Dramatische Situation im heimischen Wald, Maßnahmenpaket soll entgegenwirken

Nach den Extremereignissen der vergangenen zwei Jahre mit enormen Schadholzmengen droht nun ein massiver Borkenkäferbefall. Der Holzmarkt ist stark eingebrochen.

„Unter den aktuellen Voraussetzungen ist jede Holzernte im Wald ein finanzieller Verlust. Wenn wir aber nichts tun und das Schadholz nicht aus den Wäldern bringen, frisst der Borkenkäfer unsere Schutzwälder“, fasst LH-Stv. Josef Geisler die aktuelle Situation zusammen. Um dies zu verhindern und die Forstwirtschaft durch die Krise zu bringen, wurde nun ein Maßnahmenpaket für die Tiroler Forstwirtschaft mit Schwerpunkt Osttirol geschnürt. Dieses ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert. Durch die Aufstockung mit Bundesmitteln ergibt sich ein forstliches Investitionsprogramm von fünf Millionen Euro.

In Osttirol entsteht ein erstes Nasslager für Schadholz
Eine der speziellen Maßnahmen im Rahmen des Forstpaketes ist die Unterstützung der Errichtung von sogenannten Nasslagern für Schadholz. Dort wird durch dauerndes Beregnen die Vermehrung des Käfers verhindert und die Holzqualität erhalten, bis das Holz am Markt wieder verkauft werden kann. Ein solches Lager für 60.000 Kubikmeter Holz entsteht in Kürze in der Osttiroler Gemeinde Ainet.

Appell an die heimische Sägeindustrie
An die heimische Sägeindustrie gerichtet, spricht sich Josef Geisler dafür aus, anstelle von Holzimporten heimisches Holz abzunehmen. Denn es liegt noch viel Holz im Wald. 1,3 Millionen Festmeter Schadholz – dies entspricht dem gesamten Holzeinschlag eines Jahres in Tirol – haben das Sturmtief VAIA im Oktober 2018 und die Schneeereignisse im Jänner und November 2019 verursacht. Hauptbetroffen ist Osttirol mit mehr als einer Million Festmeter Schadholz oder dem fünffachen Jahreseinschlag in der Region. „In einer Kraftanstrengung ist es bislang, gemeinsam mit den Waldbesitzern, gelungen, mehr als die Hälfte des Windwurf- und Schneebruchholzes aufzuarbeiten. Zumindest in den tieferen Lagen bis 1.000 Metern Seehöhe muss jedoch nun auch das restliche Holz bis Ende Juni entweder aus dem Wald gebracht oder so behandelt werden, dass sich der Borkenkäfer nicht vermehren kann“, schildert Landesforstdirektor Josef Fuchs die Herausforderung. Es geht um 500.000 Kubikmeter Holz.

Enorme Borkenkäfergefahr
Auf die Borkenkäfergefahr, aber auch auf die Stabilisierung des Holzmarktes und die Aufforstung mit klimafitten Baumarten bietet das Forstpaket Antworten. „Derzeit kann der Holzmarkt das anfallende Holz nicht aufnehmen. Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, das Holz aus dem Wald zu bringen. Daher heben wir die Förderungen für alle Forstschutzmaßnahmen im Wald an, um zumindest den Borkenkäfer hintanzuhalten“, so Fuchs weiter. Die Bäume werden im Wald entrindet, damit sich der Borkenkäfer nicht zwischen Rinde und Holz einnistet und sich dort vermehrt. Verstärkt zum Einsatz kommen sollen auch so genannte Fangbäume, die nach der Besiedlung durch den Borkenkäfer aus dem Wald entfernt oder an Ort und Stelle entrindet werden.

 

Im zehnjährigen Durchschnitt sind in Tirols Wäldern 69.000 Kubikmeter stehendes Holz vom Borkenkäfer befallen. Der Höchstwert wurde 2017 mit einem Befall von 130.000 Kubikmeter verzeichnet, 2019 waren es dank der umfangreichen Bekämpfungsmaßnahmen 55.000 Kubikmeter. Trotzdem wurde allein aufgrund des Borkenkäfers ein Schaden von 2,8 Millionen Euro (Gesamtschadenssumme 2019 im Tiroler Wald: 32,8 Millionen Euro) verzeichnet.

 

Aufforstung mit klimafitten Baumarten
Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit dem Naturgefahrenmanagement ist die Räumung der Wildbäche von Schadholz. Auch hier bietet man zusätzliche Unterstützung, damit der Mehraufwand abgegolten werden kann. Neben der Errichtung von Nasslagern für Schadholz höherer Qualität sollen die Verwertungsmöglichkeiten im Energieholzsektor und in der Pelletsproduktion geprüft und bestenfalls erhöht werden. Für die Wiederaufforstung der durch die Wetterextreme zerstörten Waldflächen vor allem im Schutzwald kommen gemäß des Programms „Klimafitter Bergwald“ verstärkt an die neuen klimatischen Verhältnisse angepasste Mischbaumarten wie Tanne, Lärche, Ahorn, Buche u.a. zum Einsatz.

 

Die Situation in Osttirol in Zahlen

Sturmtief VAIA 2018: 600.000 Kubikmeter Schadholz auf 2.100 Hektar Waldfläche von über 1.100 verschiedenen WaldbesitzerInnen. 100.000 Kubikmeter Holz aus diesem Ereignis müssen noch aufgearbeitet werden. Zwei Drittel der Schäden sind im Schutzwald entstanden.

Schneeereignis November 2019: Weitere 500.000 Kubikmeter Schadholz über Waldflächen des gesamten Bezirkes Lienz verteilt. 400.000 Kubikmeter Holz aus diesem Ereignis müssen noch aufgearbeitet werden.

 

Text: J. Hilgartner, Fotos: Land Tirol, Fotolia/Friedberg

04. Mai 2020 um