Image von Lehrlingen und Facharbeitern anheben
Die Verantwortlichen der Wirtschaftskammer sehen einen Lehrlingsmangel auf uns zukommen. Mit gezielten Maßnahmen soll Image des Facharbeiters angehoben werden.
Insgesamt 861 Lehrlinge wurden zum Jahresende 2013 in 352 Osttiroler Lehrbetrieben ausgebildet, um 17 weniger als im Jahr davor. „Das ist zwar kein dramatischer Rückgang, aber trotzdem sehen wir – auch wegen der sinkenden Geburten – einen Lehrlings- und damit Facharbeitermangel auf uns zukommen“, erklärt dazu der in der Wirtschaftskammer Lienz für das Lehrlingswesen zuständige Mitarbeiter Michael Riepler. So gab es im Jahr 1998 noch 578 Geburten in Osttirol, im vergangenen Jahr nur mehr 436. „Die im Jahr 1998 Geborenen wurden im Vorjahr 15 Jahre alt und standen vor der Wahl Lehre oder weiterführende Schule. In 15 Jahren werden das um rund ein Viertel weniger sein“, so Riepler mit Blick auf die Geburtenstatistik für den Bezirk Lienz.
Mit gezielten Maßnahmen versucht die Wirtschaftskammer, das Image des Facharbeiters und damit der Lehre anzuheben. Allgemein gibt es nämlich unter den Jugendlichen einen Trend hin zur Ausbildung in einer weiterführenden Schule. „Wir wollen keinesfalls eine Konkurrenz zwischen Lehre und Schulausbildung aufbauen, aber durch Maßnahmen der Berufsorientierung die Entwicklung weg von der Lehre abfedern“, betont Michael Riepler. So werden SchülerInnen der 3. Klassen von Neuen Mittelschulen jährlich einmal zu einem Berufsfestival in die Wirtschaftskammer eingeladen. Ziel dieser Veranstaltung ist es, den PflichtschülerInnen auf spielerische und informative Weise Lehrberufe und Lehrbetriebe vorzustellen.
Ein gutes Beispiel für Lehrausbildung auf hohem Niveau: Die Firma Gebrüder Theurl in Assling bietet Lehrplätze in einem Hightech-Holzverarbeitungsbetrieb, der europaweit an der vordersten Front mitmischt.
Bei Schnupperworkshops können sich SchülerInnen der 4. Klassen in Osttiroler Lehrbetrieben direkt vor Ort ein Bild von verschiedenen Berufen machen. In der 8. oder 9. Schulstufe haben Jugendliche eine ganze Arbeitswoche lang die Möglichkeit, in Lehrbetrieben zu schnuppern. „Über die von uns angebotene Talent-Card versuchen wir, gemeinsam mit den jungen Menschen Potenziale, Stärken, Interessen und Neigungen herauszufinden und so die Berufswahl zu erleichtern“, meint Riepler.
Mehr als die Hälfte der 861 Osttiroler Lehrlinge haben einen der sechs beliebtesten Lehrberufe gewählt, nämlich Einzelhandel (138), Metalltechnik (73), Kraftfahrzeugtechnik (66), Tischlerei (62), Elektrotechnik (52) und Koch/Köchin (51). „Manche Betriebe haben Schwierigkeiten, Lehrlinge zu finden, weil den Jugendlichen der Beruf nicht sehr attraktiv erscheint – etwa in Bezug auf die Aufteilung der Arbeitszeiten“, so Mag. Reinhard Lobenwein, Leiter der WK Lienz, „auf der anderen Seite gibt es beliebte Berufe, für die es nur wenige Ausbildungsplätze gibt, wie etwa Mediendesigner.“ Ziel müsse es insgesamt sein, das Image der Lehre und des Facharbeiters anzuheben, die Kombination Lehre und Matura sei ein wichtiger Baustein dazu.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Mühlburger, Michael Meyer michaelmeyer-foto.com