauherr Dr. Martin Steinlechner von der Jahrhunderte alten Bausubstanz. Der Innsbrucker Gerichtsmediziner, dessen Gattin aus dem Villgratental stammt, hat das denkmalgeschützte Gebäude im Jahre 2010 von seinem Schwager Benjamin Schaller gekauft. „Das Giatla Haus – `Giatla` bedeutet so viel wie `kleines Gut` – befand sich schon immer in Familienbesitz. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, das Haus durch die äußerst aufwändige Restaurierung zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen“, so Benjamin Schaller. Der gelernte Tischler, der als Land- und Gastwirt tätig ist, stand Martin Steinlechner während der gesamten Bauphase zur Seite und zeichnet nun – nach gelungener Fertigstellung – auch für die Vermietung der neu entstandenen Ferienwohnungen verantwortlich.
Eine große Herausforderung bei den Umbauarbeiten war das fehlende Fundament, das erst neu gelegt werden musste.
„Uns war es wichtig, dass weite Bereiche des Bauernhauses im Originalzustand belassen wurden, um den ursprünglichen Charakter zu konservieren“, meint Bauherr Martin Steinlechner weiter. „Schon 2010 haben wir mit den ersten Planungen begonnen. Die Herausforderungen, denen wir uns stellen mussten, waren enorm: Das Haus hatte kein Fundament, gründete nur auf gestampftem Boden und war in weiten Bereichen sprichwörtlich abgesackt. Das Untergeschoss wies Höhenunterschiede bis zu 80 Zentimeter auf. Außerdem war das Dach undicht, bzw. hatte Feuchtigkeit aller Art massive Spuren im gesamten Gebäude hinterlassen.“ In dem Innsbrucker Architekten DI Reinhard Madritsch, einem gebürtigen Osttiroler, fanden Steinlechner und Schaller einen ebenso fachkundigen wie engagierten Partner. Madritsch entwarf nicht nur das Konzept für die behutsame Restaurierung und Neugestaltung, sondern auch für die gesamte Inneneinrichtung, sodass sich das Giatla Haus dem Besucher heute als einzigartiges, harmonisches Gesamtbild präsentiert.
Das Material Holz bestimmt die gesamte Inneneinrichtung: Lärche für die Fußböden, Fichte und Zirbe für die Massivholzmöbel.
„Die fehlende Stabilität bzw. die Niveauunterschiede wurden mittels Bodenplatten einer Lösung zugeführt“, informiert Benjamin Schaller, während Martin Steinlechner auf das gelungene „Haus in Haus“-System hinweist. „Die alte Fassade wurde, so weit möglich, erhalten. Im Innenbereich ist ein neuer, acht Zentimeter dicker Wandaufbau entstanden, der sich in die alten Mauern bzw. Holzwände wie ein neuer Block einfügt. Zwischen Alt- und Neubestand wurde die Dämmung eingebracht, wobei heimische Schafwolldämmung als naturnaher Baustoff zum Einsatz kam.“ In das Gesamtkonzept integriert wurden auch die historischen Fenster. „Wie haben sie belassen, wenngleich sie, abgesehen von der Optik, keine Funktion mehr haben. Diese übernehmen die neuen, doppelt verglasten Fenster des inneren Blocks“, so Benjamin Schaller. Neu ist auch das Dach, wenngleich auch hier zum Teil alte Elemente, wie Balken, einer Weiterverwendung zugeführt wurden.
Ein Blick in den Wellnessbereich mit Finnischer Sauna und Infrarotkabine, der sich im Dachgeschoß befindet
Das Ergebnis des mehrjährigen Bauprozesses kann sich sehen lassen. Dies bestätigen nicht nur die Rückmeldungen des Denkmalamtes bzw. von verschiedenen Bauexperten. Begeistert zeigen sich auch die Gäste aus nah und fern, die seit der Inbetriebnahme der neu entstandenen vier Ferienwohnungen auf zwei Etagen erholsame Tage im Giatla Haus verbracht haben. Die Wohnungen überzeugen mit einem gemütlich-modernen Ambiente mit maßgefertigten geradlinigen Möbeln und Textilien in einer Akzentfarbe. Nicht nur für die Baumaßnahmen, sondern auch für die Innenausstattung wurden ausschließlich natürliche Materialien gewählt: Schafwolle für Matratzen und Überbetten, Fußböden aus Lärchenholz sowie Massivholzmöbel aus Fichten- und Zirbenholz. Im Dachgeschoss des Hauses liegt ein Wellnessbereich mit Finnischer Sauna und Infrarotkabine. Und im Frischluftraum mit Panoramablick auf die Berge kann man herrlich entspannen. „Unsere Gäste kommen aus aller Herren Länder. Neben Privatpersonen buchen immer öfter auch Firmen oder Veranstalter unser Haus als idealen Ort für Seminare“, freuen sich Martin Steinlechner und Benjamin Schaller. „Im Oktober 2017 wird das Giatla Haus als Vorzeigeprojekt Teil des Programms der 6. Leerstandskonferenz hochkarätiger Experten aus dem In- und Ausland sein.“
Text: E. Hilgartner, Fotos: Lukas Schaller, Osttirol heute






